
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar abzugeben.
Wenn Sie ein Konto bei Facebook haben, können Sie sich damit anmelden.
Europaweit forderte die Kältewelle aus Sibirien bereits Dutzende Todesopfer – meist alte oder obdachlose Menschen. Auch in der Schweiz sanken die Temperaturen schon in dieser Nacht auf minus 1 bis minus 7 Grad im Mittelland. Die Spitzenwerte verzeichnete MeteoSchweiz mit minus 16 Grad im Engadin und mit minus 12 Grad im Goms im Oberwallis. Mit jedem Tag wird es kälter. Am Wochenende könnten die Temperaturen im Flachland auf minus 20 Grad sinken.
Bereits seit 14 Tagen haben die Streetworker von PINTO in Bern ihren Schwerpunkt auf Obdachlose gesetzt. Der Leiter Silvio Flückiger sagt, die Leute, die immer draussen leben, seien in der Regel gut ausgerüstet und an die Kälte gewöhnt. Mehr Sorgen bereiten den Streetworkern Leute, die nur selten die Nacht draussen verbringen und betrunkene Partyleute am Wochenende: «Wenn sie zum Beispiel ihren Nachtbus verpasst haben und nicht mehr wissen, wo sie sind, schauen wir, dass sie gesundheitlich nicht zu Schaden kommen.»
Betriebsleiter Moor Stegmann von der Notschlafstelle «Sleeper» in Bern sagt: «Wir merken schon, dass es jetzt kälter wird.» Zwar hätten sie letzte Nacht noch zwei von insgesamt 22 Plätzen frei gehabt, «aber in den kommenden Nächten werden wir bestimmt ausgebucht sein. Im Notfall kann noch jemand auf der Küchenbank schlafen.»
Die Stadt Zürich schickt sogenannte Kältepatrouillen auf den Weg. Aufgesucht werden einschlägige Plätze, die als Rückzugsorte von Obdachlosen bekannt sind. «Eine Kältepatrouille trifft durchschnittlich ein Dutzend Personen an», sagte Christian Fischer, Betriebsleiter von Sicherheit Intervention Prävention sip züri. Diese Leute fordere man auf, zur Heilsarmee, in die Notschlafstelle oder den «Pfuusbus» der Sozialwerke Pfarrer Sieber (SWS) zu wechseln. «Unsere Angebote sind offen», sagt Walter von Arburg, Kommunikationsbeauftragter der SWS. «Es gibt noch freie Plätze.»
Auch der Zoo Zürich ist gefordert, damit die Tiere die Kälte gut überstehen. «Wenn die Temperatur unter minus 10 Grad fällt, müssen wir auf die Flamingos aufpassen. Sie werden normalerweise im Wasser gefüttert – das geht nicht, wenn es gefriert», sagt Robert Zingg, Kurator des Zoo Zürich. Deshalb würden die Flamingos in einen Stall gebracht. Damit verschwinden sie auch aus der Sicht der Besucher.
Heikel sind auch die Elefanten: «Die Tierpfleger müssen ein Auge drauf haben, dass den Elefanten die Ohrränder nicht erfrieren.» Auch Menschenaffen, Ameisenbären und Tapire bleiben momentan im Stall. Kein Problem etwa haben Amurtiger, Schneeleoparden, Kamele, Königspinguine oder heimische Vögel. Zingg: «Wichtig ist, dass keine Eisbahnen entstehen, deshalb sanden wir die Anlagen.»
Auch an den Strassen wird die eisige Kälte nicht spurlos vorübergehen. Der Sprecher vom Zürcher Tiefbauamt, Stefan Hackh, sagt: «Wenn es gefriert und wieder taut, kann der Belag aufplatzen.»
Die VBZ macht sich weniger Sorgen. Sprecherin Daniela Tobler: «Wenn viel Schnee liegt, reinigen Pflüge das Tramtrassee und Weichenheizungen bringen das Eis zum Schmelzen.» Doch wenn Temperaturen unter minus 15 Grad herrschen, könne es bei den Fahrleitungen und Schienen zu Spannungen im Material kommen. (gtq/as/ehi)
Die sibirische Kälte setzt auch der SBB zu. 360 zusätzlich mobilisierte Arbeitskräfte sollen dafür sorgen, dass es am Wochenende im Schienennetz zu keinen grossen Behinderungen kommt. Die aufgebotenen Personen werden die Gleise von Schnee befreien, Eiszapfen in den Tunnels zerschlagen sowie mit Schweissbrennern die blockierten Weichen enteisen. Dies sagte Frédéric Revaz, Mediensprecher der SBB, der Nachrichtenagentur sda. Das Rollmaterial und die sonstige Bahninfrastruktur sind so konstruiert, dass sie Temperaturen von bis zu minus 20 Grad aushalten. Von den über 10'000 Weichen im Schienennetz der SBB sind 6800 beheizt. Zudem sorgt der Taktfahrplan dafür, dass grosse Schneeansammlungen auf den Strecken und Eisbildung auf den Fahrleitungen meist ausbleiben. «Weil regelmässig Züge eine Strecke passieren, werden diese Risiken sehr eingeschränkt», sagte Frédéric Revaz.
Kommentare (20)