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Atomexperte David Albright schlägt Alarm: Bei den Brüdern Urs und Marco Tinner wurden verschlüsselte Pläne für den Bau kleiner Atomsprengkörper gefunden. Diese Sprengkörper sind so klein, dass man mit ihnen Mittel- und Langstreckenraketen bestücken kann. Beunruhigende Aussichten.
Denn hier handelt es sich um hochentwickelte Nukleartechnik – und wenn die Tinners im Besitz solcher Pläne waren, dann könnten es auch andere sein. So könnten etwa Iran oder Nordkorea schon heute diese Raketen herstellen, um einen solchen Sprengkopf einzusetzen. Und im Gegensatz zu einem Flugzeug, das eine Atombombe abwirft, können Raketen nicht so leicht abgefangen werden.
Derzeit ist unklar, ob die Tinners die Pläne für den Bau kleinerer Atomsprengkörper weiter verkauft haben. Aber allein die Aussicht, dass sie weitergegeben wurden, bezeichnet Albright in einem Interview mit dem «Tages Anzeiger» als besorgniserregend. «Ich frage mich, wieso die Tinners diese Pläne besassen. Ihre Aufgabe war es, für das Netzwerk von Abdul Qadeer Khan Zentrifugen-Bestandteile herzustellen. Es war jedoch nicht ihr Job, mit Bauplänen zu handeln. Für mich ist das besonders alarmierend», so Albright.
Die einzigen, die wissen, ob und wem diese Pläne verkauft wurden, sind die Tinners. Auf ihre Kooperation sind die Ermittler umso mehr angewiesen. Doch dazu muss es gar nicht kommen. Dafür hat der Bundesrat mit seiner Aktenvernichtungs-Aktion unfreiwillig gesorgt. Denn die vernichteten Unterlagen können von den Anwälten der Tinners nun als Entlastungsmaterial gedeutet werden. Unter diesen Umständen dürften sie nicht mehr lange in Haft bleiben.
Genau dies befürchtet auch Albright: «Eigentlich steht es mir nicht an, die Aktenzerstörung zu bewerten. Aber ich befürchte, dass die Tinners deswegen straffrei ausgehen und das Gefängnis schon bald verlassen könnten. Dabei spielen sie eine äusserst wichtige Rolle im Atomschmuggel-Netz von A.Q. Khan. Das zeigt bereits der Umstand, dass die über diese Baupläne verfügten.»
Stärker denn je liegt die Brisanz also bei den Tinners und ihrem Wissen darüber, wer die brisanten und hochgefährlichen Baupläne noch besitzen könnte – der Eingriff des Bundesrates in das Strafverfahren gegen die Tinners könnte sich bei ungenügender Kooperation der listigen Schweizer Atomschmuggler als noch viel folgenreicher herausstellen als bisher angenommen. (gux)
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Empfänger? Urs Tinner sitzt in U-Haft und ersuchte um Gratis-Prozessführung. (Keystone)