Auf dem Päckli stand «Feuerwaffe»!

  • Publiziert: 06.12.2007, Aktualisiert: 20.01.2012
  • von Karin Baltisberger

WINTERTHUR – Er klaut in der RS eine Pistole, schickt sie per Feldpost-Paket einer Kollegin. Und schreibt gross drauf, was drin ist.

«Fire Gun» (Feuerwaffe) steht mehrmals gross auf dem Paket, das vor zwei Wochen bei einer jungen Frau in Winterthur eintrifft. Der Absender: Luis W.* (21), der Mörder von Francesca (16). Er erschoss die Lehrtochter an der Bushaltestelle mit seinem Sturmgewehr.

Im Paket befindet sich eine Armee-Pistole, Kaliber 9 mm, und ein separat aufbewahrter Verschluss. Die Waffe hat Luis W. in der letzten RS-Woche aus der Kaserne Turtmann VS geklaut.
Dann verschickt er sie bequem und kostenlos per Feldpost. Am Telefon schärft er seiner Kollegin aus Winterthur ein, sie solle das Paket ja nicht öffnen.

Die 21-Jährige denkt sich nichts dabei, bewahrt das Paket auf – die Aufschrift «Fire Gun» scheint sie nicht zu irritieren. Sie öffnet es nicht. Bis letzten Samstag. Da hört die junge Frau erstmals im Radio vom Fall Höngg, dem Todesschützen Luis W. und der fehlenden Pistole. Sie zählt eins und eins zusammen – und ruft sofort die Polizei.

«Am Samstag standen schon um 8 Uhr Polizisten hier», erzählt eine Nachbarin. Sie nahmen das Paket mit. Woher die 21-Jährige Luis W. kannte, weiss ihre Nachbarin nicht: «Sie war in einer Clique – möglich, dass sie sich dort oder im Ausgang kennengelernt haben.» Klar aber ist für die Nachbarin: «Sie hat ganz sicher nichts mit dem Mord oder einem Verbrechen zu tun.»

Staatsanwältin Catherine Nägeli bestätigt inzwischen, dass man die verschwundene Armee-Pistole gefunden hat. «Wie sie verschwand, ist Teil der polizeilichen Untersuchung.»
Plante Luis W. mit der Pistole einen weiteren Mord?

Mitarbeit: Werner Bucher
*Namen der Redaktion bekannt

play Francescas Grab. Ihr Mörder schickte einer Kollegin eine Feuerwaffe – aus der RS! (Keystone)