SBB-Frau vereitelt Raub in Bad Zurzach Im Bahnhof niedergestochen

  • Publiziert: 17.02.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Ralph Donghi

BAD ZURZACH – Die SBB-Angestellte Sandra B.* (38) hat unter Lebensgefahr den Tresor ihres Bahnhofs gerettet.

Mit eingebundener Hand liegt Sandra B.* (38) im Spitalbett. «Ich wurde bereits operiert», sagt die SBB-Angestellte zu BLICK. Zwei Sehnen, zwei Nerven und zwei Blutbahnen mussten wieder zusammengeflickt werden. «Nur, weil dieser Typ mit einem Messer in mein Kabäuschen stürmte.»

Sonntag, kurz nach 19 Uhr: Ein Unbekannter mit einem Töffhelm auf dem Kopf klopft im Bahnhof Bad Zurzach AG an die Scheibe der Schaltzentrale. Drin arbeitet Sandra B. «Er zeigte mit einer Hand auf seinen Bauch, mit der anderen auf ein Töffli», sagt die Bahnbetriebsdisponentin. «Ich dachte an einen Unfall.» Sie öffnet ihm die Türe.

Doch der Mann will nicht Hilfe – er will Geld. Er zückt ein Küchenmesser und drängt Sandra B. in die Schaltzentrale hinein. «Ich weiss nicht mehr genau, was passierte. Ich versuchte abzuwehren.»

Der Räuber bohrt Sandra B. die 8-Zentimeter-Klinge durch die Hand. Dann ruft er mit Aargauer Dialekt einen Komplizen. Der ist mit Kapuze und Halstuch vermummt – und sprüht Sandra B. Pfefferspray ins Gesicht. Sie soll die Türe zum Tresor-Raum öffnen.
Sandra B. arbeitet seit 21 Jahren für die SBB. Aus Erfahrung weiss sie genau: Lange können ihre Peiniger nicht unentdeckt bleiben. Denn bald kommen Reisende aufs Perron.

«Ich sagte, dass ich wegen dem Spray nichts mehr sehe und nicht öffnen könne», sagt Sandra B. Aber die Räuber reden weiter auf sie ein. Jetzt wollen sie den Schlüssel. «Aber ich sehe doch nichts!», wiederholt sie. Bald kriegen die Räuber kalte Füsse. Endlich hauen sie ab. Ohne Beute.

Sandra B. hat mit ihrer Cleverness einen Raub vereitelt: «Was soll ich sagen. Ich habe, als die beiden weg waren, jedenfalls das Telefon gesehen, um die Polizei zu rufen.»
Die Fahndung nach den Räubern blieb bis jetzt erfolglos. «Ich bin nur froh, dass mir nichts Schlimmeres passiert ist», sagt die zweifache Mutter und denkt bereits wieder ans Arbeiten. «Nur blöd, dass meine linke Hand getroffen wurde», sagt die Linkshänderin. «Jetzt werde ich halt eine Zeit lang mit rechts arbeiten müssen.»

Aber wie wärs mit etwas Ferien als Geschenk für die clevere SBB-Frau?

* Name der Redaktion bekannt

play Hier am Bahnhof Bad Zurzach passierte der Überfall. (Beat Michel)

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