Messerstecherei vor Zürcher Kult-Club 3½ Stunden nach diesem Bild war Vigan tot

Der Detailhändler hatte viel zu feiern: seinen Geburtstag, den Unteroffizier und den neuen Traumjob fast auf sicher.

  • Publiziert: 16.07.2012
  • Von Beat Michel, Daniel Riedel und Fabienne Riklin
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Glücklich blickt Vigan M.* (†23) in die Kamera. Neben ihm lächeln seine ­beiden Brüder Visar M.* (20) und Fetah M.* (19) mit ihren Freundinnen. Mit auf dem Foto sind Bekannte und Freunde aus Hombrechtikon ZH.

Die Clique feiert am Samstagabend den 23.Geburtstag des Detailhändlers im Zürcher Kult-Club Kaufleuten im Bahnhofstras­senquartier. Es wird getrunken, gefeiert, gelacht. Was keiner ahnt – es wird das letzte Bild mit Vigan sein. Nur dreieinhalb Stunden später ist er tot und sein Bruder Visar lebensgefährlich verletzt. Der Messerstecher soll ein Bekannter der Clique sein.

Nach ersten Erkenntnissen gerät das Brüderpaar schon im Kaufleuten mit dem späteren Täter aneinander. Erste Rangeleien und Schubsereien. Ein Security-Mann setzt daraufhin alle drei Streithähne gegen halb vier Uhr früh gemeinsam vor die Disco-Tür. An der Ecke Pelikanstrasse/Nüschelerstrasse, wenige Meter vom Eingang entfernt, eskaliert der Streit. Beide Brüder werden mit einem Messer attackiert: Vigan lässt noch vor Ort sein Leben. Auch der jüngere Visar verliert sehr viel Blut, überlebt nur knapp.

René Ruf (40), Sprecher der  Stadtpolizei Zürich: «Kurz nach vier Uhr morgens ging der Notruf ein. Der enorme Blutverlust der beiden Opfer machte die Lage besonders kritisch.» Zwar bemerkt ein Türsteher den Ernst der Lage, doch nur Visar kann gerettet und mit schweren Verletzungen ins Unispital Zürich gefahren werden. Der Täter flüchtet in Richtung Bahnhofstrasse.

«Mein Bruder war kein Typ, der Stress gesucht hat. Ich kann noch gar nicht glauben, dass er nicht mehr lebt», sagt der Jüngste, Fetah M. Der 19-Jährige wurde erst am frühen Sonntagmorgen von der Kantonspolizei über den Tod seines Bruders informiert. «Ich bin mit meiner Freundin um kurz nach eins gegangen. Da war die Stimmung super­ausgelassen. Ärger lag da nicht in der Luft.» Fetahs Freundin Nina fügt hinzu: «Ich kann nicht fassen, was später passiert ist.»
 

Keine Angaben zum Täter

Vigan hat neben seinem Geburtstag noch viel mehr zu feiern gehabt. Nach der Rekruten­schule absolvierte der Zürcher die Unteroffiziersschule. Nun wollte der Audi- und Motorsportfan als ausgebildeter Detailhändler ins Autogewerbe wechseln.

«Ende der Woche hätte er das letzte Auswahlgespräch gehabt. Die erste Runde hatte er gut gemeistert. Er war sich seiner Sache so sicher», sagt Fetah M. Auch der mittlere Bruder Visar macht Karriere. Der talentierte Handballspieler überzeugt als linker Rückraumspieler bei GS Stäfa, als Jugendnationalspieler wurde er mehrmals in Schweizer Junioren-Auswahlen berufen.

Ein Nachbar zu BLICK: «Das ist eine ganz wunderbare und fleissige Familie, die sich hier wahnsinnig viel erarbeitet hat. Ein kleines Paradies mit Wohnung, Autos und adretten Kindern.» Vater Ismet M.* (51) und Mutter Lumnije M.* (46) kamen einst aus dem Kosovo in die Schweiz – von dem Tod ihres ältesten Sohns Vigan müssen sie in den Ferien in der Heimat erfahren.

Gestern wachen Fetah und Visars Freundin Carmen auf der Notfallstation des Unispitals beim Schwerverletzen. In der wohl schwersten Stunde ihres Lebens gibt ihnen die Clique Halt. Im Laufe des Sonntags keimt Hoffnung auf. Visar liegt auf der Intensivstation, aber er soll aus­ser Lebensgefahr sein.

Derjenige, der die Familie so grausam ausei­nandergerissen hat, ist immer noch auf der Flucht. Die Stadtpolizei Zürich will gestern weder Angaben zum Täter machen, noch lässt sie eine Fahndungsmeldung raus. Dabei ist sich die Clique des Toten sicher, dass der Messerstecher ebenfalls im Zürcher Umland lebt und für seine aggressive Art «berüchtigt» ist.

«Er ist kein Unbekannter. Der dürfte auch den Behörden bekannt sein», sagt ein Freund von Vigan gestern. 

*Name bekannt

Beliebteste Kommentare

  • Edmund  Naef , Amden
    Die aggressive Art des Täters ist den Behörden bekannt. Warum versucht man denn nicht ihn mit allen Mitteln raschmöglichst aus dem Verkehr zu ziehen, bevor er weiteres Unheil anrichten kann?? Zudem hat die Bevölkerung ein Anrecht zu erfahren, was mit diesem Mann geschieht.
  • Rees  Keller , Basel
    Wieder einmal mehr die traurige Wahrheit, wie schnell ein Leben zu Ende sein kann. Wieder einmal mehr der Aufruf, sein Leben in vollen Zügen zu geniessen denn man weiss nie, wenn es zu Ende ist. Ich hoffe, dass der Täter schnellstmöglich gefasst wird und mit aller Härte bestraft wird. Gute Besserung für Visar, viel Mut und Kraft für die kommende Zeit... mein aufrichtiges Beileid an die Hinterbliebenen ...

Alle Kommentare (28)

  • Buki  Ikub
    Mein herzlichstes Beileid fuer die Familie und Freunde.. Es muss fuer die Eltern schockierend gewesen sein, den Tod ihres Sohnes in den Ferien uebermittelt zu bekommen..Auf diese Weise aus dem Leben gerissen zu werden ist einfach nur schrecklich.. Ngushllime te perzemerta..
    • 16.07.2012
    • 25
    • 8
  • Senoglu  Rosanna , via Facebook
    nich mal mehr geburtstag kann mann feiern ohne dass Bluf fliesst
    wir leben in eine grausame zeit voll Gewalt und kriminelle es tut mir leid mein Beileid
    • 16.07.2012
    • 21
    • 2
  • Daryoush  Azizi , Basel
    Ich finde es absolut Wurst, was die Ursache des Tathergangs war. Ob jetzt Vigan oder Mohamed schuld war. Was aber eine Grosse Rolle spielt, ist das dieser Idiot ein Messer auf sich trägt, denn wenn einer mit einem Messer in den Ausgang geht, so geht er ja davon aus das er es einsetzen wird. Somit kann ich die Reaktion des Mörders absolut nicht nachvollziehen. Auch bei einer Notwehr, muss man nicht gleich einem erst 23Jährigen Typen das Leben nehmen und das noch an seinem Geburtstag + der jüngere Bruder auch fast massakriert!!! Es wäre von Vorteil, wenn der Typ so schnell wie möglich von der Polizei gefasst wird, ansonsten darf die Mutter nächste Woche den Tod ihres Sohnes im Blick lesen, denn die albanischen Angehörigen werden dies nicht einfach auf die leichte Schulter nehmen!!!
  • David  Pfeiffer
    Metall Detektoren vor der Disco für Mann und Frau - siehe Discos in Amsterdam - ansonsten gibt es keine Möglichkeit die Gewalt zu stoppen - AUSSER - alle 100 - 500 Meter eine Notfallsäule wie auf der Autobahn - Auto kaputt kein Problem - Leben futsch, grosses Problem - Mein grosses Beileid - Welcome to battlefield Switerland
    • 16.07.2012
    • 36
    • 7
  •   michael imhof , Brunnen SZ
    Ha, klappmesser sind doch nicht erlaubt!
    An den hinterbliebenen viel kraft!
    • 16.07.2012
    • 18
    • 4
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