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Ein Hochhaus in Zürich-Oerlikon. 10. Stock, Zimmer 10.01. Die Sonne blendet. Mich stört das nicht. Denn ich stelle mir gerade vor, ich sei ein Dampfzug. So müsste es funktionieren: «Tschhhh», zische ich. «Tschhhh». Dann lege ich los: «Tschtäge, Tschtäge, Tschtäge. Tschraass, Tschraass, Tschraass.»
Wir üben Nomen und Artikel – und deren korrekte Aussprache. «D» und «b» werden zu «p», «d» und «ch» zu «k», «d» und «f» zu «pf». Und so weiter. «Pfädere», spricht Lehrerin Ann Beilstein vor, «Pfedere», murmeln wir Schüler.
Wir haben Memory-Karten bekommen, auf denen Esel, Sonnenblumen, Clowns und Mäuse zu sehen sind. In Gruppen müssen wir die Worte dem richtigen Artikel zuordnen. Eine sinnvolle Beschäftigung, wie ich finde. Denn Nomen und ihre Artikel haben mich in der letzten Woche zur Verzweiflung gebracht.
Dabei hatte alles so gut begonnen: Nach dem ersten Kurs ging ich voller Optimismus an die Arbeit. Wollte meine neu erworbenen Sprachkenntnisse demonstrieren. Die Kollegen allerdings liessen mich vor allem ein Wort nachsprechen: «Chuchichäschtli». Das machte ich brav – und gar nicht mal so schlecht. Dann aber wollte ich Schwiizertüütsch schwätzen. Und scheiterte. Spätestens beim dritten Wort wusste ich nicht mehr weiter. Wie war das noch mit dem Artikel und der Aussprache? «Döpfel»? «Dröpfel»? Oder doch einfach «der Apfel»?
Im Kurs kommt «der Apfel» zur Sprache. «Deröpfel» heisst es korrekt. Wir erfahren ausserdem, dass der Schweizer uns unter gewissen Umständen für ziemlich dumm hält. Wenn wir nämlich sagen: «dMonika», oder «dZange». «Dann denkt der Schweizer, ihr wisst nicht, dass die Monika eine Frau ist», erklärt Lehrerin Ann Beilstein.
Das wollen wir natürlich nicht. Und konzentrieren uns darum noch viel mehr. Als Nächstes kommt die Maus an die Reihe. «Dmuus», ruft Ägypter Adam (29) laut und strahlt. «Smuus», hält Polin Sophie dagegen. «Pmuus», stellt Lehrerin Beilstein richtig. Und wir alle platzen eifrig heraus: «Pmuus», «Pmuus», «Pmuus».
Neben mir streichelt Thailänderin Lak (33) über ihren Babybauch. «Es wird ein Mädchen», sagt sie stolz. Sophie und ich schauen uns an – und sagen einstimmig: «Smäitli, Lak, smäitli!» Für den Moment sind wir zufrieden: Es geht doch! Zumindest in Zimmer 10.01.»
Gopfriedstutz, wie gahts? BLICK-Murmann beim Mundart-Büffeln.- Dominik Baumann