Tote in Wohlen «Ich hörte die letzten Schreie...»

  • Publiziert: 28.11.2009, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Lorenz Honegger und Walter Hauser
play Schockiert: Marta B. hörte jahrelang den Streit ihrer Nachbarn – dann war es plötzlich still. (Lorenz Honegger)

Streit und Lärm waren in der Wohnung in Wohlen AG normal. Auf die Hilfeschreie der jungen Frau reagierte deshalb niemand.

Der Lärm aus der Wohnung gegenüber raubte Marta B.* (78) seit Jahren den Schlaf. Ihr Nachbar, der bullige, gross gewachsene Reto C.* (29), stritt sich fast täglich mit seiner Freundin – einer zierlichen, blonden Frau. Jetzt ist dort nichts mehr zu hören: Das Pärchen aus der Freiämter Ortschaft Wohlen AG ist tot.

Wegen der Streitereien und wegen wilder Partys bei ihren jungen Nachbarn hat Marta B. schon zig Mal bei der Hausverwaltung reklamiert. Nichts änderte sich. Auch die Polizei war hilflos, das junge Paar machte unbeeindruckt von allen Ermahnungen weiter Krach.

Häufig nahmen die Beamten den Mechaniker und seine Freundin auch mit aufs Revier. «Ich vermute, es könnte etwas mit Drogen zu tun gehabt haben», sagt die Rentnerin zu SonntagsBlick.

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag hörte sie wieder Gekreische und Gepolter. Sie ahnte nicht, dass sich nur wenige Meter neben ihr ein Drama abspielte – und dass die beiden am nächsten Tag nicht mehr leben würden.

«Retos Freundin wimmerte und schrie: ‹Hilfe, Hilfe›, dann raunzte er sie ein letztes Mal an», sagt Marta B. Sie habe nichts Schlimmes gedacht, zu vertraut waren ihr die grässlichen Geräusche. «Um vier Uhr morgens hörte der Lärm auf», erinnert sich die Nachbarin. «Ich schaute auf den Radiowecker, drehte mich um und schlief weiter.» Schüsse habe sie nicht gehört. Nur das Krachen von umfallenden Möbeln: «Auch das ist häufig vorgekommen.»

Erst als Marta B. am Freitag, um 17 Uhr von einer Therapiesitzung nach Hause kam, war klar, dass etwas nicht stimmte: Dort standen die Eltern von Reto C., die ebenfalls in der Freiämter Ortschaft leben. Sie warteten auf ihren Sohn. Als aus dessen Wohnung keine Lebenszeichen drangen, alarmierte der Vater die Polizei. Wenig später brachen Polizisten die Türe auf. Sie fanden zwei Leichen.

Wie Reto C. und seine Freundin ums Leben kamen, ist nicht bekannt. Seine Eltern wollten dazu nichts sagen. Die Kantonspolizei Aargau vermutet ein Beziehungsdelikt. Bis zum Abschluss der Obduktion will sie sich nicht zur Todesursache äussern.

*Namen der Redaktion bekannt

play Tatort: In diesem Wohnblock lag das junge Paar – tot. (Ralph Donghi)

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