Toni Brunner, SVP-Präsident «Am 27. November wählen wir den Bundesrat»

  • Publiziert: 16.11.2008, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Hannes Britschgi und Marcel Odermatt
play Tatkräftig Toni Brunner in seinem Stall auf dem Hundsrücken oberhalb von ­Ebnat-Kappel SG.

SVP-Chef Toni Brunner will mit seiner Partei zurück in den Bundesrat – am liebsten mit Christoph Blocher. Trotz kleiner Wahlchancen sieht er in ihm die «beste Lösung für das Problem».

SVP-Parteipräsident Toni Brunner (34) steht unter Erfolgsdruck: Nach dem Ausschluss von Eveline Widmer-Schlumpf (52) aus der Partei und die Abstimmungsniederlage zur SVP-Einbürgerungsinitiative wartet jetzt auf Brunner die grösste Herausforderung seiner politischen Karriere. Er will seine Partei zurück in den Bundesrat bringen.

Herr Brunner, Ihre Partei wurde jahrelang straff geführt. Sie machten aus der SVP in Kürze einen wild debattierenden, zerstrittenen «Hühnerhaufen». Alle Achtung! Wie haben Sie das geschafft?
Toni Brunner: (lacht) Diese Frage gefällt mir, Sie scheinen in Form zu sein. Ich sehe dies natürlich anders. 1995 kam ich in den Nationalrat. Damals hatte die SVP-Fraktion lediglich 29 Nationalräte. Zwischen dem damaligen Zürcher Flügel um Christoph Blocher und dem sogenannten Berner Flügel um Albrecht Rychen wurden heftige Auseinandersetzungen geführt. Heute hat unsere Fraktion 64 Mitglieder und trotzdem sind wir – gemessen an unserer Grösse – geschlossener und homogener als vor 13 Jahren.

Von aussen hat man einen ganz anderen Eindruck. Jeder gackert auf einer andern Tonlage. Von «homogen» kann doch keine Rede sein.
Ich verteile keine Maulkörbe an Parteikolleginnen und -kollegen. In einer Demokratie und einem freien Land sind eigene Meinungen glücklicherweise erlaubt. Mir wurde auch schon gesagt, ich solle diesen oder jenen zurechtweisen, weil er etwas gesagt oder getan hat. Das mache ich aber ganz bewusst nicht. Wir sind keine «Mimöschen» – als Politiker muss man Kritik ertragen können.

Im Moment ist die Aufregung in Ihrem Hühnerstall besonders gross: Jetzt geht es um einen Bundesratssitz für die SVP. Ist die SVP bereit und in der Lage Regierungsverantwortung zu übernehmen?
Absolut! Wir sind bereit. Aber wir müssen selbst bestimmen können, mit welcher Persönlichkeit wir diese Verantwortung tragen wollen.

Mit welcher Legitimation wollen Sie zurück in die Regierung?
Die SVP ist im letzten Oktober in einem historischen Wahlgang zur absolut wählerstärksten Partei gewählt worden. Fast jeder dritte Schweizer hat SVP gewählt.

Als Parteipräsident der SVP konnten Sie bisher nicht punkten. Jetzt haben Sie Ihre Meisterprüfung abzuliefern. Sie müssen am 10. Dezember die SVP in den Bundesrat zurückbringen. Ein Riesenstress?
Nein, kein Stress. Aber bestimmt eine grosse Herausforderung als Parteipräsident. Die SVP-Fraktion will nicht nur in den Bundesrat zurück, sondern gemäss unserem Anspruch bis spätestens 2011 mit zwei Personen. Diese Aufgabe ist nicht ganz ohne.

Jetzt gehts um den ersten Schritt. Wer ist der beste Kandidat für die Wahl am 10. Dezember?
Der beste für die Nachfolge von Samuel Schmid im VBS ist Christoph Blocher. Er erfüllt alle Anforderungen an den neuen VBS-Chef.

Welche denn?
Er hat Führungserfahrung, kennt die Verwaltung und ist als Unternehmer krisenfest. Und ganz wichtig: Er ist durchsetzungsfähig. Nicht nur gegenüber der Verwaltung, sondern auch gegenüber den Generälen. Für mich ist Christoph Blocher die beste Lösung.

Warum wollen Sie mit einem disqualifizierten Kandidaten antreten?
Warum disqualifiziert?

Ein abgewählter Bundesrat ist nach schweizerischem Verständnis disqualifiziert. Abgewählt bedeutet abgewählt. Das sagen sogar Ihre Leute wie SVP-Ständerat This Jenny.
Ihre Frage war doch eine andere: Wer wäre der beste Kandidat für die Aufgabe im VBS. Meine Antwort ist Christoph Blocher.

Nützt alles nichts: Blocher ist ein disqualifizierter Kandidat – er wurde vor einem Jahr abgewählt.
Christoph Blocher wurde von seinen Gegnern jahrelang dämonisiert und verunglimpft. Sein Leistungsausweis ist unbestritten.

Darum geht es nicht. Er wurde abgewählt. Das gleiche Parlament wird ihn ein Jahr später nicht wieder in den Bundesrat wählen. Das können Sie als Parteipräsident nicht einfach ignorieren!
Ich ignoriere nichts. Verschiedene Betrachtungsweisen sind durchaus angebracht.

Präsentiert die SVP dem Parlament am 10. Dezember eine Einer- oder Zweierkandiatur?
Eine Zweierkandidatur steht nicht im Vordergrund ...

Eine Zweierkandidatur wäre doch eine elegante Lösung, um Blocher die parteiinterne Schmach zu ersparen, dass er von der eigenen Partei nicht aufgestellt wird.
Ich bin gegen taktische Spielereien. Ich bin für Lösungen, die zielführend sind. Jetzt brauchen wir eine führungsstarke Persönlichkeit, die im VBS aufräumt.

Die Meldefrist für SVP-Kandidaten läuft bis am 25. November, am 26. sichtet der Fraktionsvorstand die Bewerbungen, am 27. kommt die SVP-Bundeshausfraktion zusammen, und dann?
Am 27. November wählen wir unseren Bundesrat.

Wenn diese Wahl der Fraktion am 10. Dezember vom Parlament nicht abgenickt würde, gäbe es keinen neuen SVP-Bundesrat?
Ja, denn unsere Delegiertenversammlung hat in ihren Statuten festgehalten, dass jede Person, die nicht von uns vorgeschlagen ist, nach der Wahlannahme automatisch nicht mehr Mitglied der Partei ist.

Wie ist Ihre Prognose für den wahltag vom 10. Dezember?
Die SVP wird mit ihrem vorgeschlagenen Kandidaten in die Regierung einziehen. Damit hat sie ein erstes Teilziel erreicht.

Das ganze Interview mit Toni Brunner finden Sie im SonntagsBlick.

Joder verzichtet auf Kandidatur

Der Berner SVP-Nationalrat Rudolf Joder räumt seiner Tätigkeit als Präsident der Kantonalpartei erste Priorität ein und verzichtet daher auf eine Kandidatur für den Bundesrat.

«Die Bernische SVP befindet sich nach der Abspaltung in einer nicht ganz einfachen Situation», schrieb Joder. Bern ist einer der ersten Kantone, in dem ehemalige SVP-Mitglieder zur neuen Bürgerlich-demokratischen Partei (BDP) wechselten.

Joder will nun mithelfen, seine Kantonalpartei zu konsolidieren und zu stärken. Dabei gehe es insbesondere um die Vorbereitung der Regierungsstatthalterwahlen 2009 sowie die Grossrats- und Regierungsratswahlen 2010.

Persönlich

Seit 1. März amtet Toni Brunner (34) als Präsident der SVP. Oberhalb von Ebnat-Kappel SG bewirtschaftet der Nationalrat einen Bauernbetrieb und betreibt eine Beiz – das Haus der Freiheit. Seit kurzem ist nun auch seine Dauerfreundin Ester Friedli (31) auf dem Hof eingezogen, die frisch gekürte Generalsekretärin des Bildungsdepartements des Kantons St. Gallen.
play Diskussion am Freitagabend Brunner mit Chefredaktor Britschgi (r.) und Polit-Reporter Odermatt.