Sie verrechnen zu viel Abzocker-Ärzte stossen sich gesund

  • Publiziert: 26.08.2012
  • Von Sarah Weber
play Wucherärzte bestellen ihre Patienten häufiger in die Praxis als nötig (Symbolbild). (sda)

Die Krankheitskosten steigen und steigen – auch weil sich Ärzte rücksichtslos an ihren Patienten bereichern.

Allgemeinmediziner Ingo M.* aus dem Kanton Aargau ragt aus der Masse heraus. Aufs Unangenehmste. M.s Abrechnungen lagen weit über dem Durchschnitt. Auffallend oft kassierte er den teuren Notfalltarif. Jetzt kam ihm der Krankenversichererverband Santésuisse auf die Schliche – und fordert gerichtlich 723'050 Franken von ihm zurück.

Ingo M. ist nicht der Einzige, der Patienten und Krankenkassen abzockt. Die neuste Wirtschaftlichkeitsprüfung von Santésuisse zeigt: 13 Prozent der rund 20'000 frei praktizierenden Ärzte verrechnet für ihre Patienten ein Drittel mehr als vergleichbare Mediziner. Ihr Anteil ist gegenüber dem Vorjahr nochmals leicht gestiegen.   

Falsche Tarife, unnötige Konsultationen

Wucherärzte bestellen ihre Patienten häufiger in die Praxis als nötig – etwa, um ihnen ein harmloses Untersuchungsergebnis mitzuteilen. Sie benutzen häufiger diagnostische Geräte für Röntgen- oder Ultraschallbilder, erstellen mehr Analysen. Oder verrechnen höhere oder gar falsche Tarife.

«Überdurchschnittlich viele statistisch auffällige Ärzte verzeichneten die Onkologen und die Augenärzte. Auch die Allgemeinmediziner, Kinderärzte und Gynäkologen kommen häufig vor» sagt Silvia Schütz (47) von Santésuisse. «Die meisten kommen aus den Kantonen Basel-Stadt oder Genf.»

Santésuisse fordert auffällige Ärzte auf, Gründe für ihre hohen Kosten zu nennen. «In vielen Fällen kann der Arzt das erklären, weil er beispielsweise überdurchschnittlich viele kostenintensive Aids-Patienten, chronisch Kranke oder auch alte Menschen betreut», so Schütz.   

Verband leitet juristische Schritte ein

Hat der Arzt keine Erklärung, muss er seine Kosten senken. Er bekommt eine Frist, um seine Wirtschaftlichkeit zu verbessern. Nützt alles nichts, leitet der Verband juristische Schritte ein. 2010 landeten 56 Fälle vor Gericht.

Wichtiger aber sei der präventive Effekt der Kontrollen. «So sparen wir 130 Millionen jährlich», sagt Schütz.

Die Ärzte wehren sich. «Die Methoden der aktuellen Prüfung sind noch ungenau. Denn es ist möglich, dass Fachärzte mit sehr unterschiedlichem Patientenkollektiv miteinander verglichen werden. So läuft man Gefahr, als schwarzes Schaf gestempelt zu werden», sagt Ernst Gähler (61), Vizepräsident des Schweizerischen Dachverbands der Ärztinnen und Ärzte (FMH).

Gerade jüngere Ärzte gerieten so unter Druck, «da diese eher noch eine Analyse mehr machten, um eine sichere Diagnose zu stellen.

*Name der Redaktion bekannt  

Beliebteste Kommentare

  • Martin  Müller , Regensdorf
    Das Krankenversicherungsgesetz öffnet den Abzockern Tür und Tore auch den Kassen. Es ist eine Bereicherungsmaschine zu Lasten der Bevölkerung. 15 Min. "Behandlung" im Triemlispital = 890Fr. Ich habe den Fall bis an das Bundesgericht gezogen, es bringt nichts. Die Bereicherungsmaschine ist ein unantastbares Heiligtum und das Lobbying unerträglich!
  • Roger  Montani
    Das Problem ist bekannt seit Jahrzehnten und nicht wird dagegen getan. Die Aerzte wolle soviel Kohle machen wie möglich. Man spezialisiert sich, damit die Kasse noch mehr stimmt und die Arbeitszeiten nicht wie beim dummen Hausarzt sind. Die Krankenkassen haben Freude an steigenden Gesundheitskosten, denn sie verdienen prozentual immer mit und damit mehr und können sich top Saläre im Management und Glaspaläste leisten. Leider machen auch ein Grossteil der Versicherten mit und rennen wegen jedem Bobo zum Arzt mit der Aussage: Ich bin ja versichert.

Alle Kommentare (13)

  • Erna  Imhof , Phuket
    ich lebe im Ausland, und kann mir eine CH-Krankenkasse nicht leisten. Also habe ich eine Internationale, bin gut gedeckt und jedes Jahr wenn ich nichts brauche, kriege ich 10 Prozent der Prämie zurück.
    Sie zahlt allerdings nur wenn ich mich ins Spital lege. Sonst bezahlt man den Arzt und die Medis selber. Was immer noch günstiger ist, die Preise hier sind schon noch moderater,aber auch nicht mehr so billig.
    • 27.08.2012
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  • Bernhard  Textor , Winterthur
    Hatte schon 2 Fälle, in denen zu hohe Notfall-Taxen verrechnet worden sind. Musste also Brieflein schreiben, dann wurde entschuldigt und korrigiert.
    Beide Male hatte ich den Eindruck, dass diese zu hohen Tarife von den betreffenden Ärzten ständig eingesetzt werden.
    • 27.08.2012
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  • Alfred  Keller
    Also doch! Hatte letztens in Basel bei einer Augenärztin 2 Untersuchungen à 15 Min. keine spezielle Tests und als die Rechnung kam, war ich geschockt! Total Fr. 320.- für 30 Min. Untersuchung. Da werde ich in Zukunft lieber ein Mal blind statt dem Augenarzt seine Yacht zu finanzieren.
    • 26.08.2012
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  • jürg  frey , teufen
    Das ist Diebstahl und Bereicherung auf Kosten der Patienten und gehört geahndet.
    • 26.08.2012
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  • Hermann  Dornauer , Bishkek
    Also mich wundert nichts mehr, hatte eine Herz OP in Berlin im Herzzentrum. Da ich im Ausland lebe und mir eine CH KK zu teuer ist lege ich jeden Monat eine"Prämie" zur Seite und das seit Jahren.
    Hab mir dann Offerten eingeholt. DHZ Berlin € 27050.00 für Eintrittsuntersuchung, OP 3 Bypässe, entfernen eines Aneurysma und div. Thromben sowie 17 Tage max. Hospitalisierung. Offerte CH € 78000.00.
    Zusätzlich zu den veranschlagten Untersuchungen hat die Oberärztin noch zwei zusätzliche Fluoreszenzmolekular-Tomografien angeordnet sowie eine zusätzliche Ultraschalluntersuchung. Keinen Cent zusätzlich bezahlt.
    Noch Fragen?
    • 26.08.2012
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