Drama auf dem Zebrastreifen Grosse Trauer um Vincent (17)

  • Publiziert: 22.12.2010, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Ralph Donghi (Text und Fotos)

Der 17-jährige Lehrling Vincent wurde 200 Meter vor seinem Elternhaus getötet. Zwei schwarze Mercedes überfuhren ihn.

Ein Meer von warm leuchtenden Kerzen erinnert gestern Abend an den Schrecken vom Morgen im Dorfzentrum von Dottikon AG.

Auf der Strasse vor dem Gemeindehaus lag eine Leiche, zugedeckt vor einem schwarzen Van. Wenige Meter entfernt stand eine Frau in eine goldene Wärmedecke gehüllt. Sie wurde vom Ehemann getröstet. Es sind die Eltern des Opfers. Vincent B.* wurde nur 17 Jahre alt.

Wie jeden Morgen will der Italiener kurz nach sieben die Bahnhofstrasse überqueren, um den Bus zur Arbeit nach Lenzburg zu erreichen. Doch dort kommt der 2.-Lehrjahr-Stift nie an.

Auf dem Zebrastreifen erfasst ein aus Dintikon herannahender schwarzer Mercedes E320 den 17- Jährigen. Durch die Wucht des Aufpralls wird Vincent auf die Gegenfahrbahn geschleudert – direkt vor einen entgegenkommenden schwarzen Mercedes Vito, der den Jungen mitschleift.

Sofort sind Passanten beim Opfer. Doch niemand kann mehr helfen, zu schwer sind seine Verletzungen. Vincent stirbt auf der Strasse – nur 200 Meter vom Elternhaus entfernt.

Innert Minuten ist Vincents Vater Marco B.* (41) da, sieht sein totes Kind. Der Fabrikarbeiter kann es nicht fassen, verzweifelt schreit er seinen Schmerz in die Morgendämmerung hinaus. Kurz darauf ist auch Vincents Mutter Maria (40) bei ihrem Sohn. Sie ist völlig aufgelöst, muss von einem Careteam betreut werden. Nur mit viel Geduld können die Eltern und später Vincents Bruder Alex (14) ins Gemeindehaus gebracht und beruhigt werden.

«Ein Kind zu verlieren ist das Schlimmste, was einem passieren kann», sagt Marco B. leise zu BLICK. Für mehr Worte findet Vincents Vater einfach keine Kraft. Sein Sohn wuchs hier in Dottikon auf, fing nach der Schule die Lehre als Logistiker an. In der Freizeit war Vincent Verteidiger bei den A-Junioren, spielte wie sein Bruder beim örtlichen FC. Weil kaum ein Stürmer an ihm vorbei kam, nannten ihn die Fussballer liebevoll «Panzer».

Auch Salsa hat Vincent gerne getanzt. «Er war so ein lieber Kerl, anständig, wollte nie jemandem etwas Böses und hatte seit zwei Tagen eine neue Freundin», sagt ein Kollege. Dass Vincent so habe sterben müssen, «das hat er nicht verdient».

Nach ersten Erkenntnissen der Polizei hat der Deutsche (24) im Mercedes E320 «den Fussgänger übersehen». Zur Unfallzeit hätten dichter Verkehr, Dunkelheit und Regen geherrscht.

* Name bekannt

Unfall-Falle Zebrastreifen

Ein blutiger Mittwoch auf den Schweizer Strassen: Gestern verunfallten insgesamt fünf Personen auf Fussgängerstreifen, zwei Opfer starben. In Breitenbach SO fuhr eine Autolenkerin (45) eine Fussgängerin an, die 53-Jährige überlebte ihre Verletzungen nicht. In Frick AG und Thun BE wurden ebenfalls Frauen auf Zebrastreifen angefahren. Und in Appenzell ein zwölfjähriges Mädchen. Dort fuhr der Unfallverursacher weiter, ohne sich um sein Opfer zu kümmern. Auch am Dienstagabend waren die Fussgängerstreifen nicht sicher: In Lenzburg AG kam eine 58-jährige Frau unter ein Auto, in Zürich ein 13-jähriges Mädchen.
play Vincent B. wurde nur 17 Jahre alt. (zvg)

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