Kerry F. hat doch Schweinegrippe

  • Publiziert: 30.04.2009, Aktualisiert: 13.01.2012

BADEN – Wie kann das geschehen? Erst wird der Schweinegrippe-Verdächtige Kerry F. (19) entlassen, dann wird er zurückgepfiffen. Ein «Missverständnis, sagt das Kantonsspital Baden.

Kurz vor 2 Uhr früh die Meldung: In der Schweiz ist erstmals ein Patient positiv auf den Schweinegrippe-Virus getestet worden. Er heisst Kerry F. Wie bitte? Der wurde doch gestern Abend aus dem Kantonsspital Baden entlassen? Richtig. Das war nur ein Missverständnis, sagt die Spitalleitung.

So beschreibt das Spital den skandalösen Fall: Am Nachmittag hatten die Ärzte einen negativen Grippebefund des Nationalen Grippe-Zentrums in Genf für Influenza A und Influenza B zugesandt bekommen. Mit einem Kommentar. Und der wurde offenbar so falsch interpretiert, dass Kerry F. seine Sachen zusammenpacken durfte.

Dann am Abend kam eine zweites Testergebnis. Ein positiver Befund auf Schweinegrippe. Unmittelbar darauf wird der 19-jährige Schweizer in die Klinik zurückgepfiffen.

Dabei hatte sich Kerry F. so auf die endgültige Rückkehr zur Familie gefreut. Seit dem Montag musste er im Spital in der Quarantäne liegen, nachdem er von einer Ferienreise aus Mexiko heimgekehrt war un erste Grippesymptome zeigte

Was passiert mit Familie und Freunden von Kerry F.?

Für die Familie des ersten offiziellen Schweinegrippepatienten der Schweiz hat der Befund konkrete Folgen: Alle Personen, die Kontakt mit dem Patienten gehabt hätten, wurden aufgefordert, zu Hause zu bleiben, schreibt die Spitalleitung.

Für die Direktbetroffenen hat das Kantonsspital in Baden eine Hotline eingerichtet. Für Personen, die mit Kerry F. keine direkten Kontakt hatten, sind keine Massnahmen notwendig. (SDA/bih/dip)

WHO warnt, Mexiko schliesst, China klärt auf

Die Weltgesundheitsorganisation WHO erhöhte angesichts der sich ausbreitenden Schweinegrippe die Warnung auf Alarmstufe 5. Dies bedeutet, dass nach Einschätzung der WHO ein globaler Ausbruch der Seuche unmittelbar bevorsteht. WHO-Chefin Margaret Chan rief alle Länder der Welt auf, umgehend ihre Pandemie-Notfallpläne zu aktivieren.

Die mexikanische Regierung hat die Schliessung aller Unternehmen angeordnet, deren Waren und Dienstleistungen für die Versorgung der Bevölkerung nicht unbedingt nötig sind. Die Massnahme ist auf vorerst fünf Tage angesetzt. Ausnahmen: Gesundheitssektor, Supermärkte, Verkehrsbetriebe, Tankstellen, Müllabfuhr, Medien, Finanzsektor. Auch Soldaten, Polizisten und Angestellte der wichtigsten Industrien arbeiten weiter.

Die chinesische Regierung hat eine Aufklärungskampagne angeordnet. Landesweit sollen Schulkinder so schnell wie möglich über die Symptome der Krankheit sowie Möglichkeiten zur Vorbeugung unterrichtet werden. Dadurch sollen die Sensibilität für die Krankheit verstärkt und zugleich Panik verhindert werden. In China wurde bislang noch keine Infektionen mit dem mutierten Schweinegrippe-Erreger bekannt.

Wie kann das passieren?

Kommentar von Marcel Zulauf, stv. Redaktionsleiter Blick.ch

ZÜRICH – Wegen einer Panne schickt das Kantonsspital Baden den ersten Patienten mit Verdacht auf Schweinegrippe nach Hause. Wenig später merken sie den Fehler.

Das Kantonsspital Baden wird an einer Pressekonferenz über die Diagnose-Fehler beim Mexiko-Touristen Kerry F. informieren. Das ist angesichts der erhöhten Pandemie-Warnung der Weltgesundheitsorganisation WHO nur ein kleiner Trost.

Denn wenn sich die Schweinegrippe tatsächlich als gefährlich und als rasch übertragbar herausstellen sollte, dann dürfen solche Pannen nicht passieren.

Kerry F. war am Montag ins Spital eingeliefert worden. Er galt als erster Schweizer Verdachtsfall. Drei Tage lag er in Quarantäne. Er wurde mit dem Grippemittel Tamiflu behandelt. Und dann mit einer «normalen» Grippe nach Hause geschickt.

Wenige Stunden später, musste Kerry F. ins Spital zurück. Nach der falschen Interpretation der Laborergebnisse bemerkten die Ärzte ihren Fehler. Zu spät. Kerry F. hatte mit mehreren Personen Kontakt, könnte diese angesteckt haben.

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