Endlich: Sicherheitsdirektoren greifen in den Stadien durch Anpfiff für die Polizei

Lange haben die Polizeidirektoren zugesehen – jetzt greifen sie durch: Polizisten sollen Hooligans direkt in den Stadien stoppen.

  • Publiziert: 27.09.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Romina lenzlinger

Im Schweizer Fussball bricht ab kommender Saison eine neue Ära an: Bilder von prügelnden Chaoten, Pyros zündenden Fans und überfordertem privaten Sicherheitspersonal sollen der Vergangenheit angehören, und zwar endgültig. In den Stadien sollen richtige Polizisten für Ruhe und Ordnung sorgen.

Hinter dem knallharten Regime steht Peter Gilliéron, Präsident des Schweizerischen Fussballverbandes (SFV). Der oberste Fussballchef hat die Nase gestrichen voll. «Irgendwann ist Schluss», sagte er zu SonntagsBlick. «Die privaten Sicherheitsleute in den Stadien stossen an ihre Grenzen, jetzt müssen ausgebildete Polizisten her.» Sie sollen randalierende Chaoten in den Rängen stoppen und abführen. Auch an den Stadioneingängen will er Polizisten postieren.

Gilliéron liefert mit seiner Forderung der Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektorinnen und direktoren (KKJPD) einen Steilpass. «Herrn Gilliérons Forderung geht klar in unsere Richtung», bestätigt Roger Schneeberger, (52) Generalsekretär der KKJPD. Man habe intern eine Delegation gebildet, die sich nun ausschliesslich mit dem Thema befasse. Mit am Tisch sitzen die Regierungsräte Karin Keller-Sutter (FDP/SG), Hans-Jürg Käser (FDP/BE) und Hanspeter Gass (FDP/BS) sowie zwei Vertreter der Fachstelle Hooliganismus beim Bundesamt für Polizei.

Auf morgen Montag ist die erste Sitzung angesetzt. Bereits Mitte November will die Gruppe ihr Konzept Bundesrat Ueli Maurer vorstellen. Wenn alles gut geht, marschieren Mitte 2010 die ersten Einsatzkräfte in die Stadien ein, also schon kommende Saison.

Noch gehen die Vorstellungen der Beteiligten auseinander. «Diskutiert wird, ob die Polizisten im Stadionbauch oder gleich in den Fankurven postiert werden», sagt Schneeberger. Auch Schnellrichter seien ein Thema. Man habe sich letzten Monat im Ausland verschiedene Varianten angesehen und wolle diese nun prüfen.

Auch die Kostenfrage ist noch nicht geklärt. «Die Erfahrungen der ausländischen Kollegen zeigen, dass das Konzept mehr Sicherheit bringt und gleichzeitig weniger Kosten generiert», so Schneeberger.

Sicher ist: Klubs, die sich für die Fanarbeit einsetzen, sollen weniger zahlen müssen.

Und fest steht auch: Unbelehrbare Hooligans müssen sich schon nächsten Sommer warm anziehen.

Italo-Hools gegen Kaution frei

Mit Gurten und Bierfässern gingen römische Ultras letzte Woche anlässlich des Spiels FCB gegen AS Roma in Basel auf Schweizer Polizisten los. Drei Beamte wurden dabei schwer verletzt. Für einmal griffen die Basler Richter knallhart durch und verhängten den Römern eine vierwöchige U-Haft.

Vergangenen Freitag kauften sich alle gegen eine Kaution von 5000 Euro frei. Das bestätigt Peter Gill, Sprecher der Staatsanwaltschaft Basel. Mit welcher Brutalität die Ultras auf die Basler einprügelten, zeige sich an deren Verletzungen, so ein Polizeisprecher. Ein Beamter ist nach wie vor arbeitsunfähig.

Ausschreitungen bei St. Gallen-YB

Am Rande des Fussballspiels zwischen dem FC St. Gallen und den Berner Young Boys ist es am Samstagabend in St. Gallen zu Zusammenstössen zwischen YB-Fans und der Polizei gekommen. Zwei Polizisten und ein YB-Anhänger wurden verletzt. Zwei Personen wurden festgenommen.

Bereits im Vorfeld des Spiels sei nach einer Kontrolle 16 gewaltbereiten YB-Anhängern der Zugang zum Stadion verwehrt worden, teilte die Kantonspolizei St. Gallen am Samstagabend mit. Sie wurden wieder nach Hause geschickt

Nach dem Spiel hätten dann dutzende angetrunkene YB-Fans versucht, auf dem Weg zum Bahnhof die Abschrankungen zu durchbrechen. Ausserdem hätten sie die Polizei mit faustgrossen Steinen angegriffen, hiess es. Diese habe Gummischrot und Pfefferspray eingesetzt. Es kam zu diversen Sachbeschädigungen und längeren Verkehrsbehinderungen. (SDA)