Ansturm von Bulgaren und Rumänen?

  • Publiziert: 12.01.2009, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Michael Scharenberg

ZÜRICH – Wie viele Personen aus der EU arbeiten heute schon bei uns? Werden wir von billigen Ostarbeitern überrollt? Die Antwort gibt der Arbeitsmarkt.

Nach den nüchternen Zahlen der Statistik siehts so aus: Letztes Jahr arbeiteten in der Schweiz 3,2 Millionen Schweizer. Ihnen standen 589000 ausländische Arbeitskräfte gegenüber. Das sind die neusten Zahlen des Bundesamts für Migration, sie beziehen sich auf das 2. Quartal des letzten Jahres. Wie sähe es wohl bei einem Ja in der Abstimmung zur Personenfreizügigkeit am 8. Februar aus? Würden wir von billigen Arbeitern aus Bulgarien und Rumänien überrollt?Werfen wir einen Blick auf die letzten fünf Jahre. Interessant ist die Aufgliederung nach alter EU (15 Staaten), erweiterter EU per 2004 (25 Saaten) und heutiger EU, Erweiterung per 2007 (27 Staaten), in der neu auch Rumänien und Bulgarien Mitglieder sind. Dies sind die wesentlichen Punkte: Das mit Abstand grösste Kontingent kommt aus den EU-15-Staaten: 571000 Arbeitskräfte arbeiteten letztes Jahr bei uns. Im Vergleich zu 2003 nahm ihre Zahl um 16,5 zu. Aus den zehn neuen EU-Staaten, die 2004 hinzustiessen, waren es nur 14000. Das ist ein Plus von 16,8% gegenüber 2003. Auch Rumänen und Bulgaren waren 2008 bei uns beschäftigt, aber lediglich 4000. Plus 16,3% im Vergleich zu 2003.Was bedeuten diese Zahlen? Bei der grossen Zahl von Erwerbstätigen aus den alten EU-15-Staaten handelt es sich vor allem um gut qualifizierte Leute. Sie sind in unserer Wirtschaft besonders begehrt. Das zeigt sich auch am Zuwachs im Vergleich zu uns Schweizern. Die Zahl der Schweizer Erwerbstätigen nahm von 2003 bis 2008 nur um 4,8 Pozent zu, EU-15-Personen legten um 16,5% zu.Die Erwerbstätigen aus den EU-25- und den EU-27-Ländern, tendenziell eher schlecht Qualifizierte, sind erstens zahlenmässig unbedeutend. Und zweitens: Ihr Anteil, im Vergleich zu Arbeitnehmern aus den EU-15-Ländern, hat über die letzten 5 Jahre praktisch stagniert.Fazit: Welche ausländischen Staatsangehörigen bei uns Arbeit finden, regelt der Arbeitsmarkt. Auch bei einem Ja zur erweiterten Freizügigkeit am 8. Februar ist kaum eine Schwemme von Arbeitssuchenden aus Bulgarien und Rumänien zu erwarten!