Pädophile 83 Lehrer auf der «Schwarzen Liste»

  • Publiziert: 04.04.2010, Aktualisiert: 03.01.2012

ZÜRICH – Sie haben sich an Minderjährigen vergriffen, wurden mit Kinderpornos erwischt oder sind drogensüchtig: Auf der Liste der Lehrer, die ihre Berufserlaubnis verloren haben, stehen 83 Namen.

Schweizweit stehen mindestens 83 Lehrer auf einer schwarzen Liste, weil ihnen die Berufserlaubnis nach einem schweren Vergehen entzogen wurde. Eine Umfrage der «SonntagsZeitung» bei allen Kantonen ergibt nun erstmals ein gesamtschweizerisches Bild.

Seit Anfang 2008 sind alle Kantone verpflichtet, der EDK Lehrer zu melden, die nicht mehr unterrichten dürfen. Die meisten wurden wegen sexueller Übergriffe oder des Besitzes von Kinderpornografie verurteilt. Auf der Liste, die von der Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) verwaltet wird, landen aber auch drogensüchtige oder psychisch kranke Lehrer.

Mit 30 Lehrern hat der Kanton Zürich die meisten gemeldet. Dahinter folgt St. Gallen mit 14, dann die Waadt und Luzern. Thurgau hat sechs Lehrer auf die Liste setzen lassen, einzelne sind es in Bern, Schwyz, Schaffhausen und Basel-Stadt.

«Schwarze Liste» auch für Pfarrer?

«Die Liste bewährt sich in der Praxis sehr gut», sagt Olivier Maradan, stellvertretender Generalsekretär der EDK. Der Präsident des Lehrerverbandes Beat Zemp gibt zu bedenken: «Es ist anzunehmen, dass es pädophile Lehrer gibt, die bislang nicht straffällig geworden sind und darum nicht auf der Liste stehen.»

Eine «Schwarze Liste» nach Vorbild der Lehrer wird seit den neusten Skandalen auch in Kirchenkreisen diskutiert: Während sich der Präsident der Schweizerischen Bischofskonferenz Norbert Brunner skeptisch zeigte, begrüssen der Abt von Eisiedeln, Martin Werlen, und der Bischof von St. Gallen Markus Büchel die Einführung einer solchen Liste für Kirchenagestellte ausdrücklich. (bih)