Lobby-Land Schweiz 200 Nationalräte = 870 Mandate

  • Aktualisiert am 20.01.2012

Wer ist der grösste Lobbyist unter den Schweizer Parlamentariern? SonntagsBlick zeigt, wer wie viele Mandate hat.

Die 200 neu- oder wiedergewählten Politiker halten insgesamt 870 im Handelsregister eingetragene Verwaltungs-, Stiftungsrats- und Verbandsmandate. Das zeigt eine Untersuchung des Wirtschaftsinformationsdiensts Dun & Bradstreet (D&B) Schweiz, die SonntagsBlick exklusiv vorliegt; die Mandate der Ständeräte wurden nicht ausgewertet.

Spitzenreiter mit 35 Verwaltungsratssitzen ist der Davoser Neuling Tarzisius Caviezel (52, FDP/GR). «Ich sehe daran nichts Anrüchiges», sagt der Präsident des Hockey Clubs Davos. 31 Mandate allein habe er wegen seiner Funktion als CEO und Verwaltungsratsdelegierter der Burkhalter-Gruppe. Deshalb sitze er auch in den Aufsichtsgremien zahlreicher Tochtergesellschaften des Zürcher Elektroinstallateurs.

Als Freisinniger gehört der Bündner zur Partei mit den grössten Interessenverbindungen: Jeder FDP-Nationalrat hat im Durchschnitt 8,8 Mandate – ein Grüner nur 2,4! Unter den Top Ten der grössten Mandatesammler sind sechs Freisinnige (siehe Tabelle). Für den D&B-Schweiz-Chef Macario Juan (42) kein Zufall: «Die FDP gilt immer noch als Wirtschaftspartei. Das macht sie attraktiv für Unternehmen. Nationalräte, die rechts oder links der Mitte politisieren, sind für Unternehmen, Stiftungen und Verbände hingegen weniger interessant.»

Und für welche Branchen lobbyieren die Nationalräte in Bern? Die Mandate in kulturellen, religiösen und gemeinnützigen Stiftungen, Vereinen und Gewerkschaften stellen mit 28 Prozent der Mandate die grösste Interessengruppe dar – bei den Sozialdemokraten ist es gar jedes zweite.

Eine starke Vertretung im Parlament haben die Banken und Versicherungen: 11 Prozent der Mandate kommen von ihnen. Die Grossbanken UBS und CS jedoch haben im frisch gewählten Nationalrat nur gerade einen Vertreter: UBS-Verwaltungsrat Peter Spuhler (48, SVP/TG). Neben zahlreichen Lobbyisten gibt es in der grossen Kammer aber auch 36 Politiker ohne jede Interessenbindung. Zu ihnen gehört SVP-Stratege und Vordenker Christoph Mörgeli (47, ZH). «Das soll so bleiben, ich will unabhängig sein», sagt Mörgeli.  

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