Libyen-Affäre ABB würden für Geiseln zahlen, aber...

  • Publiziert: 27.10.2009, Aktualisiert: 14.01.2012
  • Von Michael Kuhn

ZÜRICH – Nationalrat Josef Lang will, dass ABB die Kosten für die Geisel-Befreiung in Libyen übernimmt. Dazu ist die Firma bereit, nur ist bislang niemand vom Bund auf sie zugekommen.

Die Krise um die zwei in Libyen gefangenen Schweizer, darunter ABB-Kadermann Max Göldi, kostet den Staat Hunderttausende von Franken. Es können Millionen werden. Dass der Bund diese Kosten vollumfänglich trägt, kommt für Nationalrat Josef Lang nicht in Frage: «ABB muss mindestens einen Teil dieser Kosten übernehmen.»

Lang wird seine Position in der Aussenpolitischen Kommission nächste Woche einbringen. Die im Bundeshaus ohnehin schon schwelende Diskussion wird damit an Brisanz gewinnen. Denn beim Fall Libyen geht es um den Grundsatz: Wer muss bei der Festsetzung von Mitarbeitern eines Konzerns in einem anderen Land zahlen – das Unternehmen, der Staat oder beide Parteien?

«Es gab keine Gespräche»

ABB jedenfalls zeigt sich gesprächsbereit. «Wir sind sicher, dass wir eine gute Lösung finden werden», sagt Sprecher Wolfram Eberhardt. Der Konzern wäre demnach grundsätzlich bereit, sich an den Kosten für das Freikommen ihres Mitarbeiters zu beteiligen.

Bislang ist dies aber ein hypothetisches Thema. Denn noch gab es von Seiten des Eidgenössischen Finanzdepartements keine Anfrage bei ABB. «Es gab keine entsprechenden Gespräche», bestätigt Eberhardt.

Fall Libyen beschäftigt ABB-Mitarbeiter

Trotzdem hat die Libyen-Krise für den Technologiekonzern schon heute finanzielle Folgen. Eberhardt: «Eine Reihe von unseren Mitarbeitern, darunter Juristen, ist zum Teil vollamtlich mit dem Fall beschäftigt.»

Ein kompletter Rückzug aus Libyen ist für ABB nach wie vor kein Thema. ABB Schweiz ist bereits seit Sommer nicht mehr im Wüstenstaat aktiv. Alle anderen Ländergesellschaften sind nach wie vor in Libyen engagiert und werden es auch bleiben – und das obwohl ABB 2008 hier gerade mal 35 Millionen Franken erwirtschaftet hat. Der Grund: Experten und Politiker rieten dem Unternehmen, sich nicht aus Libyen zurückzuziehen. Das wäre kontraproduktiv.

ABB macht mit ihrer Kommunikation einen guten Job – zuletzt mit einem öffentlichen Appell von Konzernchef Joe Hogan an die Regierungen in Bern und Tripolis, eine Lösung zu finden. Dazu gehört auch das Angebot, sich an die Kosten für das Freikommen ihres Mitarbeiters zu beteiligen. Jetzt ist es am Bund, auf dieses einzugehen.

play ABB wäre grundsätzlich zu Gesprächen bereit. (Keystone)