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Die Fasnachtsparty im Festzelt von Erlinsbach SO – Informatik-Stift Michael M.* (18) wird sie nie vergessen. Aber nicht, weil er sich dort so gut unterhalten hätte.
21. Februar, Fasnachtssamstag. Michael kommt zur Party mit seiner Freundin Aline (17) und seinem Kollegen Raffael (19). Um Mitternacht gehen die drei kurz zu einem Bancomat. Dann machen sie sich auf den Weg zurück ins Zelt.
Sie kommen bis zum Dorfplatz. «Plötzlich stiess mir einer in den Rücken», sagt Michael. «Was dann geschah – keine Ahnung mehr.»
Dafür weiss es Aline: «Michael fiel mit dem Gesicht auf den Boden. Es waren zwei Typen, die ihn geschubst hatten – und dann sofort mit ihren Füssen auf seinen Kopf eintraten! Alles, ohne ein Wort zu sagen.»
Aline und Raffael stehen daneben, wie vom Donner gerührt. «Beide Typen kickten mindestens einmal mit dem Fuss an Michaels Kopf. Dann rannten sie weg.»
Böser Erinnerungen an Nicky
Michael liegt benommen am Boden. Aline: «Ich dachte sofort an Nicky.» Nicky. Der 19-Jährige wurde im Sommer 2007 vor der Aarauer Disco «Kettenbrücke» ins Koma geprügelt. Zwei Monate später starb er an seinen Verletzungen (im BLICK).
«Ich war zum Glück nie ganz weg», sagt Michael. Mit etwas Hilfe kann er aufstehen. Er sieht schlimm aus: Seine linke Gesichtshälfte zerschlagen. Überall Blut.
Aline ruft um 0.45 Uhr die Ambulanz. Im Spital stellt man fest: Michaels Nase sowie sein unteres und oberes Jochbein sind zertrümmert. Sein linker Oberkiefer gebrochen.
«Der Arzt sagte, ich hätte grosses Glück gehabt», sagt Michael. «Hätte ich eine Hirnblutung gehabt – ich könnte jetzt tot sein. Wie Nicky.»
Nickys Totschläger sind gefasst und warten auf den Prozess – doch von Michaels Schlägern fehlt nach der Tatnacht jede Spur.
Schwester sucht Hilfe über Facebook
Die Polizei startet mit Alines und Raffaels Aussagen sofort einen Zeugenaufruf. Das reicht Michaels Schwester (23) nicht: Sie macht einen Aufruf auf Facebook.
Die Facebook-Gruppe «!Dringend Mithilfe benötigt!» wächst auf weit über 6000 Mitglieder. Michaels Freundin kriegt noch am Tag des Gruppen-Starts ein Mail von einem Mitglied: Er kenne den Schläger. «Er sagte einen Namen. Und ich sagte ihn der Polizei.»
Die Kapo will nicht verraten, ob der Tipp ihr half. Aber: Vier Tage später findet sie die Schläger. Ein 16- und 17-Jähriger geben alles zu. Sie waren offenbar wütend, weil sie nicht ins Festzelt durften.
Inzwischen weiss auch Michael, wie die Schläger heissen. Und der Name, den seine Freundin vom Facebook-Mitglied erhalten und der Polizei gemeldet hat – es ist tatsächlich der des einen Schlägers. Im Dunkeln entkam er – Kommissar Facebook entkam er nicht.
* Name der Redaktion bekannt