Manager als Geiseln und Bomben in der Fabrik Arbeitskampf brutal: Bald auch in der Schweiz?

  • Publiziert: 24.07.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Marcel Speiser

«Der absolute Arbeitsfriede gehört auch in der Schweiz der Vergangenheit an», sagt Aktivist Roman Burger von der Gewerkschaft Unia.

In Frankreich ist die Hölle los. Wütende Angestellte nehmen ihre Chefs als Geiseln, um saftige Abgangs-entschädigungen durchzusetzen. Radikale Arbeiter drohen, ihre Fabriken mit scharf gemachten Gasflaschen in die Luft zu sprengen, sollte nicht jeder von ihnen subito 46 000 Franken erhalten. Selbst die heilige Tour de France lassen die französischen Arbeiter nicht in Ruhe: Bereits wurde mehrfach mit der Störung einer Etappe gedroht.

Arbeitskampf brutal. Bis jetzt ist zwar alles glimpflich abgelaufen. Die Tour rollt, die Bosse sind freigelassen, die Gasbomben entschärft. Weil die Regierung sich in die jeweiligen Konflikte eingeschaltet und mit den Arbeitern verhandelt hat.

Aber: «Bringen die Verhandlungen nichts, sind die Gasflaschen in 15 Minuten zurück», droht ein Gewerkschaftsfunktionär.

Sind so krasse Kampfmassnahmen auch in der Schweiz denkbar?

Jedenfalls sind sie nicht ausgeschlossen. «Es ist verständlich, wenn Arbeitnehmende in Frankreich zu härteren Aktionsformen greifen», sagt Unia-Sektionsleiter Roman Burger. «Für viele geht es um die nackte Existenz. In Kombination mit offensichtlicher Ungerechtigkeit ist das ein explosives Gemisch.»

Burger gibt den Managern die Schuld am radikalen Handeln der Arbeiter: «Wenn Manager keine wütenden Belegschaften wollen, müssen sie anständig mit den Arbeitern umgehen. Sozialen Frieden gibt es nur mit sozialer Gerechtigkeit. Und die wird immer mehr in Frage gestellt.»

Ist auch in der Schweiz das kuschelige Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften am Ende? Fertig Arbeitsfrieden? Adiós Sozialpartnerschaft?

Burger sagt: «Die Schweizer Arbeitnehmer sind zu brav. Sie bezahlen die Zeche, während in den Chefetagen das Abzocken weitergeht. Kein Wunder also, wenn die Schweizer Arbeitnehmer künftig weniger brav sind. Der absolute Arbeitsfriede gehört der Vergangenheit an.»

Immerhin sagt Burger auch: «Für uns ist klar, dass bei Aktionen nie Menschen zu Schaden kommen dürfen.» Es gelte: Je stossender die Ungerechtigkeit, desto härter dürften die Kampfmassnahmen sein.