AARAU - Léon Borer, Ex-Chef der Kantonspolizei Aarau, nimmt kein Blatt vor den Mund: Zu viele Polizisten seien damit beschäftigt, die Kassen mit Bussengeldern zu füllen. Darunter leide die Sicherheit
Den Vorwurf, Polizisten verteilten zu viele Strafzettel und würden sich zu wenig um richtige Verbrecher kümmern, kennt man vom Stammtisch. Diesmal kommt er aber von jemandem, der zweifellos weiss, wovon er spricht: vom ehemaligen Kommandanten der Aargauer Kantonspolizei, Léon Borer.
«Wenn man sieht, dass heute ein Autofahrer, der nachts ein Rotlicht überfährt, zuweilen härter bestraft wird als ein Dieb, dann stimmen für den anständigen Bürger die Proportionen nicht mehr», sagt Borer laut «Aargauerzeitung.ch» in der Wahlzeitung der CVP Aargau.
Borer war 30 Jahre lang Polizeichef. Vor vier Jahren wurde er pensioniert. Mit den aktiven Polizisten und den verantwortlichen Stellen in Verwaltung und Politik geht er hart ins Gericht: «Wir haben zu viel Ordnung und zu wenig Sicherheit. Zu viele Polizeistellen jagen den Bussen nach, um die Bussgeld-Vorgaben ihrer Behörden zu erfüllen.»
Das ist starker Tubak: Die Polizei schikaniert den braven Bürger wegen Bagatellen, anstatt sich um Kriminelle zu kümmern, so der Tenor von Borers Kollegenschelte. «Der Bürger ist der wichtigste Verbündete der Polizei. Man darf ihn nicht schikanieren», sagt Borer.
Der Ex-Polizeichef will jedoch nicht nur schwarzmalen und findet auch lobende Worte für seine Nachfolger und ehemaligen Kollegen: «Bei uns im Aargau ist die Polizei in 80 Prozent der Fälle nach einem Notruf in weniger als zehn Minuten an Ort und Stelle.» So müsse Sicherheitskultur gelebt werden. «Aber nicht im Erhalt von Ordnung, sondern im Schaffen von Sicherheit.»
Urs Hofmann, Vorsteher des Aargauer Polizeidepartements, lässt mit einer Antwort nicht lange auf sich warten und macht gegenüber Radio Argovia darauf aufmerksam, dass im Aargau keine fix installierten Radarfallen zum Einsatz kommen, um Bussengelder zu kassieren. Die Polizisten hätten keine Vorgaben, Ordnungsbussen zu einzubringen.
Betreffend Regionalpolizeien höre er zwar häufig die Kritik, sie verfolgten eine andere Linie, um Gemeindekassen zu füllen, muss Hofmann einräumen. «Diese Strategie verfolgt aber die Kantonspolizei ausdrücklich nicht», sagt Hofmann. Dies sei noch ein Vermächtnis von Ex-Kommandant Borer. (noo)
Beliebteste Kommentare
Alle Kommentare (69)