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Gewerkschafter Beda Moor: «10 % sind schmerzhaft. Das gefährdet den sozialen Frieden. »Sparen auf dem Buckel der Angestellten. Das scheint der neue Lieblingssport vieler Schweizer Industriemanager zu sein.
Zum ersten Tabubruch kam es vor drei Monaten. Georg Fischer kündigte an, die Renten seiner Pensionäre um 6,1 Prozent zu kürzen.
Jetzt der zweite Tabubruch: Angestellte des kriselnden Industriekonzerns Rieter sollen zwischen Juli und Dezember auf 10 Prozent ihres Lohnes verzichten!
Kontrolliert wird Rieter von Peter Spuhler (Stadler Rail) und Michael Pieper (Franke). Zusammen halten sie 37 Prozent der Aktien.
Rieter betont, der Lohnverzicht sei freiwillig. Niemand werde zum Mitmachen gezwungen, so Sprecher Peter Grädel. Fakt ist aber auch: Weigert sich ein Mitarbeiter, wird der Vorgesetzte darüber informiert. Also weiss jeder Rieter-Chef, wer von seinen Leuten mitmacht und wer nicht.
Dazu Beda Moor von der Gewerkschaft Unia: «Mitarbeiter, die nicht spuren, kommen so auf eine schwarze Liste. Und sei es nur im Kopf des Vorgesetzten.»
Sollte es bei Rieter wegen der anhaltenden Krise also nochmals zu einem Stellenabbau kommen – 200 Jobs wurden bereits gestrichen –, scheint klar, wer fliegt: jene, die auf 100 Prozent Lohn für 100 Prozent Einsatz beharrt haben.
Grädel entgegnet: «Man kommt auf keine schwarze Liste.» Zudem gelte der alte Lohn, sollte jemand die Stelle verlieren. Die Sparmassnahme würde von einem Grossteil der Belegschaft unterstützt. Auch die Konzernleitung mache mit. Wie viele Angestellte genau betroffen sind, wollte er nicht sagen.
Ende 2008 beschäftigte Rieter in der Schweiz rund 1800 und weltweit gut 14000 Mitarbeiter. Sie alle wurden zum Lohnverzicht aufgefordert. Es sei denn, sie würden bereits kurzarbeiten oder der untersten Lohnstufe angehören. Würden alle Mitarbeiter auf 10 Prozent ihres halben Jahresgehalts verzichten, könnte Rieter knapp 40 Millionen Franken sparen.
Moor ist entsetzt: «10 Prozent sind schmerzhaft. Die Massnahme gefährdet den sozialen Frieden.»