Klingt komisch, ist aber so Alzheimer-Preis für Geheimdienstler

  • Publiziert: 21.09.2010, Aktualisiert: 03.01.2012
play Alzheiemer-Patienten brauchen viel Aufmerksamkeit. (Symbolbild) (Keystone)

BERN - Anlässlich des heutigen Welt-Alzheimertags werden vier Mitarbeiter des Nachrichtendienstes des Bundes (NDB) mit einem Anerkennungspreis ausgezeichnet. Sie kümmern sich seit drei Jahren um ihren demenzkranken Ex-Chef.

«Es geht darum, unserem ehemaligen Vorgesetzten eine Tagesstruktur in einer vertrauten Umgebung zu geben», erklärte Roland Schneider, einer der Preisträger. Schneider und drei weitere Mitarbeiter des Nachrichtendienstes des Bundes (NDB) sind heute anlässich des Welt-Alzheimertags ausgezeichnet worden.

Die vier Preisträger ermöglichen es, dass ihr Ex-Chef trotz Demenz weiter vier Tage pro Woche beim NDB arbeitet. Der 56-jährige Mann war dort früher Production Manager. Jetzt arbeitet er zwar nicht mehr im sensiblen Bereich. Seine Kollegen weisen ihm aber Arbeiten zu, verbringen mit ihm die Kaffeepausen und integrieren ihn so in ihr Team.«Wir zeigen ihm dieselbe Loyalität, die er uns früher entgegengebracht hat», sagt Schneider.

Anerkennungspreis für Betreuer


Die vier Betreuer konnten heute zum Weltalzheimertag den Anerkennungspreis Fokus 2010 der Sektion Bern entgegennehmen. «Für sie ist das eine weitere Auszeichnung für den zusätzlichen Effort, den sie an ihrem Arbeitsplatz erbringen», sagte NDB- Kommunikationschef Felix Endrich.

Der Fall zeige, dass solche Betreuungsmodelle auch in der Bundesverwaltung und sogar in einem speziellen Bereich wie dem Nachrichtendienst Platz haben, führte Endrich aus. Die NDB-Geschäftsleitung habe das Modell von Anfang an unterstützt. Den Lohn des Demenzkranken zahlt nicht der NDB, sondern die Invalidenversicherung.

In der Schweiz gibt es 104000 Menschen, die an Demenz leiden. Nach Angaben der Alzheimervereinigung kümmern sich 300000 Angehörige und ebenso viele Pflegefachpersonen um sie. Die Fokus-Preise der kantonalen Sektionen sollen Menschen würdigen, die dazu beitragen, das Leben von Erkrankten oder deren Angehörigen zu erleichtern. (SDA/bö)