Der Vater des verhinderten Frauenmörders «Mein Heinz hat den Mädchen nur hinterher gepfiffen»

In Hirschthal AG bei den Käsers ist die Welt nicht mehr in Ordnung – der Sohn sitzt in U-Haft.

  • Publiziert: 03.08.2012
  • Von Daniel Riedel und Adrian Schulthess
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Sepp Käser (65) will nicht wahrhaben, was sein «Bub» angestellt hat. Er verteidigt seinen Sohn Heinz (28).

«Ich kann nicht glauben, dass er mit einer Waffe hantiert hat. Die muss die Frau bei sich gehabt haben», sagte er gestern. «Etwas anderes kann ich mir einfach nicht vorstellen.»

Es sagt das trotz des Geständnisses, das der junge Mann unmittelbar nach seiner Tat ablegte: Noch im Polizeiauto gab Heinz Käser zu, dass er ­Natasha (18) mit einem Kopfschuss ­töten und sich dann an ihrer Leiche vergehen wollte (BLICK berichtete).

«Ich hoffe, er kommt bald nach Hause»

«Wir würden ihn gerne im Gefängnis in Lenzburg besuchen», sagt Sepp Käser. «Aber wir dürfen nicht. Jetzt hoffe ich einfach, dass er schon bald freigelassen wird und nach Hause kommt.»

Auch dieser Wunsch dürfte sich nicht erfüllen: Der Haftrichter hat drei Monate Untersuchungshaft für den Hilfs­arbeiter bewilligt. Wegen Verdunkelungs-, Wiederholungs- und Fluchtgefahr!

Der Schütze von Hirschthal wohnt noch bei seinen Eltern. Im Zimmer unter dem Dach. Trotzdem erfahren Heidi und Sepp Käser erst Stunden nach der Verhaftung vom Schicksal ihres Sohnes.

«Wir waren am Sonntag zum Zmittag im Bären in Holziken», sagt der Vater. Bloss 300 Meter vom Maisfeld entfernt, in dem Heinz keine zwölf Stunden vorher seine irren Fantasien mit Gewalt umsetzen wollte.

«Als wir heimkamen, standen Polizisten beim Haus. Sie seien wegen Heinz da, sagten sie. Ich bot ihnen an, ihn zu holen. Erst da sagten sie mir, dass er schon in Haft sitzt», erzählt Sepp Käser.

Im Zimmer seines Sprösslings finden die Beamten auch einen Dolch und ein Kleinkalibergewehr. «Davon weiss ich nichts. Heinz hatte doch gar keine Waffen», sagt Sepp Käser. «Ich habe sie noch nie gesehen.»

Die Eltern kümmern sich rührend um den erwachsenen Heinz

Immer wieder spricht Sepp Käser von «unserem einzigen Sohn». Obwohl er längst erwachsen ist, kümmern sich die Eltern rührend um ihren Heinz.

Sein Vater verschaffte ihm auch seine letzte Stelle, beim eigenen Arbeitgeber, der Pfiffner Messwandler AG. Trotz Behinderung – Sepp Käser verlor bei einem Arbeitsunfall 1968 beinahe beide Hände – bessert er sich dort seine karge Rente auf.

Sohn Heinz jobbte nur temporär bei Pfiffner. «Nach einem Jahr sollte er jetzt endlich fest angestellt werden», sagt der Vater. «Ich hatte so eine Freude, dass er sich endlich einmal bewährt hatte. Und jetzt das!»

Am Dienstag veröffentlichte die Kantonspolizei Aargau ein Foto von Heinz Käser. Mit einem Fahndungsaufruf. Damit sich weitere Opfer melden.

Noch am selben Tag wandte sich eine junge Frau an die Polizei. «Dieser Vorfall passierte in der gleichen Region», sagt Elisabeth Strebel, Sprecherin der Aargauer Staatsanwaltschaft.

Weitere Frauen haben sich gemeldet

«Es geht um Belästigung. Es gab aber keinen Körperkontakt, keinen Angriff.» Inzwischen mel­deten sich weitere Frauen. Ihre Vorwürfe gegen Heinz Käser werden noch geprüft.

All das hält der Vater ebenfalls für Humbug. «Mit den Frauen hatte er es nicht so. Wenn, dann hat er vielleicht ein- oder zweimal einem Mädchen hinterhergepfiffen. Was man halt so macht», meint Sepp Käser.

Seine Freizeit verbrachte Heinz Käser am liebsten auf den Schienen – in den Speisewagen von Zügen. «Er trank dort auch gerne mal eine Stange», sagt sein Vater. «Aber nie mehr als drei oder vier.»

Beliebteste Kommentare

  • Alan  Schmid , via Facebook
    Ja klar, die junge Frau schiesst sich selber in den Hinterkopf und er kommt ganz zufällig vorbei? Für die Eltern ist das natürlich hart aber die Frau zu beschuldigen ist doch starker Tabak.
  • fritz  peter
    Die Beamten finden m Zimmer seines Sprösslings einen Dolch und ein Kleinkalibergewehr. Wie Hinterwäldlerisch muss man sein um so eine Aussage wie der Vater von sich zu geben. Einfach unglaublich.

Alle Kommentare (25)

  • Urs  Müller , Winikon
    Wenn man den Medienberichten Glauben schenkt, ist zu vermuten, dass der Täter aufgrund seiner gestörten Persönlichkeit schon weitere Delikte ähnlicher Art begangen hat. Wenn man bedenkt, dass es absoluter Zufall war dass die junge Frau überlebt hat und wie der Täter vorgegangen ist, muss davon ausgegangen werden, dass der Täter sich seiner Sache sehr sicher war ohne Maske, am Wohnort. Meine schreckliche Schlussfolgerung: es gibt vermutlich noch weitere Opfer gemäss Pressebericht ev. irgendwo in der CH wo er seine Sicherheit erworben hat.
    • 03.08.2012
    • 40
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  • Franziska  Rüegg , Thun
    Ich kann nicht verstehen wie ein Vater so naiv sein kann.
    Sohn hin oder her, was er getan hat ist aufs gröbste zu verurteilen.
    Mir tut das Opfer aufrichtig leid.
  • B.  Wiss
    Schade, dass der Vater ebenso verkorkst ist, wie der Sohn. In seinem Alter will man wohl nicht wahrhaben, dass das einzige Kind, das man in solch einem Alter immer noch wohlbehütet zuhause beherrbergt und umsorgt, so missraten ist. Und dass dieser Sohn Frauen hintennachpfeift, glaubt ja wohl auch keiner, denn so verklemmt, wie der Heinz ist, kann keiner Frauen nachpfeifen, das ist meiner Ansicht nach reine Phantasie des Vaters, der sich anscheinend wirklich in einer Scheinwelt befindet.
  • Priska  Jermann , via Facebook
    Es ist sehr gut nachvollziehbar, dass der Vater nicht wahrhaben will, dass sein Sohn ein "verhinderter Frauenmörder" ist. Es muss etwas vom Allerschlimmsten sein für Eltern, wenn ein Kind in dieser Weise straffällig wird. Dass der Vater aber nun so in der Öffentlichkeit auftritt und abstruse Behauptungen/Erklärungen auftischt, ist schlichtweg daneben. Er täte gut daran, in den eigenen vier Wänden zu verbleiben und sich Gedanken darüber zu machen, was mit seinem Sohn falsch gelaufen ist und ob er nicht hätte bemerken müssen, dass mit seinem Sohn etwas nicht stimmt.
  • Ernst  Wyss , via Facebook
    Ich Denke da währe es wichtig das die Eltern auch einen Besuch eines guten Psychologen bekommen. Der Sohn ,hat bei den Eltern gute Chancen als vermindert Schuldfähig zu gelten.Und den Rest seines Lebens im Hotel Königsfelden zu verbringen.
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