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Zwei Nachrichten haben diese Woche Schlagzeilen gemacht. 14,6 Prozent der Schweizer sind von Armut bedroht, meldete das Bundesamt für Statistik. Und wie das Hilfswerk Caritas schätzt, lebt jeder zehnte Schweizer in einem armen Haushalt.
Wie kann das sein? Immerhin ist die Schweiz eines der reichsten Länder der Welt.
Tatsächlich sind die Arbeitseinkommen pro Haushalt seit 2000 um rund 6 Prozent gestiegen. Gleichzeitig waren aber die Einnahmen aus Vermögen und die Sozialleistungen des Staates leicht rückläufig (siehe Grafik).
Das verfügbare Einkommen schrumpft
Weil zudem die Zwangsausgaben stark gestiegen sind, insbesondere für die Krankenkasse, ist das verfügbare Einkommen um mehr als 6 Prozent geschrumpft. Dabei haben die steigenden Mieten in dieser Statistik noch kaum Auswirkungen gezeigt.
Zwar musste die ärmere Hälfte der Schweiz deutlich höhere Mieten zahlen. Da jedoch die Hausbesitzer von den sinkenden Hypozinsen profitieren, haben sich die durchschnittlichen Wohnkosten wenig verändert.
Das Bild verdüstert sich weiter, wenn man nicht die rein theoretischen Durchschnittseinkommen betrachtet, sondern den durchschnittlichen Lohnempfänger. Der hatte nämlich 2008 trotz Wirtschaftsboom real rund 2,5 Prozent weniger in der Lohntüte. Die ärmsten 30 Prozent erlitten gar Einbussen von rund 10 Prozent – nicht zuletzt auch wegen unfreiwilliger Teilzeitarbeit.
Konkurrenz der Ausländer
Eine neue Studie der Nationalbank zeigt, dass die Lohneinbussen weitgehend auf die starke Einwanderung und den damit verbundenen Druck auf die Löhne zurückzuführen sind. Vor allem die wenig qualifizierten Arbeitnehmer litten unter der Konkurrenz der Ausländer.
Die neuste Erhebung der Haushaltsbudgets zeigt, wie knapp viele Haushalte in der Schweiz kalkulieren müssen (siehe Tabellen).
Am härtesten trifft es das ärmste Fünftel der Einpersonenhaushalte unter 65 Jahren – darunter viele Frührentner und Selbständigerwerbende. Ihnen fehlen trotz gut 500 Franken Sozialhilfe und Zuschüssen von Verwandten pro Monat rund 1000 Franken. Sie müssen also entweder Schulden machen oder ihre letzten Ersparnisse aufzehren.
10.40 Franken für Essen und Trinken
Diese Leute haben im Schnitt bloss 10.40 Franken täglich für Essen und Trinken übrig, rund 2 Franken weniger als die Richtlinien der Schweizerischen Sozialhilfekonferenz als Mindestbedarf vorsehen.
Auch Paare mit Kindern sind gefährdet. Für das ärmste Fünftel dieser Bevölkerungsgruppe sieht die Rechnung so aus: Im Schnitt beziehen 1,3 Personen einen Lohn. Dazu noch 770 Franken Sozialhilfe. Dennoch bleiben nach Abzug von Steuern und Krankenkassenprämien monatlich bloss 3877 Franken übrig.
Lücke von 557 Fr. am Monatsende
Obwohl diese Familien die Ausgaben für Essen und Trinken auf Fr. 6.80 pro Kopf und Tag reduzieren, klafft am Monatsende eine Lücke von 557 Franken in der Haushaltskasse. Das grosse Problem dieser armen Familien ist die Miete.
Statistisch gesehen geben sie dafür inklusive Nebenkosten, Heizung und Strom 1292 Franken monatlich aus. Doch eine solche Miete ist für eine Familie mit zwei Kindern heute ein Glücksfall. Wer eine neue Wohnung suchen muss, gibt viel mehr aus.
Steigende Wohnungsmieten
Auch das zweitärmste Fünftel der Schweizer Haushalte kommt nur knapp über die Runden. Bei einem verfügbaren Einkommen von rund 4000 Franken bleiben Ende Monat im Schnitt gerade mal 30 Franken übrig. Für Kleider und Schuhe stehen pro Kopf und Monat 80 Franken im Budget.
Das grosse Problem ist auch für diese Wenigverdiener die Miete. Die budgetierten 1200 Franken reichen, sofern man das Glück hat, Altmieter zu sein oder in einer Genossenschaftswohnung zu leben. Wer eine neue Bleibe sucht, muss mindestens 300 Franken mehr budgetieren und Monat für Monat eine Antwort auf die Frage finden, wovon der Lebensunterhalt bestritten werden soll.