BIRCHWIL ZH – Polizisten tragen Taschen, Ordner und Unterlagen aus dem Haus von Yves M. (29). Zu diesem Zeitpunkt weiss man noch, wo sich der Todes-Kadi aufhält.
Im dunklen Range Rover fahren die Militärpolizisten vor dem Haus von Yves M.* in Birchwil ZH vor. Hausdurchsuchung! Den Todes-Kadi haben sie auf dem Rücksitz gleich mitgebracht. Der Mann, der beim Schlauchboot-Drama auf der Kander fünf Kameraden in den Tod führte. Stundenlang durchsuchen die Ermittler am Donnerstag sein Eckhaus, wie SonntagsBlick berichtete. Dann ziehen sie wieder ab, beladen mit Ordnern, Taschen und Plastiksäcken. Auch Yves M. nehmen sie wieder mit. Er wird zurückgebracht in den Polizeiarrest.«Wir sagen dem Ersatzmassnahme für Untersuchungshaft», präzisiert Silvia Schenker, Sprecherin der Militärjustiz. «Sie hat die gleiche Wirkung, wird aber nicht in einem Untersuchungsgefängnis ¬abgesessen.» So sei gesorgt, dass wegen Verdunkelungsgefahr Kontakte «nur kontrolliert zu engsten Angehörigen stattfinden können». Wo der Unglücks-Kadi einsitzt, ist laut Schenker «geheim». Noch keine detaillierten Angaben gibts auch zu den Unregelmässigkeiten in der Kaderselektion bei der Luftwaffe. Diese hatten Ende letzte Woche zum unfreiwilligen Rücktritt von Luftwaffenchef Walter Knutti geführt. Unter anderem, weil er Armee-Chef Robert Nef drei bis fünf Offiziere zur Generalstabsausbildung vorgeschlagen hatte, bei denen die «formellen Vorgaben» nicht erfüllt waren. Dazu gehörte auch Todes-Kadi Yves M. Knutti wollte ihn zum Major im Generalstab machen.BLICK wollte wissen, was aus den anderen Kandidaten wurde, deren Vorschlag ebenfalls «regelwidrig» war? Wurden sie bereits befördert, sind sie schon Generalstabs-Offiziere? Kommandanten mit grosser Verantwortung? «Der Chef der Armee wird darüber erst am Freitag anlässlich seiner Halbjahresbilanz Auskunft geben», erklärte Sprecher Christoph Brunner. Hoffentlich gibts dann auch Antworten auf diese Fragen: Zu was für einem befristeten Job kam Yves M. – damals als Fourier – durch einen befreundeten Offizier? Weshalb wurde er danach doch noch für eine Offiziersschule vorgeschlagen? Was sind das für «gute Beziehungen», dank denen er später plötzlich eine Lufttransport-Sicherungskompanie übernehmen konnte? *Name der Redaktion bekannt