Ärger wegen Plakaten SVP macht aus Model einen Vergewaltiger

  • Publiziert: 27.10.2010, Aktualisiert: 03.01.2012

AARAU - Die SVP nutzt Fotomontagen für ihre Wahlkampagne zur Ausschaffungsinitiative. Aus einem gespielten Gangster wird ein Vergewaltiger, aus einem Fotomodell ein Kinderschänder und aus einem Autoverkäufer ein Sozialbetrüger.

Die SVP will mit abschreckenden Fotos gewaltätiger ausländischer Mitbürger die Wähler auf ihre Seite holen. Doch wer lässt sich schon gerne als Sozialbetrüger, Kinderschänder oder Vergewaltiger an die Wand plakatieren?

Die PR-Agentur Goal aus Dübendorf, die im Auftrag der SVP arbeitet, suchte nach «Kriminellen» und «Betrügern». Bei iStockphoto, einem kanadischen Anbieter für lizenzfreie Bilder, wurde sie fündig. Für unter hundert Franken kaufte sie die Fotos. Dann nur noch einen schwarzen Balken über die Augen gelegt und schon wurde aus dem posierenden Gangster ein Vergewaltiger, aus dem Autoverkäufer ein Sozialbetrüger und aus einem anderen Fotomodell ein Kinderschänder.

Fotograf ist fassungslos

Die Originalaufnahmen sind aber nach wie vor erkennbar. Der serbische Fotograf Milan Zeremski ist fassungslos, als er die Montagen sieht. Wie er der «Aargauer Zeitung» gegenüber sagte, biete er über 600 Fotos auf iStockphoto zum Verkauf an. Unter anderem eine Serie, bei der ein Modell einen mexikanischen Gangster darstellt. Dieser wurde von der SVP jetzt zum Vergewaltiger gemacht. Zeremski sagt: «Ich unterstütze diese Kampagne nicht.»

Auch Sven Ole Schubert, der Medienverantwortliche von iStockphoto ist empört und sagt, die von ihnen angeboten Fotos dürften auf diese Weise nicht für politische Kampagnen verwendet werden. Dabei gehe es vor allem auch um den Schutz der Modelle. Ausserdem weist er auf einen Passus hin, der vorschreibe, das Fotomodelle als solche zu kennzeichnen seien. Das würden sie jetzt von den Produzenten der Plakate einfordern.

Die SVP steht hinter ihren Plakaten

Der Generalsekretär der SVP, Martin Baltisser, zeigt sich gelassen. «Unsere Agentur hat die entsprechenden Bildrechte, das Ganze ist unproblematisch.» Er erklärt, die Vorgehensweise sei völlig legitim.

Am 28. November soll über die Ausschaffungsinitiative entschieden werden. Diese soll es möglich machen, Ausländer, die in der Schweiz Verbrechen begangen haben, auszuweisen. Die SVP steht hinter ihrer Plakatkampagne und kämpft gegen den Gegenentwurf. (gtq)

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