Bye Bye Billag 200 Franken TV-Gebühren müssen reichen

  • Aktualisiert am 13.01.2012
  • Von Simon Hehli

ZÜRICH – Die Gruppe «Bye Bye Billag» macht ernst: Sie will die TV- und Radio-Gebühren mit ihrer Initiative halbieren – und erhält durch eine Umfrage Auftrieb.

1,13 Milliarden Franken Gebühren überweisen wir in diesem Jahr via Billag an die SRG – doch nun dürfte am Leutschenbach langsam das grosse Zittern beginnen. Denn die Gruppe «Bye Bye Billag», die anfänglich vor allem die ungeliebte Inkasso-Gesellschaft ins Visier nahm, will mit ihrer Volksinitiative auch der nationalen TV- und Radio-Anstalt ans Eingemachte.

Dafür stützt sich «Bye Bye Billag» auf eine nicht repräsentative Online-Umfrage, bei der 11679 Personen mitmachten. Die meisten der vorwiegend jungen Teilnehmer sind durchaus bereit, den Service Public der SRG zu finanzieren – doch die 462 Franken, die wir derzeit pro Jahr berappen, findet nur jeder 15. okay. 35,73 Prozent würden 200 Franken bezahlen, je rund 25 Prozent 300 oder 100 Franken.

Bei der Frage, wie die SRG an die Gebührengelder kommen soll, schneidet die Billag gar nicht so schlecht ab: Immerhin 28 Prozent wollen diese Aufgabe weiterhin einer Inkassogesellschaft übertragen. Mit 40 Prozent am meisten Fans findet aber die Idee, dass wir die Kosten für Fernsehen und Radio bequem über die Steuerrechnung begleichen könnten.

«Demokratisches Web 2.0 »

Francisca Brechbühler, Initiantin von «Bye Bye Billag», ging es bei der Umfrage vor allem darum, die Chancen für den Erfolg ihrer Initiative auszutesten. In ihrem Anliegen sieht sie sich nun durch die Resultate bestätigt – und wird bei der konkreten Ausformulierung des Volksbegehrens auch Rücksicht auf die Meinungen der Teilnehmer nehmen. «Schliesslich verstehen wir uns nicht als Einzelgänger, sondern im Rahmen des demokratischen Web 2.0 als Vertreter aller Menschen, die unsere Ziele teilen», erklärt sie gegenüber Blick.ch.

Brechbühler will die SRG zum massiven Sparen verdonnern. Die Schweiz brauche nicht acht öffentliche Fernsehkanäle bemängelt sie – und auch teure Unterhaltungssendungen hält sie für überflüssig. «Die SRG kauft immer gross ein und wälzt nachher die Kosten auf uns Zuschauer ab, ohne dass wir etwas dagegen unternehmen können», kritisiert Brechbühler.

Doch wie sollte die SRG überleben, wenn sie nur noch die Hälfte der Gebührengelder erhielte? Bei der geplanten Fusion von TV und Radio unter einem gemeinsamen SRG-Dach sieht Brechbühler ein «riesiges Sparpotenzial» – so durch einen Personalabbau. Ausserdem müsse das Staatsfernsehen kreativer werden bei der Beschaffung der Mittel, fordert sie – etwa indem noch mehr Sendeplätze an private Anbieter verkauft würden.

Unterschriften an Partys sammeln

Ab diesem Herbst geht «Bye Bye Billag» auf die Jagd nach den nötigen 100000 Unterschriften, um das Begehren an die Urnen zu bringen. Eigentlich kein Problem, wenn man den phänomenalen Erfolg des Anliegens bei den Jungen betrachtet. Alleine auf der Internet-Plattform Facebook haben sich 40000 Mitglieder bei der Gruppe eingeschrieben.

Doch das Stimmensammeln im Netz ist nicht ganz so einfach, wie Brechbühler zu berichten weiss: Schliesslich müsste jeder Nutzer das Unterschriftenformular als PDF herunterladen, unterschreiben, in einen Brief stecken und eine Marke draufkleben. Schon eine ziemliche Herausforderung für die «Generation Mail». So wird «Bye Bye Billag» vor allem auf die Unterschriftensammlung an Partys setzen – und damit die SRG wohl in Katerstimmung versetzen.

Francisca Brechbühler: Vor ihrer Gruppe «Bye Bye Billag» zittern Billag und SRG.- ZVG

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