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Aargauer Pflegeheim zurückgepfiffen: Impfzwang durch die Hintertür

Ohne Schweinegrippe-Impfung kein Lohn: Damit drohte das ­aargauische Alters- und Pflegeheim Sunnhalde ihren Angestellten. Das geht zu weit, teilte das Staatssekretariat für Wirtschaft mit.

Von Beat Kraushaar | Aktualisiert um 17:15 | 01.11.2009
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Korrektur: In der Sunn-halde müssen auch Ungeimpfte Lohn erhalten. (ZVG)
Korrektur: In der Sunn-halde müssen auch Ungeimpfte Lohn erhalten. (ZVG)
Leute in Pflegejobs sollen sich als Erste gegen die Schweinegrippe impfen lassen – damit das H1N1-­Virus nicht auf Patienten überspringt. Doch gerade sie sind besonders impfresistent. Das wussten auch die Verantwortlichen des Alters- und Pflegeheims Sunnhalde in Untersiggenthal AG. Mit Druck wollte man das Pflegepersonal zur Impfung drängen.

Im Pandemie-Konzept des Heims, das SonntagsBlick vorliegt, wurde unverhohlen gedroht: Mitarbeiter die sich nicht impfen liessen, müssen beim Chef antraben. Dies zur «Klärung der Gründe und zur Unterzeichnung einer Bestätigung des Impf-Verzichts».

Im Falle einer Pandemie sahen die Sanktionen vor, dass Impf-Resistente nach Hause geschickt und deren Löhne gestrichen würden. Das Heim hätte den Zwangsurlaub als «unbezahlte Abwesenheit» taxiert. Als Alternative wird «der ­Bezug von Ferien oder Überstunden» angeboten. Für das fehlende Personal wollte das Heim Zivil­dienstler rekrutieren. «Das kommt einem Impfzwang durch die Hintertür gleich», sagt ein Mitarbeiter.

Die Heimleitung hat sich bei ihren unzimperlichen Methoden auf den Rechtsdienst von Curaviva, dem Schweizer Verband für Heime und Institutionen, abgestützt.

Zu Unrecht, wie sich jetzt he-rausstellt. In einem Schreiben bezeichnet das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) die angedrohten Massnahmen des Heimes als unzulässig. Und verweist darauf, dass im Streitfall das Arbeitsgericht abschliessend entscheiden müsse.

Die Heimleitung krebste nach SonntagsBlick-Recherchen zurück und korrigiert ihr Vorgehen. «Wir haben uns auf die rechtlichen Empfehlungen verlassen. Die scheinen aber tatsächlich auf wackligen Füs­sen zu stehen», sagt Heimleiterin ad interim Andrea Prati. Sollte der Fall eintreten, dass nicht ­geimpftes Personal wegen der Pandemie zu Hause bleiben müsse, werde die Heimleitung den Lohn weiter zahlen, so Prati.
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