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Wucherärzte bestellen ihre Patienten häufiger in die Praxis als nötig (Symbolbild). (sda)
Die Krankheitskosten steigen und steigen – auch weil sich Ärzte rücksichtslos an ihren Patienten bereichern.
Allgemeinmediziner Ingo M.* aus dem Kanton Aargau ragt aus der Masse heraus. Aufs Unangenehmste. M.s Abrechnungen lagen weit über dem Durchschnitt. Auffallend oft kassierte er den teuren Notfalltarif. Jetzt kam ihm der Krankenversichererverband Santésuisse auf die Schliche – und fordert gerichtlich 723'050 Franken von ihm zurück.
Ingo M. ist nicht der Einzige, der Patienten und Krankenkassen abzockt. Die neuste Wirtschaftlichkeitsprüfung von Santésuisse zeigt: 13 Prozent der rund 20'000 frei praktizierenden Ärzte verrechnet für ihre Patienten ein Drittel mehr als vergleichbare Mediziner. Ihr Anteil ist gegenüber dem Vorjahr nochmals leicht gestiegen.
Wucherärzte bestellen ihre Patienten häufiger in die Praxis als nötig – etwa, um ihnen ein harmloses Untersuchungsergebnis mitzuteilen. Sie benutzen häufiger diagnostische Geräte für Röntgen- oder Ultraschallbilder, erstellen mehr Analysen. Oder verrechnen höhere oder gar falsche Tarife.
«Überdurchschnittlich viele statistisch auffällige Ärzte verzeichneten die Onkologen und die Augenärzte. Auch die Allgemeinmediziner, Kinderärzte und Gynäkologen kommen häufig vor» sagt Silvia Schütz (47) von Santésuisse. «Die meisten kommen aus den Kantonen Basel-Stadt oder Genf.»
Santésuisse fordert auffällige Ärzte auf, Gründe für ihre hohen Kosten zu nennen. «In vielen Fällen kann der Arzt das erklären, weil er beispielsweise überdurchschnittlich viele kostenintensive Aids-Patienten, chronisch Kranke oder auch alte Menschen betreut», so Schütz.
Hat der Arzt keine Erklärung, muss er seine Kosten senken. Er bekommt eine Frist, um seine Wirtschaftlichkeit zu verbessern. Nützt alles nichts, leitet der Verband juristische Schritte ein. 2010 landeten 56 Fälle vor Gericht.
Wichtiger aber sei der präventive Effekt der Kontrollen. «So sparen wir 130 Millionen jährlich», sagt Schütz.
Die Ärzte wehren sich. «Die Methoden der aktuellen Prüfung sind noch ungenau. Denn es ist möglich, dass Fachärzte mit sehr unterschiedlichem Patientenkollektiv miteinander verglichen werden. So läuft man Gefahr, als schwarzes Schaf gestempelt zu werden», sagt Ernst Gähler (61), Vizepräsident des Schweizerischen Dachverbands der Ärztinnen und Ärzte (FMH).
Gerade jüngere Ärzte gerieten so unter Druck, «da diese eher noch eine Analyse mehr machten, um eine sichere Diagnose zu stellen.
*Name der Redaktion bekannt
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