So wütete der Killer bei Dubeys

  • Publiziert: 12.06.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Ralph Donghi und Adrian Schulthess
play Nachbarin Emilie M. hörte das letzte Lebenszeichen der Familie Dubey. Ein Begleiter der Coiffeuse Nadja M. kletterte später über den Balkon von Emilie M. in die Wohnung der Familie.

Nacktes Chaos, wo immer Ordnung herrschte. Was hat der Mörder von Grenchen gesucht?

Die Absperrbänder sind eingerollt, die Polizisten aus der Attikawohnung an der Kirchstrasse 72 in Grenchen SO verschwunden: Fünf Tage nachdem die Leichen von Margrit (†55), Pierre André (†60) und Dania Dubey († 35) entdeckt wurden, herrscht in der Wohnung der Abwartsfamilie das Chaos.

Vom öffentlich zugänglichen Aussenkorridor aus schaut BLICK gestern durchs geschlossene Fenster ins Bügelzimmer: alles durchwühlt, überall liegt Wäsche. Die Polizei erklärt: «Die Wohnung ist massiv durchsucht worden.»

Was hoffte der Mörder der Familie Dubey hier zu finden? Geld? Geschäftsunterlagen?

Vor dem Dreifachmord war die teuer eingerichtete Wohnung der Dubeys immer perfekt aufgeräumt: «Man durfte nur in den Socken hinein», erzählt Emilie M.* Die 83-Jährige ist die einzige direkte Nachbarin der Dubeys im Wohnblock.

Der oder die Killer kamen wohl schon am Freitagabend. Dieser Schluss drängt sich aufgrund der Aussagen von Emilie M. auf. Sie erzählt BLICK, was sie der Polizei zu Protokoll gab: «Ich habe gehört, dass die Dubeys auf der Terrasse sitzen, nach 20 Uhr. Sie klangen fröhlich, haben etwas getrunken.» Sie hätten wohl Gäste gehabt.

Die Nachbarin ging um 22 Uhr zu Bett. «Als ich wach dalag, hörte ich plötzlich Herrn Dubey. Er rief
irgendetwas. Ganz laut. Schreie, dann wars still.»

Emilie M. machte sich Gedanken. Aber: «Das Schlafzimmer der Dubeys ist gleich neben meinem. Wir haben ausgemacht: Wenn etwas nicht stimmt, klopfen wir laut gegen die Mauer. Ich habe gewartet, ob etwas passiert. Niemand hat geklopft. Ich war beruhigt und bin eingeschlafen.»

Der Schrei ist wohl das letzte Lebenszeichen der Dubeys. Klar ist das aber erst am Samstagmorgen nach 10 Uhr. «Nadja klingelte bei mir», erzählt Emilie M. Nadja M.* ist die Coiffeuse von Margrit Dubey und Mitstreiterin bei ihren dubiosen Gesundheits- und Schenkkreis-Geschäften.

«Die beiden waren wie Schwestern», sagt die Nachbarin. «Nadja sagte mir, sie habe Angst um Margrit. Die Dubeys gingen nicht ans Telefon, machten die Tür nicht auf.»

Nadja M.s Reaktion kam Emilie M. eigenartig vor, «dass die gleich annahm, dass etwas nicht stimmt».

Nadja M. hatte zwei Männer dabei. «Einen hat sie mir als ihren Freund, einen als ihren Bruder vorgestellt», sagt Emilie M.

Einer von Nadjas Begleitern wollte durch ein Balkonfenster in die Wohnung der Dubeys schauen. Die 83-Jährige stellte ihm eine Leiter hin. Übers Dach kletterte der Mann auf den Balkon der Dubeys. Dann schrie er: «Nadja, komm ja nicht rüber! Sie sind tot!» Emilie M. rief sofort die Polizei, eine weitere Nachbarin die Schwester von Margrit Dubey, die einen Schlüssel zur Wohnung besitzt.

Warum hatte Nadja M. so grosse Angst um Margrit Dubey? Das fragte sich auch die Polizei – und verhaftete die Coiffeuse am Dienstagabend (im BLICK). Gestern früh war sie wieder auf freiem Fuss. «Die Polizei wollte von ihr wissen, woher sie die Dubeys kannte, und wollte auch Namen von weiteren Kontakten», sagt ihr Bruder.

Nadja M. bestreitet dies: «Das stimmt alles nicht, ich wurde nicht verhaftet», sagt sie durch die Gegensprechanlage. «Und ich war am Samstagmorgen auch nicht dort oben.»

Als BLICK sie mit Aussagen ihres Bruders konfrontiert, der die Verhaftung bestätigt, verstummt der Lautsprecher neben dem Klingelschild.

* Namen der Redaktion bekannt

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