Ausdrucken Weiterleiten
 

Diätpillen aus dem Internet: Achtung, Lebensgefahr!

Mit ihren Diätmitteln würden die Pfunde wie von selbst schmelzen, versprechen die Hersteller. Doch die Einnahme kann ­tödlich sein. SonntagsBlick veröffentlicht die Liste der gefährlichsten Präparate.

Von Silvana Guanziroli | Aktualisiert um 00:51 | 21.06.2009
Schlank und rank: Diese Bikini-Schönheiten im australischen Sydney haben keine Diätpillen nötig. (Reuters)
Schlank und rank: Diese Bikini-Schönheiten im australischen Sydney haben keine Diätpillen nötig. (Reuters)
Die Heilmittelstelle Swissmedic schlägt Alarm: Im Kampf gegen Bauch- und Hüftspeck greifen immer mehr Schweizer zu gefährlichen Diätpillen. «Wir stellen eine deutliche Zunahme von Importen fest», sagt Ruth Mosimann. Sie leitet die Abteilung zur Überwachung illegaler Arzneimittel bei Swissmedic.

«Im letzten Jahr haben wir 72 Postsendungen eingezogen. In diesem Jahr sind es schon 67 – und die Dunkelziffer dürfte um ein Vielfaches grösser sein.»

Weil sich viele den mühsamen Gang zum Arzt ersparen wollen, bestellen sie die gefährlichen Schlankmacher einfach im Internet. Dort sind sie richtig teuer: 100 Franken kostet eine Monatspackung im Schnitt. Bestellt man mehrere Packungen zugleich und wird beim Schmuggel vom Zoll erwischt, kann es richtig ins Geld ­gehen. «Wir leiten dann ein Verwaltungsverfahren ein», so Mosimann. «Der Besteller muss die Verfahrens­kosten tragen: rund 400 Franken.»

Swissmedic zeigte SonntagsBlick die Liste der gefährlichsten Schlankheitsmittel (siehe Box rechts). «Die Produkte enthalten Sibutramin, Orlistat und Rimonabant», sagt Ruth Mosimann. Stoffe, die drastische Nebenwirkungen haben können:

• Rimonabant ist seit dem vergangenen Jahr weltweit verboten. Der Wirkstoff löst Depressionen aus. Nach der Einnahme des Medikaments kam es zu Selbstmorden.

• Orlistat kann zu Flatulenzen, Durchfall und Vitaminmangel führen.

• Sibutramin kann Darmblutungen auslösen, Bluthochdruck und im schlimmsten Fall einen Herz­infarkt.

Auch in den bekannten Diätpillen Xenical und Reductil sind Sibutramin und Orlistat enthalten. Diese Präparate gibts aber nur auf Rezept.

Die illegalen Pillen im Internet stammen hauptsächlich aus dem asiatischen Raum. Die Hersteller verkaufen sie mit dem heimtückischen Hinweis, es handle sich dabei um pflanzliche Schlankheitsmittel. Swissmedic aber fand auch hier die gefährlichen Wirkstoffe.

Stoffwechsel-Experte Fritz Horber (56): «Vor Medikamenten, die im Internet angeboten werden, kann ich nur warnen.» Er behandelt seit Jahren übergewichtige Menschen. Dabei verwendet er auch Xenical und Reductil. «Schlankheitsmittel dürfen aus medizinischer Sicht auf keinen Fall rezeptfrei abgegeben werden.» Deshalb fordert der Fachmann: «Die Internetseiten, die diese Medikamente verkaufen, müssen gesperrt werden.»

Problematisch findet Horber die neuste Entwicklung auf dem Diätpillenmarkt: «Xenical wird wahrscheinlich ab nächsten Januar rezeptfrei erhältlich sein.»

Swissmedic prüft gegenwärtig tatsächlich eine Zulassung. In den USA und Frankreich ist das Produkt unter dem Namen Alli, mit der halben Xenical-Dosis, bereits frei erhältlich.

«Wie viel Gewicht man mit der geringeren Dosis verliert, ist allerdings ungewiss», sagt Horber.

Gefährliche Schlankmacher

Swissmedic warnt vor diesen Kapseln aus Asien: «Li Da Daidaihua» (Sibutramin 43 Prozent über der empfohlenen Maximal­dosis), «Reducing weight easily» (Sibutramin, Abführmittel Phenolphtalein, Blei und Quecksilber), «24 ince» (Sibutramin), «Zhen de shou fat loss capsule» (Abführmittel Phenolphtalein), «Light Some» (Sibutramin), «Pearl White Slimming» (Sibutramin).

Swissmedic warnt vor der Einnahme ohne Rezept: Xenical (Orlistat), Acomplia (Rimonabant, seit 2008 weltweit verboten), Reductil (Sibutramin). Die Warnung von ausländischen Gesundheitsbehörden finden Sie auf www.swissmedic.ch.

SonntagsBlick abonnieren
E-SonntagsBlick
Diätkapsel: «Li Da Daidaihua» enthält 43 Prozent mehr Sibutramin als von Ärzten empfohlen. (ZVG)
Diätkapsel: «Li Da Daidaihua» enthält 43 Prozent mehr Sibutramin als von Ärzten empfohlen. (ZVG)
Fritz Horber: Der Stoffwechsel-­Experte warnt vor der unkontrollierten Einnahme von Diätpillen. (RDB)
Fritz Horber: Der Stoffwechsel-­Experte warnt vor der unkontrollierten Einnahme von Diätpillen. (RDB)
Das sagen Blick.ch-Leser
Hans Lustenberger, Innerschweiz - 14:03 | 21.06.2009
» Solange man als Anbieter gefälschter Medikamente zum Millionär wird und die Polizei nicht eingreift wird sich an der momentanen Situation nichts ändern.
Auslandschweizer Ausland, Riyadh - 12:26 | 21.06.2009
» 1) Warum?? Sind ja alle oblig krankenversichert. 2) Bei Anwendung von Medikamenten muss Apotheker oder Arzt einbezogen werden. 3) Ohne Konsultation muesste eigentlich die Uebernahme der Versicherungsleistung wegen "fahrlaessigkeit" abgelehnt werden.
Karin Johnsen, Niederbipp - 11:11 | 21.06.2009
» Ich hatte auch mal via das Fernsehen so Pillen bestellt die einem helfen sollten mit abnehmen.Aber mir wurde dabei ganz schlecht,konnte nicht mehr schlafen und war zittrig. Als ich sie dan absetzte schlief ich 2 Tage durch,so kaputt war ich und gefährlich waren die ebenfalls. Wenn man abnehmen will dann muss mann eben FDH machen oder eben das Gewicht akzeptieren,eine andere Löhsung gibt es nicht.
elis züst, zizers - 10:48 | 21.06.2009
» Kann nicht verstehen, dass man Diaetpillen braucht. Denke es geht auch mit der Ernährung. Bin auch nicht ein Super-Model und habe durch umstellen vom Essen abgenommen. Pillen sind einfach nur schädlich. Aber muss jeder selber wissen, was er dem Körper zumutet.
rolf eberhard, basel - 10:42 | 21.06.2009
» die schweizer pharmas sollen chemische substanzen auf den markt bringen ob anabolikas oder prohormone welche nur geringe nebeneffekte besitzen. aber ohne dies wird der schwarzmarkt weiter florieren. also noch mehr milliarden umsätze auf dem schwarzmarkt und untergrund labors. re
Angebot