Als der kleine Sandro zwei Monate alt ist, stirbt seine Mutter an einem Herzstillstand. Sandros Grossvater hat sich viel um ihn gekümmert, und jetzt ist der Kleine in einer Pflegefamilie. Für den Grossvater unverständlich.
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Sandro (7 Monate). BLICK pixelt das Baby, da das Sorgerecht nicht beim Grossvater liegt.
(BLICK)Die Familie von Sandro (sieben Monate) steht fassungslos vor dem leeren Babybett. Die Stimmung ist düster in Aarburg AG. Ihr kleiner Sonnenschein ist weg – für immer. «Ich bin im letzten Jahr um mehr als 15 Jahre gealtert», sagt Sandros Grossvater Beat S.* (44). Er hat viel zu verkraften: Vor sechs Monaten starb seine Tochter Sarah (†19). Und jetzt kam das Büblein in eine Pflegefamilie.
«Sarah machte gerade ihr erstes Haushaltslehrjahr, als sie mit 18 von ihrem Freund schwanger wurde», erzählt Beat S. «Er wollte das Kind nicht und hat sie zur Abtreibung gedrängt. Ich motivierte sie, sagte, wir schaffen das. Ich helfe dir.» Am 1. März 2012 kommt Sandro per Kaiserschnitt auf die Welt. Sein Erzeuger ist bei der Geburt dabei, anerkennt aber die Vaterschaft nicht. Sarah hatte sich bereits von ihm getrennt.
Beat S. arbeitet als medizinischer Mitarbeiter in einem Zürcher Spital. Im Schwarzwald, wo er inzwischen wohnt, hat er sich einen Bauernhof aufgebaut. Trotz 100-Prozent-Pensum kümmert er sich um Sarah und Sandro. «Ich habe ihn schon nach der Geburt gehütet, damit sie Luft hatte. Habe sie finanziell unterstützt und sie waren regelmässig bei mir im Schwarzwald.»
Doch am 1. Mai stirbt die junge Mutter ganz unerwartet. «Sarah hatte einen Herzstillstand», sagt ihr Vater. «Sandro war zwei Monate alt.» Seine Stimme bricht. Lautlos weint er.
Einen Tag nach Sarahs Tod meldet sich die Vormundschaftsbehörde bei Beat S. «Sie fragten: ‹Wo ist das Kind?› Erst wollte ich es nicht sagen, da ich Angst hatte, dass sie Sandro einfach mitnehmen.» Doch er entscheidet sich gegen seinen Instinkt. «Da ich Vollzeit arbeite, habe ich Sandro bei meiner besten Freundin untergebracht. Die Behörde war einverstanden.»
So oft es geht, hüten Beat S. und seine Eltern Verena (69) und Paul (75) den kleinen Sandro. Intensiv sucht der Grossvater nach einer Pflegefamilie für den Enkel. Am besten in der Nähe oder gar auf seinem Bauernhof. Doch es kommt anders. Seit einer Woche ist Sandro bei einer fremden Pflegefamilie im Kanton Bern. Weit weg von den Urgrosseltern, weit weg vom Grossvater. Die Adresse kennt Beat S. nicht, nur den Namen der Familie.
Das Problem: Plötzlich hat sich Sandros leiblicher Vater eingeschaltet. «Nach Sarahs Tod wurde er zum Vaterschaftstest gezwungen, auf einmal wollte er das Kind», erzählt Beat S. «Er sagte mir: nicht für sich, für seine Eltern.»
Als Grossvater hat Beat S. keine Rechte. «Ich werde da nichts dran ändern können, sagen Juristen. Das Einzige, was ich machen kann, ist, ein Besuchsrecht rauszuholen. Das ist doch unmenschlich.» Christian Huber von der Vormundschaftsbehörde rechtfertigt die Entscheidung: «Wir haben alle miteinbezogen, um eine korrekte und beste Platzierung zu finden. So viele Interessen sind da, jeder zieht an dem Kind.»
Der Grossvater klagt: «Sie haben Sandro so plötzlich weggebracht, dass wir ihm nichts mitgeben konnten. Nicht mal ein Foto seiner Mutter. Ich möchte doch nur meinen Enkel aufwachsen sehen, er ist ein Teil von mir.»
*Namen der Redaktion bekannt
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