Adieu Riz Casimir Das Skilager stirbt aus!

BERN/ZÜRICH - Die Tradition der Skilager serbelt dahin. In den letzten zehn Jahren ging die Anzahl offizieller Lager um 300 zurück. Nicht nur Sparmassnahmen tragen dazu bei, auch Lehrer, Schüler und Eltern sind Verursacher des Trends.

Kinder in Uniform, Skischule in Bad Ragaz 2009#Assembled children in uniform at Ski School, Bad Ragaz 2009 play
Howard Brundrett

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Schweiz

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Fünf Tage lang Schneeballschlacht, Riz Casimir und ein ewiges Chäferfäscht im Kajütenschlag - bei vielen Schweizern kommen mit dem Stichwort Skilager unvergessliche Erinnerungen auf.

Doch die Generation Skilager steht vor dem Aussterben: 2015 waren es nur noch rund 2300 Schneesportlager, die von Jugend und Sport registriert wurden - 300 weniger als zehn Jahre zuvor.

Das Kino als Konkurrenz fürs Skilager

«Die Ursachen für den Rückgang sind sehr vielfältig», sagt Ole Rauch, Geschäftsführer der Schneesportinitiative Schweiz. Sparmassnahmen von Gemeinden seien ein Grund, aber nicht der einzige.

«Heute gibt es Tausende Möglichkeiten sich im Winter zu beschäftigen, ohne auf die Piste zu gehen. An jeder Ecke ist mittlerweile ein Erlebnisbad, ein Kino oder ein Sonntagsverkauf.»

Es fehlt an Motivation

Unter anderem scheitere es an den Interessen und der Motivation der Schüler- und Lehrerschaft. «Kinder mit Migrationshintergrund sind meistens nicht enorm Schnee-affin und oft noch nie auf der Piste gewesen», sagt Rauch. Zusätzlich sei ein Skilager ein massiver administrativer Aufwand für die Lehrperson.

Diese Faktoren würden die Motivation der Lehrer mindern, sich mit einer Gruppe auf die Piste zu wagen. Die Dankbarbeit der Schüler schlägt sich dementsprechend auch auf Social Media nieder:

 

Die Sicherheitsansprüche sind massiv

Dazu kommen noch die Eltern: «Wir leben in einer Hochsicherheitsgesellschaft», sagt Rauch. «Der Sicherheitsanspruch der Eltern ist derart gross, dass Lehrpersonen auch vor Aktivitäten mit geringem Unfall-Risiko immer öfter zurückschrecken.» 

Notbremse für das Skilager-Sterben

Um den aussterbenden Schneesportlagern entgegen zu wirken, beschlossen Kantone, Bund und verschiedene Interessensverbände das «Traditionsgut» verstärkt zu fördern: Die Schneesportinitiative Schweiz wurde 2014 ins Leben gerufen.

 Das Ziel: die Organisation von Schneesportlagern und –tagen zu Vereinfachen und das «Schweizer Kulturgut Schneesport» zu erhalten.

Schneesport in der Schweiz sei «für die Sportaktivität der Bevölkerung, die Ausbildung der Kinder und die Zukunft des Wintertourismus von grosser Bedeutung», schreibt die Organisation. Auch aus dem Profisport bekommt der Verein Unterstützung: Präsidentin ist die Snowboard-Olympiasiegerin Tanja Frieden. (kra)

Publiziert am 26.02.2016 | Aktualisiert am 29.02.2016
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36 Kommentare
  • Dani  Müller 27.02.2016
    Ich bin einfach nur froh und dankbar, dass ich als Kind auch Kind sein durfte und konnte. Bin in den 70ern auf die Welt gekommen und wir spielten draussen bis es Zeit fürs Znacht war. Herrlich war das.
  • Lee  Westwood 26.02.2016
    Das scheitert wohl eher an der verwöhnten Lehrern. 13 Wochen Ferien, Konvent, Weiterbildung zu Schulzeit, Sabbatical alle 5 Jahre, Teilzeitpensum geteilt am besten mit der Partnerin wer hat da noch Zeit ein Lager vorzubereiten? Und da ja die meisten Vegi oder Veganer sind können diese auch kein Ric Casimir kochen!
  • Kristina  Basler , via Facebook 26.02.2016
    Vor 20 Jahren brauchte man ja auch noch nicht aufs Jungfraujoch zu gehen um Schnee zu finden ...
  • Dieter  Neth aus Trimbach
    26.02.2016
    Also Skilager als eine unserer Traditionen hochzujubeln ist ein wenig übertrieben.Mein Grossvater konnte nicht Ski fahren,genausowenig wie meine Mutter.Das ist eine typische Siebzigerjahremode,die man abschaffen kann.Oder hört noch jemand Uriah Heep?Und ja, Kinder mit Migrationshintergrund mögen oft keinen Wintersport.Ist bei meinen 3 der Fall.Sie mögen auch keinen Schwimmsport.An unserem Wohnort gab es für solches weder genügend Schnee noch genügend Wasser. Kann man ne Menge sparen damit.
  • Mike  Probst 26.02.2016
    Es gibt ja in gewissen Orten/Quartieren Schulklassen mit über 90 Prozent Migranten aus südlichen Ländern. Das gerade bei denen Skifahren nicht gerade der Sport der Wahl ist, dürfte einleuchten.. Kein Wunder, will da niemand ins Skilager