
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar abzugeben.
Wenn Sie ein Konto bei Facebook haben, können Sie sich damit anmelden.
Der 20-jährige Obergefreite Alain Perusset war am vergangenen Donnerstagmorgen in der dritten Seilschaft hinter jenen sechs Kameraden unterwegs, die beim Aufstieg auf die Jungfrau oberhalb des Rottal-Sattels in den Tod stürzten. Er schilderte in einer Medienkonferenz, die nach dem Trauergottesdienst abgehalten wurde, was auf dem Berg passiert war.
Bei der Routenwahl an der fraglichen Stelle habe man gemeinsam entschieden, es habe hier keine Befehle gegeben, sagte der Gebirgssoldat. Und zwar habe man sich für den Grat entschieden und gegen eine Mulde, in der viel Triebschnee gewesen sei. Auf dem Grat sei der Neuschnee weggeblasen gewesen. Man sei auf «gutem Trittschnee» unterwegs gewesen.
Er habe auch nichts von einer Lawine bemerkt, berichtete Perusset weiter. Vielmehr sei sein Vordermann auf ihn gefallen. Seine nachfolgenden Kameraden seien ebenfalls gestürzt, nach wenigen Metern aber zum Stillstand gekommen. Die vorderen beiden Seilschaften seien demgegenüber direkt in die Falllinie gestürzt.
Weitere Angaben zum Unglückshergang machte die Armee heute nicht. Laut bisherigen Informationen hat sich in der fraglichen Zeit mindestens ein Schneebrett gelöst. Laut Militärjustiz deuten die bisherigen Zeugenaussagen aber nicht auf einen Zusammenhang zwischen der Lawine und dem Absturz der sechs Soldaten hin.
Der Stellvertreter des Kommandanten im Kompetenzzentrum Gebirgsdienste der Armee in Andermatt, Ivo Burgener, schilderte die Ereignisse vor dem Unfall: Um 5 Uhr brachen zwei Siebnergruppen von der Mönchsjochhütte zur Jungfrau auf. Einer der Soldaten beklagte sich bald nach dem Abmarsch über Magenprobleme und Übelkeit und wurde auf dem Jungfraujoch zurückgelassen. Aus gesundheitlichen Gründen waren zwei weitere Soldaten in der Hütte zurückgeblieben, einer wegen eines Knieproblems, der andere wegen Krankheit. Eine weitere Gruppe machte sich um 6 Uhr zu einer Tour auf den Mönch auf.
Divisionär Fred Heer, Stellvertreter des Kommandanten Heer, begründete die Medienkonferenz mit dem Umstand, dass der Druck auf alle Beteiligten riesig geworden sei. Deshalb habe man die Lage aus der Sicht der Betroffenen schildern wollen. Die Armeeführung wolle auch demonstrieren, «dass wir hinter unseren Leuten stehen.»
An der Medienkonferenz nahm auch der Präsident des Schweizer Bergführerverbands, Georg Flepp, teil. Er berichtete, dass sein Bergführerkollege Harry Sonderegger seine öffentliche Kritik an der Routenwahl inzwischen bedaure. Sonderegger lasse ausrichten, dass es ihm nicht darum gegangen sei, einen Kollegen in die Pfanne zu hauen. Sonderegger hatte in Interviews am Wochenende gesagt, er habe einen Bergführer der Armee vergeblich vor der Lawinengefahr gewarnt (Blick berichtete). Sonderegger ist gemäss Flepp inzwischen seinerseits Objekt von Drohungen per Telefon und E-Mails geworden. (AP)