Lehrer-Präsident Zemp Adventskränze und Christbäume – raus aus der Schule

  • Aktualisiert am 03.01.2012
  • Von Katia Murmann und Fredy Herren

ZÜRICH – Konzentriert bastelt der Schüler an seinem Adventskranz. Doch das wird es bald nicht mehr geben – wenn sich radikale Muslim-Eltern durchsetzen. Und der Lehrer-Präsident gibt ihnen recht.

«Adventskränze und Weihnachtsbäume haben im Klassenzimmer nichts zu suchen. Das gehört in die Familie.» Das sagt nicht etwa ein radikaler Muslim. Das sagt Beat W. Zemp, Präsident des Schweizer Lehrerverbandes (kl. Bild).

Wie bitte? Gibts bald ein Weihnachts-Verbot an Schulen?

Der oberste Lehrer reagiert auf den Druck Andersgläubiger. Einige stören sich an unserem Fest.

Im Kanton Neuenburg forderten muslimische Eltern kürzlich: Alle Weihnachtsaktivitäten raus aus der Schule! Es sei nicht tolerierbar, dass Weihnachten in der Klasse gefeiert werde. Auf keinen Fall dürfe in Gegenwart ihrer Kinder über das Fest gesprochen werden.

Im Kanton Waadt gingen muslimische Eltern noch weiter: Sie wollten ihre Kinder den ganzen Dezember vom Unterricht dispensieren. Und sie so vor Adventskranz und Christbaum schützen.

Das liessen die Schulen nicht zu. Aber sie rieten den Lehrern: Dispensiert muslimische Schüler, wenn Weihnachtslieder gesungen werden.

Das ist in Ordnung, findet der oberste Schweizer Lehrer.

«Wenn die Feierlichkeiten religiös geprägt sind, können Eltern verlangen, dass ihre Kinder dispensiert werden», sagt Lehrer-Präsident Zemp. «In der Schweiz herrscht Religionsfreiheit.»

Allerdings: Die Weihnachtsfeiern an Schweizer Schulen seien eher Jahresabschlussfeiern, sagt Zemp. «Da kommt die Klasse zum letzten Mal im alten Jahr zusammen. Daran sollten alle Schüler teilnehmen.»

Keine Weihnachtsbäume am Flughafen

SEATTLE – Im Flughafen von Seattle sind alle neun Weihnachtsbäume wieder abgebaut worden, nachdem ein Rabbiner auch das Anbringen einer riesigen Menora zum jüdischen Lichterfest verlangt hatte. Eine Sprecherin des Seattle-Tacoma-Flughafens teilte mit, man werde die Richtlinien im neuen Jahr überarbeiten. Rabbiner Elazar Bogomilsky reagierte enttäuscht auf die Entscheidung. Er hatte das Aufstellen des Leuchters zum gleichzeitigen Chanukah per Klage durchsetzen wollen. Die Flughafenbehörde entschied nach Beratung mit ihren Anwälten, auf jeglichen Schmuck zu religiösen Festen zu verzichten. Die Mitarbeiter des Flughafens hätten in der Hochsaison keine Zeit, «kulturelle Anthropologen» zu spielen, sagte die Sprecherin.

Britische Firmen sagen ihre Feier ab

LONDON – Rücksicht auf Andersgläubige: So machen sich die Briten das Leben schwer.

Ihre Chefs haben ihnen die Weihnachts-Deko verboten. Und nicht mal feiern dürfen sie mehr: In neun von zehn britischen Unternehmen gibts heuer keine Weihnachtsfeier. Weil sie Muslime als beleidigend empfinden könnten.

Doch damit nicht genug: Aus Angst vor Klagen radikaler Muslime haben einige britische Städte in diesem Jahr auf Weihnachtsschmuck in den Strassen verzichtet. Andere haben die «Weihnachtsbeleuchtung» in «Winterlichter» umbenannt.

So viel Rücksichtnahme gegenüber Andersgläubigen. Das ist selbst Muslimen zu viel. Zahid Hussain vom Muslimischen Rat in Grossbritannien sagt erstaunt: «Auch Muslime haben Weihnachtsessen und Weihnachtsfeiern.»

Christbaum ist heidnisch

ZÜRICH – Der Christbaum: ursprünglich gar nicht christlich.
Erstmals erwähnt wurde er im Jahr 1419 im deutschen Freiburg. Damals wurde ein Baum mit Früchten und Nüssen behängt. Lange Zeit wurde der Christbaum als heidnischer Brauch von der katholischen Kirche abgelehnt. Erst im 19. Jahrhundert wurde er beliebter – und hat seitdem seinen festen Platz in den Wohnzimmern.
Beat W. Zemp, Präsident des Schweizer Lehrerverbandes.

Top 3

1 Kältewelle Banknoten als Heizmaterial und ein Bett im Bordellbullet
2 Betrugs-Opfer Conni Kuhn erzählt «Wie konnte ich nur so dumm sein?»bullet
3 Lawinendrama am Pilatus Sportschule trauert um ihren «Studi»bullet

Schweiz