Panne bei Messung AKW Mühleberg abgeschaltet

MÜHLEBERG - BE - Das Atomkraftwerk Mühleberg ist heute abgeschaltet worden. Radioaktivität wurde nach Angaben des Energiekonzerns BKW keine freigesetzt.

  • Publiziert: 08.02.2012, Aktualisiert: 27.03.2012
Blick auf das AKW Mühleberg play Blick auf das AKW Mühleberg. (sda)

Wegen einer Panne bei einer Messung ist es heute zu einer Schnellabschaltung des AKW Mühleberg gekommen. Radioaktivität wurde dabei nach Angaben der Betreiberin BKW nicht freigesetzt.

Die Messungen am Speisewassersystem wurden im Rahmen von wiederkehrenden Prüfungen durchgeführt. Dies sagt Antonio Sommavilla, Sprecher des Berner Energiekonzerns BKW.

Der Kommandoraum sei über die Messungen an einem Strang des Speisewassersystems im Bild gewesen. Die Mitarbeitenden hätten dann aber das Messgerät an einem anderen Strang angebracht als im Kommandoraum erwartet. Darauf habe der Reaktor kurz vor 14 Uhr bestimmungsgemäss mit einer Schnellabschaltung reagiert.

Der Zwischenfall sei also nicht wegen eines Defekts aufgetreten, betont Sommavilla. Der Reaktor befinde sich in einem sicheren Zustand, heisst es in der Medienmitteilung des Energiekonzerns BKW, der Betreiberin von «Mühleberg».

Ereignis auf Stufe 0
Bereits am Abend hat die Atomaufsichtsbehörde ENSI grünes Licht gegeben, um den Reaktor wieder hochzufahren. Laut BKW-Sprecher Sommavilla erfolgt die Wiederaufschaltung schrittweise.

Das ENSI wird das Ereignis der Stufe 0 der Ereignisskala INES zuordnen, wie es mitteilt. Damit wird die Abschaltung als Ereignis «ohne oder mit geringer sicherheitstechnischer Bedeutung» eingestuft. Die Ereignisskala reicht von 0 bis 7.

Auch seien alle drei Speisewasserpumpen technisch in Ordnung. Das ENSI führt die Schnellabschaltung – wie die BKW – auf zusätzlich angebrachte Messgeräte zurück. Diese seien inzwischen entfernt worden.

Schnellabschaltungen nicht selten
Die Schnellabschaltung eines Atomkraftwerks ist in der Schweiz nicht ganz ungewöhnlich. Seit der Inbetriebnahme der AKWs 1969 gab es in den Reaktoren Mühleberg, Gösgen, Leibstadt und Beznau lediglich drei Jahre ohne ungeplante Schnellabschaltung. Auch in Mühleberg kam es in den letzten Jahren zu diversen Abschaltungen, so etwa 2007, 2008 und 2009.

Atomkraftgegner fordern seit Jahren die Abschaltung des AKW Mühleberg. Sie kritisieren, das AKW sei nicht sicher, und verweisen insbesondere auf Risse im Kernmantel.

1996 installierte die BKW vier sogenannte Zuganker, um den Kernmantel zusätzlich zu stabilisieren. Der Energiekonzern betont, die Sicherheit der Anlage sei gewährleistet. Die Gegner kritisieren die Anker als «Flickwerk».

Nachweis zur Erdbebensicherheit
Nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima im vergangenen März rückte auch die Erdbeben- und Hochwassersicherheit des AKW Mühleberg in den Fokus. Die BKW musste beim ENSI bis Ende Januar einen aufdatierten Nachweis zur Erdbebensicherheit des Staudamms vorlegen.

Ende 2009 erhielt das AKW vom Bund eine unbefristete Betriebsbewilligung. Dagegen erhoben die AKW-Gegner Beschwerde, derzeit ist das Verfahren noch beim Bundesverwaltungsgericht hängig.

Im vergangenen Dezember fand vor Gericht eine Anhörung beider Parteien statt. Während die AKW-Gegner auf zusätzliche Beweismassnahmen pochten, drängte die BKW auf einen raschen Entscheid. (SDA)

Kommentare (7)

  • Urs  Hagen , Baar
    So falsch war der Strang ja gar nicht, die Kiste wurde ja abgeschaltet, überrascht sollte niemand sein in einem Kommandoraum, den Überraschungen in einem AKW können tödlich sein. Ich glaube dieser ganzen Atomlobby kein Wort, wenn die nur halb so gut vertuschen können wie unsere Regierungen dann ist das extrem gefährlich.
    • 09.02.2012
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  • Urs  Hagen , Baar
    So falsch war der Strang ja gar nicht, die Kiste wurde ja abgeschaltet, überrascht sollte niemand sein in einem Kommandoraum, den Überraschungen in einem AKW können tödlich sein. Ich glaube dieser ganzen Atomlobby kein Wort, wenn die nur halb so gut vertuschen können wie unsere Regierungen dann ist das extrem gefährlich.
    • 09.02.2012
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  • Alfred  Meier , Binningen
    Wegen Missverständnis?? Wers glaubt. Ausserdem führen "Missverständnisse" vielfach zu Katastrophen. Also alles äusserst unglaubwürdig!
    • 08.02.2012
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  • Zoran   Dordevic
    Ich frage mich nur was jetzt jene Personen sagen, die ansonsten immer behaupten; "Bei uns in der Schweiz kann so was wie in Fukushima oder Tschernobyl niemals passieren!" Vielleicht braucht es einfach Mal eine Beinahe-Katastrophe damit auch solche Träumer endlich aufwachen! Deshalb... Stromverbrauch beginnen zu reduzieren, in Alternativstrom-Erzeugung investieren und fördern und dann endlich diese veralteten, gefährlichen AKWs abstellen und verschrotten.. Auch wenn es zu keiner Katastrophe kommen sollte, die Entsorgung der alten Brennstäbe ist auch nicht gelöst! Und die will ja bekanntermassen niemand im eigenen Garten haben. Nicht mal die AKW Befürworter!!
    • 08.02.2012
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  • Martin  Huerlimann
    Dieses AKW ist veraltet.Hat aber vermutlich nichts mit dem Zwischenfall von heute zu tun.
    • 08.02.2012
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