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Unter Druck: Viele entlassene Banker lassen ihren Frust an den Beratern der Vermittlungszentren aus. (Keystone)
Der Mann im dunklen Anzug ist völlig aufgebracht. «Das kann doch nicht sein!», fährt er die Beraterin auf dem Zürcher Arbeitslosenamt an. «Ich dachte, mir stünden 80 Prozent meines bisherigen Lohns zu! Wie soll ich mit dem bisschen Geld leben können?»
Szenen wie diese sind in den regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) zurzeit Alltag. «Es ist unglaublich, welche Arroganz einige Banker an den Tag legen und uns beschimpfen, nur weil sie glauben, ihren Bankerlohn samt Bonus weiterhin zu kriegen», sagt eine RAV-Angestellte, die nicht genannt werden will. «Diese Leute glauben, eine 5-Zimmer-Wohnung an der Goldküste sei ihr Menschenrecht.» Was viele Banker nicht wissen: Maximal gibts monatlich 7350 Franken für Alleinstehende, 8400 Franken für Arbeitslose mit Familie.
Rolf Gross (48), Leiter des RAV an der Zürcher Staffelstrasse bestätigt: «Ich höre immer wieder: ‹Für diesen Lohn arbeite ich nicht.› Doch in solchen Situationen braucht es Flexibilität.» Den Job zu verlieren sei zwar belastend – Trotzreaktionen brächten aber nichts. «Handwerker sind da viel eher bereit, auch mal eine Zeit lang Fenster zu putzen», sagt Gross. Auch die Banker müssten jetzt bereit sein, eine Stelle anzunehmen, bei der man weniger verdiene.
Zusätzlich Zoff droht, weil sich viele RAV-Angestellte im Bankenwesen zu wenig auskennen. «Meine Leute haben bislang zu 90 Prozent Handwerker beraten – jetzt müssen sie plötzlich dreimal so viele Banker vermitteln als noch im Vorjahr, da ist es klar, dass sie in der Finanzwelt nicht gleich versiert sind», sagt Urs Baummann (54), Leiter des RAV Rapperswil-Jona.
Zur Unterstützung zieht Baumann nun externe Kaderberater bei. Diese sollen den Bankern helfen, eine adäquate Stelle zu finden. Denn sicher ist, es werden immer mehr: Allein durch den Job-Abbau bei der UBS werden im Grossraum Zürich bis zu 1100 Banker ihren Job los – so die offizielle Schätzung des Amts für Wirtschaft und Arbeit.
Schon im März waren im Kanton Zürich 1021 Banker auf Jobsuche – doppelt so viele wie im Vorjahr. Auch in Meilen ZH ist die Finanzkrise spürbar. Aus Kapazitätsgründen können Beratungsgespräche nicht mehr im 4-Wochen-Turnus führen, sondern nur noch alle sieben Wochen – zu gross sei der Andrang.