Mitschüler schlitzte ihm die Kehle auf Hier wird Marco weggeflogen

  • Aktualisiert am 19.01.2012
  • Von Beat Michel und Adrian Schulthess
Die Rega fliegt Marco ins Kinderspital Bern – mit an Bord: Seine Mutter.- 8989 Leserbild

Amok in einem Schweizer Klassenzimmer: Im Unterricht sticht ein Schüler einem anderen ein Messer in den Hals. Panik im Schulhaus!

Kurz vor der 11-Uhr-Pause gestern im Schulhaus Langendorf SO: Die Bezirksschul-Klasse 3 paukt Englisch. Niemand ahnt etwas.

Plötzlich, in der letzten Bankreihe: Dalibor (15) zückt ein Filetiermesser. Er holt aus. Sticht mit der fast 15 cm langen Klinge seinen Banknachbarn Marco (15) in den Hals. Blut quillt. Als die Klasse das Drama bemerkt, ist es schon zu spät. Panik!

Kapo, Mutter und Rega vor Ort

Um 10.59 Uhr geht bei der Kantonspolizei Solothurn der Notruf ein. Die Rettungsteams sind schnell zur Stelle. Einsatzleiter Beat Walser: «Ich habe auf dem Pausenplatz weinende Menschen angetroffen, die einen verstörten Eindruck gemacht haben. Da wusste ich: Die Situation ist sehr ernst.»

Walser tritt zum verletzten Schüler. Marcos Mutter kommt hinzu, dann landet die Rega. Fliegt Mutter und Sohn ins Kinderspital Bern. Marco ist nicht in Lebensgefahr. «Er hat Glück gehabt», sagt Walser. «Jede Verletzung am Hals ist gefährlich – das Messer hätte wichtige Gefässe treffen können.»

Täter leistet keinen Widerstand

Dalibor hat sich davongemacht. Er sitzt alleine in einem Zimmer. Einen Unterarm aufgeritzt, als ihn Lehrer finden. Das Filetiermesser hat er immer noch. Aber er leistet keinen Widerstand.

Die Ambulanz fährt ihn mit Polizeibegleitung ins Bezirksspital Solothurn. Dort stellt man fest, dass sich Dalibor nur oberflächlich verletzt hat. Er wird medizinisch und psychiatrisch betreut.

Er kam bewaffnet in die Schule

Was Dalibor zu der Wahnsinnstat getrieben hat, ist völlig unklar. Fest steht: In der Schule gibt es keine Messer. Dalibor muss die Tat also geplant haben und bewaffnet zur Schule gekommen sein. «Wir vermuten, dass ihn irgendein inneres Geschehnis zur Tat trieb», sagt Jugendanwalt Bruno Hug.

Immerhin: Die Schule Langendorf war vorbereitet. Sie hat ein Krisenmanagement für Amok-Taten. «Jetzt wissen wir, dass es funktioniert», sagt Schulleiter Silvan Jäggi. Er habe bloss die passende Krisen-Matrize hervorholen müssen, um zu wissen, was zu tun sei.

Die beiden waren Freunde

Jetzt rätselt Langendorf: Der Serbe Dalibor und der Schweizer Marco waren keine Feinde – im Gegenteil. «Die beiden sind immer zusammen rumgehangen», sagt eine Freundin zu BLICK. «Ich kann das alles nicht verstehen.»

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