Ein Jahr nach dem Gerlibach-Drama Die Eltern von Nils (†) haben wieder ein Baby

  • Publiziert: 09.08.2010, Aktualisiert: 02.01.2012
  • Von Jessica Francis

LANGENTHAL - Noch hoffen sie auf eine Spur zu Nils. Doch jetzt dreht sich alles um ihr «viertes Wunschkind».

Vor einem Jahr erlebten Alfred Cina (44) und Michaela Schär (27) die schlimmsten Stunden ihres Lebens. Ihr Sohn Nils († 6 Monate) kommt in den reissenden Fluten des Gerlibachs ums Leben (siehe Box rechts).

Doch das Glück ist ins Leben der Familie zurückgekehrt. Und es hat einen Namen: Justin, geboren am 22. Juli um 8.12 Uhr. Michaela und Alfred sind zum vierten Mal Eltern.

Der kerngesunde Justin ist im Oberaargauer Regionalspital in Langenthal zur Welt gekommen. Alfred Cina: «Wir haben uns schon immer vier Kinder gewünscht.»

Für den Vater ist die Geburt seines Sohnes etwas Besonderes. «Vier Frauen im Haus wären schon etwas viel – ich freue mich darauf, Justin wachsen zu sehen.»

Auch Rahel (5) und Julia (2) haben ihren kleinen Bruder bereits ins Herz geschlossen.

Doch trotz aller Freude über ihr Neugeborenes, die Eltern haben ihren Nils nicht vergessen. Sie hoffen immer noch auf ein Wunder.

«Wir wünschen uns so sehr, dass Nils gefunden wird», sagt Alfred Cina. «Wenn zumindest der Kinderwagen entdeckt würde, könnten wir abschliessen. Es kann nicht sein, dass alle Spuren dieses schrecklichen Unglücks verwischt sind.»

Nils lebt im Herzen seiner Familie weiter. In der Küche steht ein Altar mit Fotos. Eine blaue Kerze brennt.

Justin hätte in Nils einen älteren Bruder und Spielkameraden gehabt. «Die beiden hätten sich bestimmt gut verstanden, denn ich sehe jetzt schon Ähnlichkeiten in ihrem Charakter», sagt der Vater.

Der Blick von Alfred Cina schweift zurück auf das Foto von Nils. «Er war ein Finöggeli. Wenn ich Justin anschaue, sehe ich oft Nils vor mir. Doch Justin ist kein Ersatz für Nils, er ist unser viertes Wunschkind, und wir wollen ihm ein schönes Leben bieten.»

Noch kämpft das Ehepaar um eine neue Existenz: «Wir wollen uns von der Sozialhilfe lösen, die Mietschulden begleichen und auf eigenen Beinen stehen», sagt Michaela Schär. Die Probleme wollen sie überwinden, auch und vor allem für ihre Kinder.

Die stolzen Eltern: «Wir haben oft Besuch. Alle unsere Freunde wollen Justin sehen. Er ist so ein süsses Baby.»

Der Fall

Am 17. Juli 2009 passiert das Unglück. Nach einem Ausflug in Luzern schickt Esther S. (43) ihre Tochter Jessica (11) mit den zwei Ferienkindern Rahel (4) und Nils (6 Monate) allein nach Hause. Von Grafenort OW gehen die drei auf einem unwegsamen, verlassenen Weg. Um auf die andere Seite des Gerlibachs zu gelangen, müssen die Kinder eine Furt überqueren. Durch das Unwetter ist der Bach zum reissenden Strom angeschwollen. Jessica versucht, erst Nils im Kinderwagen ans andere Ufer zu bringen. Doch sie kann den gewaltigen Wassermassen nicht standhalten. Sie und das Baby werden mitgerissen. Nur Rahel überlebt.

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