Polizei-Sprecher Kurt Baumgartner zum Massen-Crash auf der A3 «Das hatten wir so noch nie!»

BILTEN - GL - Auf der A3 Richtung Chur kam es zu einem Massencrash mit 17 Verletzten und 40 beteiligten Fahrzeugen. Kurt Baumgartner, Mediensprecher der Kantonspolizei Glarus, weiss eine mögliche Ursache.

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Die A3 Richtung Chur ist seit zirka 17.45 wieder offen – doch die Nachwirkungen des Massencrashs von heute morgen spürt man noch immer. Gemäss Viasuisse verflüssigt sich der Verkehr auf der Autobahn rasch, auf dem Nebenstrassennetz staue sich der Verkehr aber weiterhin. Gegen 9.30 Uhr krachten auf der Höhe von Bilten GL 40 Autos ineinander, 17 Personen wurden verletzt. Diese Zahlen nannte die Polizei am Nachmittag, nachdem sie zuerst von rund 50 Fahrzeugen gesprochen hatte.

Kurt Baumgartner, Sprecher der Kantonspolizei Glarus, hat eine mögliche Erklärung für die Massenkarambolage. «Das Linthgebiet ist zwar für den Nebel bekannt. Aber heute gab es gleich drei, viel Nebelbänke hintereinander, das ist sehr selten», sagt Baumgartner. «Und die Art, wie sich die Bänke bewegten, das hat sehr mysteriös ausgesehen. Das hatten wir so noch nie.»

Mit dem Schrecken davongekommen ist S.S. (31): «Das Auto vor mir hat im Nebel plötzlich stark abgebremst. Die Fahrbahn war extrem rutschig, ich konnte aber gerade noch auf links ausweichen.» Seine Arbeitskollegin hatte weniger Glück: Ihr donnerte ein anderes Fahrzeug ins Heck. Sie sei beim Massencrash leicht verletzt worden, es gehe ihr aber den Umständen entsprechend gut.

«Ich sah Verletzte. Das war eine richtig hässliche Sache!»

Vielen Fahrern blieb keine Zeit zum Reagieren: «Es ging alles so schnell. Es war eine Frage von Sekunden – dann knallte es auch schon», sagt S.S. Auch bei einer verlangsamten Fahrgeschwindigkeit von 110 Stundenkilometern hätten die Fahrer nicht mehr rechtzeitig reagieren können. Sie seien chancenlos gewesen. Für den Zeugen war es der erste Unfall überhaupt. Erst als er ausgestiegen war, zeigte sich ihm das wirkliche Schadensbild: «Dann sah ich die verletzten Menschen. Das war eine richtig hässliche Sache!» 

Zwischenzeitlich wurden viele Fahrer beim Feuerwehrdepot in Schänis SG untergebracht. Dort werden Formalitäten erledigt und Mahlzeiten gereicht. Auf der Autobahn A3 laufen die Bergungsarbeiten derweil weiterhin auf Hochtouren. Im Linthgebiet muss noch bis in die Abendstunden hinein mit Verkehrsbehinderungen gerechnet werden. Die Autobahn ist unterdessen auf der Strecke zwischen Bilten und Reichenburg in Fahrtrichtung Zürich wieder einspurig befahrbar.

«Ich versuchte noch auszuweichen»

Auch bei ihm sitzt der Schock noch immer tief, sagt F.S.*. Er war von Berufes wegen unterwegs nach Chur, als es zum Crash kam. «Der Grund für den Crash war sicherlich der dichte Nebel», sagt S. Zudem glaubt er, sich an Glatteis zu erinnern. Bestimmt schon 15 Autos seien verunfallt, als sein Fahrzeug in die Blechkolonne krachte. «Ich versuchte noch auszuweichen. Dann wurde mein Auto seitlich erwischt.»

Laut Daniel Menzi, Sprecher der Kantonspolizei Glarus, rückten sechs Ambulanzen und drei Rega-Helikopter aus. Über die Schwere der Verletzungen könnten noch keine Angaben gemacht werden, sagt er. Bekannt sei bisher einzig: «Es gab offenbar keine Toten.» 

Geheiztes Zelt für die Verunfallten

BLICK-Leser S. blieb beim Crash unverletzt. Seinen Angaben zufolge befinden sich unter den Verletzten auch schwangere Frauen und Kinder. Zwei Stunden nach der Karambolage befindet er sich noch immer auf der Autobahn. Die Feuerwehr stellte ein geheiztes Zelt auf, in dem sich die Verunfallten aufwärmen können. 

Die A3 zwischen der Verzweigung Reichenburg SZ und Bilten GL ist wegen der Bergungsarbeiten vorläufig in beide Richtungen gesperrt. Die Glarner Kantonspolizei riet, das Gebiet grossräumig zu umfahren und richtete Umleitungen ein. An der Unfallstelle standen gegen 100 Personen im Einsatz. Darunter waren Vertreter der Glarner Staatsanwaltschaft sowie Polizisten aus den Kantonen Glarus, St. Gallen und Zürich. Zur Abklärung des Unfallhergangs wurde eine Untersuchung eingeleitet. (bih/lha/laa/sda)

* Name der Redaktion bekannt

Publiziert am 06.01.2017 | Aktualisiert am 11.01.2017
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56 Kommentare
  • Michel  GASSER aus Meyrin
    07.01.2017
    Liest man die Kommentare, kommt heraus, dass viele Leser nicht begreifen, was passiert ist : die Sicht war 100 Prozent klar, dann kam der Verkehr ohne Transition in eine äusserst dichte Nebelwand, ohne dass die Fahrer Zeit hatten, um richtig reagieren zu können. Es gibt aussenordentliche Situationen, wo sogar die beste Fahrdisziplin nichts mehr hilft. Wer das nicht einsieht, hat vom Autofahren keine Ahnung.
  • Abbas  Schumacher aus Basel
    07.01.2017
    Erste Reaktion sollte sein, wenn ich nichts mehr sehe, gehe ich sofort ab dem Gas? Sollte aber jeder machen, aber da gibt es immer welche, die Blochen einfach weiter. Auch wenn auf der Autobahn Schnee liegt, wenn einer Bremsen müsste, er würde der Schwerkraft entsprechend weiter rutschen, könnte so nie die Richtung selber bestimmen. Ich fahre viel, Behindertentransport, da bin ich lieber Defensive als Aggressive unterwegs, ich bin da ganz Egoist, auch ich möchte lebend ans Ziel kommen!
  • Hugo  Thoma aus Amden
    07.01.2017
    Hallooo!!! Autofahren heisst Hirn einschalten! Was nützt da eingeschaltetes Warntafellicht, wenn Piloten föllig verpeilt daran vorbei in eine Nebelwand fahren? Sich auf die modernen Helferlein, ABS, ASR, ETC.zu verlassen ist leichtsinnig, bestätigung haben wir hier! Viel gescheiter als die Ökofahrschule, wäre 1-2 Antischleuder fahrkurse, da würde so mancher Pilot erkennen, dass er immernoch "Fahrleie"
    Ist. Fahren muss ständig geübt werden,auch im Grenzbereich! Gewohnheit kann gefährlich sein.
  • David  Brunner aus Wetzikon
    07.01.2017
    Ich wunderte mich gelegentlich ob der vereisten A3 in der Linthebene, ordnete den Strassenzustand dem Ökoterror und der Sparhysterie zu und versuchte, meine Spur halten. Sparen, koste es was es wolle, scheint die Devise zu sein, hier nun mit zahlreichen Totalschäden und 17 Verletzten.
  • Aschi  Luginbühl 07.01.2017
    Ich sage mir immer: Abstand ist das halbe Leben, und dazu gehört eine anständige Portion normales Licht und nicht nur die LEDS vorne.