Aargauer Tierschützer redet Amok «Frauen, die jagen, haben einen psychischen Defekt»

  • Publiziert: 09.11.2011, Aktualisiert: 02.01.2012
play Halali! Sarah Palin machte das Jagen für Frauen in den USA populär. Der Trend lässt sich aber auch in der Schweiz beobachten. (Keystone)

AARAU - Die Aargauer entscheiden Ende Monat über ein Treibjagdverbot. Der Initiant schiesst gegen alle Jäger –aber am deftigsten gegen Jägerinnen.

Jäger und Frau: Etwas noch Abartigeres gibts in den Augen des Tierschützers Peter Suter aus dem Aargau nicht. Im Abstimmungskampf für seine Initiative, die ein Verbot der Treibjagd im Kanton fordert, schiesst sich Suter plötzlich auf die Jägerinnen ein: Sie seien nicht dafür gemacht, zu jagen, schimpft er gegenüber der «Aargauer Zeitung».

«Gefühlskalt und egoistisch»

Seine Tirade gipfelt in der Aussage: «Frauen, die auf die Jagd gehen, haben einen Minderwertigkeitskomplex oder einen psychischen Defekt.» Natürlich sind für Suter auch männliche Jäger «totale Egoisten und gefühlskalte Menschen». Doch nur den Jägerinnen spricht er den Verstand ab: «Das ist einfach nicht normal!»

Von Blick.ch auf seine Aussagen angesprochen, legt Tierschützer Suter noch eine Schippe drauf. Die Rolle des Jägers sei von der Evolution eben einfach nicht für die Frauen vorgesehen: «Frauen sind nie auf die Jagd gegangen, die haben gekocht oder für die Kinder geschaut», so Suter. Sie sollten sich doch lieber sozial engagieren, in Kinderkrippen oder Altersheimen. «Doch die Jägerinnen wollen sich nur in der Männerwelt profilieren.» Er habe schon gehört, dass Frauen besonders ehrgeizig jagen: «Die wollen ihre Beute um jeden Preis.»

Jagdsucht schlimmer als Alkohol

Bei den Männern hingegen sei der Trieb natürlich, sie würden aber viel zu häufig auf die Pirsch gehen: «Die Jagd ist eine Sucht, schlimmer als Alkohol oder Nikotin.»

Dass sogar den Grünen im Kanton das Anliegen von Peter Suter zu weit geht, kümmert Suter genausowenig, wie die Tatsache, dass ein fast gleichlautender Vorstoss schon 2005 abgelehnt wurde. Seine Initiative «Jagen ohne tierquälerisches Treiben» verlangt, die Treibjagd durch Hunde, Menschen oder Hilfsmittel aller Art zu verbieten.

Dass Frauen die Jagd als Passion entdecken, ist in der ganzen Schweiz tatsächlich ein Trend: Ihre Anmeldungen für die Ausbildung nehmen stark zu. Eine der jungen Jägerinnen ist Andrea Beer (23) aus Sedrun GR, die seit drei Jahren das Patent hat. Fühlt sie sich unnatürlich, wenn sie auf die Pirsch geht?

Jägerinnen müssen sich kaum Sprüche anhören

«Sicher nicht. Früher war die Jagd für Frauen kein Thema, weil sie mehr in die Rolle als Hausfrau und Mutter eingebunden waren», sagt Beer. «Aber heute haben wir alle Möglichkeiten.» Kritik hört sie in ihrem Umfeld höchstens von Leuten, die die Jagd als Solches verurteilen. Sprüche wegen ihres Geschlechts gebe es nicht.

Esther Müller (52) aus dem Solothurner Guldental bestätigt: «Bei den Jägern bin ich von Anfang an gut aufgenommen worden.» Die Landwirtin und Ärztin befindet sich noch in der Jagdausbildung. Ihr ist wichtig, dass die Tiere mit Achtung behandelt werden: «In dem Jagdgebiet, in dem ich unterwegs bin, ist die Hege und Pflege des Wildbestandes eine Hauptaufgabe.»

Auch Andrea Beer nennt die Jagd eine «spannende Aufgabe». Beide Frauen betonen gegenüber Blick.ch, dass sie beim Jagen viel über die Natur lernen würden. Eine «Lust am Töten» gebe es weder bei Jägern – noch bei Jägerinnen. (bih)

play Tierschützer Peter Suter im Interview mit der Aargauer Zeitung. (Screenshot: aargauerzeitung.ch)

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