Chaos bei RS-Beginn: Armee schickt 70 Rekruten heim!
Da behaupte noch einer, die Schweizer Armee sei nicht modern. Wie eine Fluggesellschaft überbucht sie die RS-Plätze.
Von Beat Michel | Aktualisiert um 14:57 | 03.11.2008
Tim N.* (20) will am Montagmorgen in der Kaserne Kloten in die RS einrücken. Er freut sich. Schon eine Woche vorher hat er Ferien genommen. Zur Vorbereitung.
«Der Militärdienst passt gut in meine Karriereplanung», sagt der Handwerker aus dem Kanton Solothurn. Er möchte Übermittlungssoldat werden. «Weil ich mich für Funktechnik interessiere.»
Kein Problem bei der Aushebung
Kein Problem bei der Aushebung vor einem halben Jahr sagte ihm der Rekrutierungsoffizier, bei den Funkern habe es noch 80 Plätze frei.
Doch Tims RS und die von Dutzenden seiner Beinahe-Kameraden – sie endet schon nach wenigen Stunden.
«Wir haben leider viel zu viele Männer aufgeboten», heisst es lakonisch in der UEM/FU-RS 62-3.
Tête-à-Tête mit dem Oberst
Das merken die Militärs erst beim Nachzählen in einer Turnhalle in Kloten ZH. Dort teilen die Vorgesetzten die Einrückenden in Kompanien ein. Ziel: 4 Gruppen à 50 Mann.
Doch oh Überraschung die letzte Gruppe umfasst 120 Rekruten. 70 zu viel.
Alles Zählen hilft nichts, die 4. Gruppe will einfach nicht kleiner werden. Das Problem wird zur Chefsache erklärt. Die Überzähligen dürfen zum Tête-à-Tête mit dem Oberst.
«Wir haben leider zu wenig Betten und Zimmer», eröffnet der Schulkommandant den Rekruten.
Das VBS hat überbucht wie eine Airline ihre Sitze im Flieger – und mehr Rekruten aufgeboten, als es Plätze hat.
RS in einem Jahr
Betten teilen kommt nicht in Frage. Darum schlägt der Oberst den jungen Männern kurzerhand zwei Optionen vor: Entweder sie treten wieder ab, fahren nach Hause. Und versuchen es mit ihrer RS in einem Jahr nochmals.
Oder aber: Sie schminken sich die RS als Übermittlungssoldat in Kloten ab. Und lassen sich spontan anders einteilen. Zur Wahl stehen: Nachrichtensoldat in Freiburg, Panzermechaniker in Thun BE oder Betriebssoldat Sanität in Moudon VD.
Ungefähr 30 Soldaten geben nach und lassen sich bei einer anderen Einheit einschreiben. Wann genau sie wieder einrücken können, ist noch unklar. 40 Soldaten aber wollen nicht auf die Ausbildung als Funker verzichten, die sie bei der Aushebung ausgewählt haben. Sie verschieben den Dienst um ein Jahr. Und fahren heim.
«Liegt schlicht nicht drin»
Wie Tim N. «Das ist eine Sauerei», schimpft der 20-Jährige. Auch sein Vater regt sich furchtbar auf: «Ich kann ja auch nicht 30 Lehrlinge einstellen und dann 25 wieder nach Hause schicken. So was liegt schlicht nicht drin.»
Tim N. weiss: Er hat Glück im Unglück. Sein Vater ist auch sein Arbeitgeber. «Was aber ist mit den Kollegen, die jetzt keinen Job haben und ein Jahr verlieren?», fragt der Schreiner.
Das VBS kann den Ärger der Fast-Rekruten nicht nachvollziehen. «Courant normal» sei das, sagt Sprecher Christoph Brunner. Auf Deutsch heisst das: «nichts Ausser-gewöhnliches». «Das kommt jedes Jahr vor», sagt Brunner.
«Sowas kommt schlicht nicht vor»
Das VBS weiss also nicht im Voraus, wie viele Rekruten den Dienst antreten? Brunner: «Weil zwischen 20 und 30 Prozent der aufgebotenen Rekruten schliesslich nicht einrücken, kann man die definitive Zahl der Ausbildungsplätze nur schwer abschätzen.»
Ist das Überbuchen der Kasernen auch bei anderen Streitkräften «Courant normal»? «Nein», sagt Oberstleutnant Michael Strunk, Sprecher der Deutschen Bundeswehr. «Jeder Soldat mit einem Einberufungsbescheid hat seinen Platz. So was kommt schlicht nicht vor.»
*Name der Redaktion bekannt
«Der Militärdienst passt gut in meine Karriereplanung», sagt der Handwerker aus dem Kanton Solothurn. Er möchte Übermittlungssoldat werden. «Weil ich mich für Funktechnik interessiere.»
Kein Problem bei der Aushebung
Kein Problem bei der Aushebung vor einem halben Jahr sagte ihm der Rekrutierungsoffizier, bei den Funkern habe es noch 80 Plätze frei.
Doch Tims RS und die von Dutzenden seiner Beinahe-Kameraden – sie endet schon nach wenigen Stunden.
«Wir haben leider viel zu viele Männer aufgeboten», heisst es lakonisch in der UEM/FU-RS 62-3.
Tête-à-Tête mit dem Oberst
Das merken die Militärs erst beim Nachzählen in einer Turnhalle in Kloten ZH. Dort teilen die Vorgesetzten die Einrückenden in Kompanien ein. Ziel: 4 Gruppen à 50 Mann.
Doch oh Überraschung die letzte Gruppe umfasst 120 Rekruten. 70 zu viel.
Alles Zählen hilft nichts, die 4. Gruppe will einfach nicht kleiner werden. Das Problem wird zur Chefsache erklärt. Die Überzähligen dürfen zum Tête-à-Tête mit dem Oberst.
«Wir haben leider zu wenig Betten und Zimmer», eröffnet der Schulkommandant den Rekruten.
Das VBS hat überbucht wie eine Airline ihre Sitze im Flieger – und mehr Rekruten aufgeboten, als es Plätze hat.
RS in einem Jahr
Betten teilen kommt nicht in Frage. Darum schlägt der Oberst den jungen Männern kurzerhand zwei Optionen vor: Entweder sie treten wieder ab, fahren nach Hause. Und versuchen es mit ihrer RS in einem Jahr nochmals.
Oder aber: Sie schminken sich die RS als Übermittlungssoldat in Kloten ab. Und lassen sich spontan anders einteilen. Zur Wahl stehen: Nachrichtensoldat in Freiburg, Panzermechaniker in Thun BE oder Betriebssoldat Sanität in Moudon VD.
Ungefähr 30 Soldaten geben nach und lassen sich bei einer anderen Einheit einschreiben. Wann genau sie wieder einrücken können, ist noch unklar. 40 Soldaten aber wollen nicht auf die Ausbildung als Funker verzichten, die sie bei der Aushebung ausgewählt haben. Sie verschieben den Dienst um ein Jahr. Und fahren heim.
«Liegt schlicht nicht drin»
Wie Tim N. «Das ist eine Sauerei», schimpft der 20-Jährige. Auch sein Vater regt sich furchtbar auf: «Ich kann ja auch nicht 30 Lehrlinge einstellen und dann 25 wieder nach Hause schicken. So was liegt schlicht nicht drin.»
Tim N. weiss: Er hat Glück im Unglück. Sein Vater ist auch sein Arbeitgeber. «Was aber ist mit den Kollegen, die jetzt keinen Job haben und ein Jahr verlieren?», fragt der Schreiner.
Das VBS kann den Ärger der Fast-Rekruten nicht nachvollziehen. «Courant normal» sei das, sagt Sprecher Christoph Brunner. Auf Deutsch heisst das: «nichts Ausser-gewöhnliches». «Das kommt jedes Jahr vor», sagt Brunner.
«Sowas kommt schlicht nicht vor»
Das VBS weiss also nicht im Voraus, wie viele Rekruten den Dienst antreten? Brunner: «Weil zwischen 20 und 30 Prozent der aufgebotenen Rekruten schliesslich nicht einrücken, kann man die definitive Zahl der Ausbildungsplätze nur schwer abschätzen.»
Ist das Überbuchen der Kasernen auch bei anderen Streitkräften «Courant normal»? «Nein», sagt Oberstleutnant Michael Strunk, Sprecher der Deutschen Bundeswehr. «Jeder Soldat mit einem Einberufungsbescheid hat seinen Platz. So was kommt schlicht nicht vor.»
*Name der Redaktion bekannt
Angetreten und schon wieder heimgeschickt: Es gab einfach nicht genug Betten in der Kaserne in Kloten. (Keystone)
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Das sagen Blick.ch-Leser
- michi, olten - 15:54 | 29.10.2008
- » dies hat doch nichts mit der schweizer gesellschaft zu tun. fakt ist, dass die beführworter der schweizer armee immer weniger werden was in meinen augen auch völlig in ordnung ist. weshalb benötigt die schweiz für x millionen neue flugzeuge? nur dass ein paar armeefanatiker ein neues spielzeug erhalten? und in so einer zeit wo die "fans" der armee immer kleiner wird ist es doch immer wieder amüsant was für ein kindergarten unsere armee tatsächlich ist.
- Marina, Luzern - 15:50 | 29.10.2008
- » Nicht schon wieder so eine peinliche Geschichte der Schweizer Armee. Unglaublich. Diesen Verein sollte man abschaffen oder sicherlich anders aufbauen. Das ist ja kaum mehr auszuhalten. Und erst das viele Geld das einfach aus dem Fenster geworfen wird.
- Peter, Luzern - 15:48 | 29.10.2008
- » Typisch Kloten! Ich habe da im Frühling 07 meine RS gemacht, auch damals war mehr oder weniger alles chaotisch organisiert. Ist einfach ein Sauladen da! Dem nichts-nachdenkenden Rekrut kann es noch organisiert vor kommen, aber wenn man etwas hinter die Kulissen sieht (wie ich als späterer UOF), sieht man dass selbst bei grösseren Übungen erst in den letzten Minunten und Sekunden noch geplant und wieder geändert wird. Oft ist es einigen Berufs- und Zeitoffizieren wichtiger, das Kaffee und am Abend das Bier (die Biere...) zu trinken...
- RW, Luzern - 15:46 | 29.10.2008
- » Die Armee ist nicht mehr zeitgemäss, es gibt auch gar keinen einzigen Nutzen den sie erbringt. Ausser dass sie viel Geld kostet, unzählige Unfälle, unnütze Kontingente verbrauchen (sonst gibts im nächsten WK weniger Diesel, Mun., usw.), Fehlorganisationen, Rambospielchen vom Staat subventioniert, und, und, und,.... Jeden WK den ich gemacht habe war die Kompanie Moral gleich NULL und viele Möchtegärn Rambos spielen sich auf als ob wir direkt im 2.Weltkrieg stehen würden. Dieser Verein ist eine reine Steuergeldverpuffung. Jede Wette dass sich viele Armeebefürworter auch über hohe Steuern beschwert,....BRAVO
- wimi, oberriet - 15:46 | 29.10.2008
- » erwartet jemand was anderes unter diesen führungskräften? darum will man unsere armee für den wk ins ausland schicken, damit solcher sch.... nicht bekannt wird.
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