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Serie: Armut in der Schweiz «Wir reden über unsere Armut»

von Katia Murmann und Paola Pitton | Aktualisiert um 07:54 | 02.11.2006

ZÜRICH – Armut hat in der Schweiz kein Gesicht. Über Armut wird bei uns kaum geredet. Sarah Moser* (47) steht hin. Sie bricht das Schweigen. Die alleinerziehende Mutter von drei Kindern führt sogar ein öffentliches Tagebuch im Internet. Und erzählt darin von ihrem Leben ohne Geld.



«Ich will das Thema der Armut hierzulande öffentlich machen, weil es noch immer ein Tabu ist.» (Philippe Rossier)
«Ich will das Thema der Armut hierzulande öffentlich machen, weil es noch immer ein Tabu ist.» (Philippe Rossier)
«Es gibt Dinge, die können Sie nicht verstehen. Nicht, weil Sie nicht wollen, sondern weil Sie nicht einmal wussten, dass es sie gibt.» So beginnt der Weblog-Eintrag vom 30. Oktober von Sarah Moser (47).

Die alleinerziehende Mutter von drei Kindern lebt von der Sozialhilfe. In ihrem Weblog – ein öffentliches Tagebuch im Internet – berichtet sie seit einem Jahr über ihren Alltag. Ein Alltag in Armut.

«Wussten Sie etwa, dass es Menschen gibt, die dringend auf bessere Wohnverhältnisse angewiesen wären und trotzdem zögern, auch nur einen Versuch zu machen, etwas zu ändern?», schreibt Sarah Moser. Sie weiss, wovon sie spricht.

Jahrelang hat sie in einer winzigen 3-Zimmer-Wohnung mit ihren Kindern gelebt. Aus Resignation. «Ich habe die Mietzinsen angeschaut und gedacht: Das kann ich mir sowieso nicht leisten.» Einmal fragte sie doch bei einer Genossenschaft an. Prompt folgte eine Absage. Sarah Moser zweifelte an sich selbst: «Was mache ich falsch?»

Ohne Pathos, aber mit Sprachwitz schreibt Sarah Moser, wie sie das Kunststück fertigbringt, mit monatlich 2700 Franken sich und ihre Kinder durchzubringen.

Sarah Moser ist arm aufgewachsen. Mit einer alleinerziehenden Mutter und häufigen Umzügen von einem Kanton zum anderen. Ihre grösste Angst ist, dass ihre Kinder die Armut erben.

«Wer arm ist, ist isoliert. Die Unterstützung reicht nicht aus, um am sozialen Leben teilzunehmen. Ich bin jahrelang nicht aus dem Haus gekommen. Kinder aufziehen ist in der Schweiz eine Privatangelegenheit. Die Gesellschaft will Kinder. Wer aber Kinder hat, wird allein gelassen.»

Der Weblog von Sarah Moser ist zu lesen
unter: www.caritas.ch/zh

*Richtiger Name der Redaktion bekannt

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