Armee Armeechef André Blattmann tritt zurück

Armeechef André Blattmann tritt per Ende März 2017 zurück, ein Jahr vor dem Ruhestand. Verteidigungsminister Guy Parmelin begründet das mit der Armeereform: Ein neuer Armeechef soll deren Umsetzung an die Hand nehmen.

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Parmelin und Blattmann betonten am Mittwoch vor den Medien in Bern, sie seien beide zu diesem Schluss gekommen. Das Arbeitsverhältnis werde einvernehmlich aufgelöst. Es wäre nicht sinnvoll, wenn er mit der Umsetzung der Armeereform beginnen und ein halbes Jahr später pensioniert würde, sagte Blattmann.

Vor einem Jahr hatte er noch angegeben, bis zur Pensionierung im Amt bleiben zu wollen. Dass er nun früher geht, erklärt er mit der Verzögerung bei den parlamentarischen Beratungen zur Weiterentwicklung der Armee (WEA). Die Umsetzung der Reform wird später beginnen als geplant.

Blattmann übt das Amt des Armeechefs nun bis Ende Jahr aus. Anschliessend wird er noch bis Ende März 2017 dem neuen Armeechef zur Verfügung stehen. Das ordentliche Pensionsalter erreicht der 60-Jährige 2018. Bis dahin wird er noch Lohn erhalten, insgesamt ein Jahressalär. Das entspreche den gesetzlichen Bestimmungen, sagte Parmelin, und sei keine goldene Brücke in den Ruhestand.

Wer auf Blattmann folgt, ist noch offen. Für die Suche nach geeigneten Kandidaten setzt der Verteidigungsminister eine Findungskommission ein. Auf das Profil wollte sich Parmelin noch nicht festlegen. Es müsse jedoch jemand sein, der das Haus von innen kenne, sagte er.

Dem scheidenden Armeechef dankte Parmelin für seinen engagierten Einsatz und die Verdienste bei der Armeereform. Blattmann habe die Armee in einer schwierigen Phase übernommen, stellte er fest. Er habe rasch das Vertrauen der Truppe gewonnen. Und es sei ihm gelungen, den Ruf der Armee zu verbessern. Das zählt auch Blattmann zu seinen grössten Leistungen. Er habe Ruhe in die Armee gebracht, sagte er.

Auf die Frage nach dem grössten Fehler nannte Blattmann die Diskussionen um die Sanierung der Duro-Flotte: Offenbar sei es nicht gelungen, das Projekt genügend zu erklären. Für das Nein zum Kauf der Gripen-Kampfjets an der Urne sieht sich Blattmann dagegen nicht primär in der Verantwortung, wie er auf Nachfrage sagte. Auch der Gripen könne aber natürlich zu den Niederlagen gezählt werden, räumte er ein.

André Blattmann hatte das Amt vor sieben Jahren übernommen. Er folgte auf Roland Nef, der den Hut nehmen musste, weil er seiner Ex-Partnerin über Monate hinweg nachgestellte hatte. Blattmann als sein Stellvertreter übernahm die Leitung der Armee zunächst interimistisch.

Im Februar 2009 ernannte der Bundesrat ihn zum Armeechef. Blattmann hatte zuvor erklärt, er werde sich nicht um den Posten bewerben. Wenn ihn der Bundesrat aber anfragen würde, werde er darüber nochmals nachdenken. Seine Meinung zu Armeefragen gab Blattmann indes bereits als Interimschef bekannt: Die Politik müsse endlich sagen, was sie von der Armee wollte, forderte er in einem Interview.

In den wesentlichen Fragen schienen sich Blattmann und der ehemalige Verteidigungsminister Ueli Maurer einig zu sein. Wie Maurer forderte auch Blattmann wiederholt mehr Geld für die Armee. Sicherheit gebe es nicht zum Nulltarif, pflegte er zu sagen. Dem Bürger stelle sich die Frage, ob er eine «Feigenblatt-Armee» oder wahre Sicherheit wolle.

Auch in der Kampfjet-Frage zog Blattmann am selben Strick. Zunächst unterstützte er Maurers Plan, den Kauf neuer Kampfflugzeuge zu verschieben. Angesichts der verfügbaren Ressourcen und der Mängel in der Armee hätten neue Kampfjets keine Priorität, sagte er. Später sprach sich Blattmann wie Maurer für den Gripen als beste Option aus. Die Alternativen bezeichnete er als «Scheinvarianten». Nicht immer einig waren sich Maurer und Blattmann bei Fragen zur Armeeorganisation.

In die Kritik geriet Blattmann während seiner Amtszeit unter anderem wegen eines Beraterauftrages, den er ohne Ausschreibung vergab. Mehrfach sorgte Blattmann zudem mit umstrittenen Äusserungen für Stirnrunzeln.

So bezeichnete er etwa das neue Zivildienst-Gesetz als «Betriebsunfall». Mit dem Gesetz war die Gewissensprüfung abgeschafft worden. Das habe fast zu einem freiwilligen Militärdienst geführt, kritisierte Blattmann.

Spott erntete Blattmann mit einem Interview, in dem er über seinen persönlichen Notvorrat sprach: 30 bis 40 Sechserpackungen Mineralwasser, Konservenbüchsen und Cheminéeholz. Die Sicherheitslage sei schwieriger geworden, stellte Blattmann dazu fest. «Vielleicht müsste man den Leuten sagen: Es ist gut, wenn ihr ein paar Vorräte für den Notfall zu Hause habt.»

Blattmann wurde am 6. März 1956 in Richterswil ZH geboren. Nach der kaufmännischen Lehre studierte er an der HWV Betriebsökonomie, 2003 erlangte er an der Universität Zürich den Titel Executive MBA. 1984 trat er in das Instruktionskorps der damaligen Flieger- und Fliegerabwehrtruppen ein, wo er als Einheitsinstruktor arbeitete und später verschiedene Schulen leitete. Vor seiner Wahl zum Armeechef war er Stabschef des Feldarmeekorps 4 sowie Kommandant der Zentralschulen. (SDA)

Publiziert am 23.03.2016 | Aktualisiert am 19.04.2016
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