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Stolzer Vater Hermann H. mit seinem Sohn Dani, aufgenommen 1995.Hermann H.* (62) sitzt daheim in seiner Stube in einem Ort bei Bremgarten AG. Er raucht eine «Gold Cup» nach der anderen, dazwischen hält er sich an einem zerfetzten Nastuch fest.
Und er kämpft mit den Tränen, wenn er von Daniel erzählt, seinem Dani. In der Stube, in der sein Sohn früher herumtollte, in der Wohnung, in der Daniel H.* (25) immer noch ein Kinderzimmer hat, unverändert, seit er vor sieben oder acht Jahren ausgezogen ist. Und jetzt soll Dani das Au-pair-Mädchen Lucie ermordet haben, Hermann H. hat gestern Mittag davon erfahren.
Die Polizei suchte ihn, traf den pensionierten Konstruktionsschlosser in seiner Stammbeiz. Sie müssten ihm etwas mitteilen, er solle mitkommen. «Die Polizei sagte mir, was passiert ist», erzählt Hermann H. «Ich sollte ihnen von Dani erzählen, aus seinem Leben.»
«Dani fing an zu rauchen. Und mit dem Kiffen auch.»
Das alles erzählt er wenig später auch BLICK. Und kramt in den grossen Fotoschachteln. Findet Bilder aus guten Zeiten, viele schöne Erinnerungen an Ferien in Italien, in Thailand. Und ein grosses Babyfoto: Dani, unschuldig. Hermann H. zeigt sie gerne, stolz, immer noch. 20 Jahre ist es her, dass sich Hermann H. und die Mutter Daniels getrennt haben. «Das hat er gut verarbeitet. Er ist ein Gescheiter.»
Daniel H. ging im Ort in die Primarschule, später in die Bezirksschule. «Das schafft ja nicht jeder», sagt sein Vater. Dann beginnt Dani im Baselbiet eine Koch-Lehre. «Er fing an zu rauchen. Und mit dem Kiffen auch. Klar, manchmal trank er, aber nie viel.» Alkohol- und Drogenrausch? Davon will der Vater nichts wissen. «Er hat mal Bier oder ein Glas Wein getrunken. Oder ein Red Bull. Von harten Drogen höre ich jetzt zum ersten Mal», sagt Hermann H. Sagt aber auch: «Dani ist ein Schlitzohr. Das stimmt schon. Sicher kein Unschuldslamm. Aber mein Dani ist doch kein Mörder!»
«Ich kann nichts ändern, an dem was passiert ist.»
Hermann H. ist geschockt. Daniels Mutter (56) auch. Obwohl der 25-Jährige viel auf dem Kerbholz hat: Vorstrafen wegen Vermögensdelikten und Betäubungsmitteln. Und die Attacke auf eine Ex-Kollegin, für die er bis im letzten August im Jugendknast Arxhof in Niederdorf BL sitzt. «Er hat immer wieder mal bei mir vorbeigeschaut», sagt sein Vater. «Nicht oft, vielleicht ein Mal im Monat. Meistens wollte er Geld pumpen.»
7000 Franken soll Daniel seiner Mutter noch schulden. Ein bisschen Vaterstolz bleibt: «Er hatte schnell wieder eine Freundin. Schon bevor er wieder draussen war, hatte er eine. Nein, wüst ist er wirklich nicht», sagt der 62-Jährige. Und witzelt: «Von mir hat er das nicht.» Ist Hermann H. enttäuscht von seinem Sohn? «Ja, schon. Aber jetzt ists halt so. Ich kann nichts ändern an dem, was passiert ist.»
Trotzdem hofft er weiter. «Die Polizei hat ja einen Zweiten festgenommen. Vielleicht hat der andere ja auch etwas gemacht. Aber wenn es nur Dani war, dann muss er dafür natürlich die Konsequenzen tragen.»
* Name der Redaktion bekannt