Seit 7 Jahren warten die Angehörigen des Opfers auf einen Prozess Frau erschlägt ihren Mann mit dem Bügeleisen

  • Publiziert: 22.03.2010, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Ralph Donghi

SCHÖNENWERD SO – Anna L. erschlägt ihren Mann Giuseppe mit einem Bügeleisen. Die Tat passierte vor genau 7 Jahren. Und noch immer warten Giuseppes Angehörige auf einen Prozess.

Giovanna Megaro (42) ist erschöpft, verzweifelt. «Ich weiss nicht mehr, was ich tun soll», sagt die Coiffeuse. Morgen jährt sich zum siebten Mal der Tag, an dem ihr Bruder Giuseppe († 38) von seiner eigenen Frau erschlagen wurde. «Und es steht immer noch kein Prozesstermin fest. Wenn das mein Bruder im Grab hören könnte», klagt Giovanna Megaro.

Am 23. März 2003 wird der Lastwagenchauffeur Giuseppe L.* von seiner Ehefrau Anna in der gemeinsamen Wohnung in Schönenwerd SO getötet. Die beiden hatten Streit.

Laut Anklageschrift schlägt Anna L.* (heute 42) im Schlafzimmer erst mit einem Bügeleisen («mindestens zehnmal») und dann mit einem Stepper auf den Kopf ihres Ehemannes ein.

Ein Gutachten entlastet Anna zwar, sie habe «in Todesangst, völlig ausser sich» gehandelt.

Doch die Untersuchungen am Schädel von Giuseppe L. haben auch ergeben, dass Anna ihrem Ehemann «33 Quetschwunden am Scheitel und am Hinterkopf» zugefügt hat. «Wieso hat sie nicht nach dem dritten Schlag aufgehört, obwohl Giuseppe sich nicht mehr wehren konnte?», fragt Giovanna Megaro.

Anna L. ist wegen Totschlags angeklagt. «Das Problem ist», sagt die Schwester des Opfers, «dass die Anklageschrift genau seit zwei Jahren beim Amtsgericht Olten liegt und es immer noch keinen Prozess gegeben hat. Das ist ein Skandal! Ich verstehe das nicht. Wir alle, meine und sicher auch die vier Kinder von Anna, leiden.»

Das Amtsgericht Olten bestätigt BLICK, dass noch kein Prozesstermin feststeht.

Nach der Kuscheljustiz jetzt also die Trödeljustiz. Im Oktober 2008 sagte der Amtsgerichtsschreiber noch im BLICK: «Die Beweisfristen sind abgelaufen. Der Prozess wird Anfang nächstes Jahr stattfinden.» Das wäre vor über einem Jahr gewesen.

Das Amtsgericht verteidigt sich: «Es wurden noch verschiedene Abklärungen in Auftrag gegeben. Zudem wurde ein ergänzendes medizinisches Gutachten eingeholt.»

Für Giovanna Megaro ist das lange Warten unerträglich: «Wir wollen endlich abschliessen.»

Und Anna L.? Sie scheint sich sicher zu sein, dass sie nicht ins Gefängnis wandert. Unter ihrem ledigen Namen hat sie vor kurzem ein eigenes Beauty-Studio im Dorf eröffnet.

«Soll ich mein Leben etwa aufgeben?», fragt Anna L., als BLICK sie abends vor ihrem Geschäft antrifft.

* Namen der Redaktion bekannt

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