Finanz-Chaos bei SBB 10 Mio. Franken unbezahlte Bussen

BERN - Das kann ja heiter werden: Zum Fahrplanwechsel am Wochenende kommt jetzt auch das neue Bussen-Regime. Dabei funktioniert das Bussen-Management schon jetzt nicht.

  • Publiziert: 09.12.2011, Aktualisiert: 10.01.2012
Das ist neu: 90 Franken Busse sollen Reisende ohne Billett neuerdings auch in Fernverkehrszügen bezahlen. In letzter Zeit hat sich die SBB eine aufwändige PR-Kampagne geleistet, um dies auch dem letzten einzutrichtern.Doch obs funktioniert? Das gibts ernsthafte Zweifel.Denn «10vor10»-Recherchen zeigen: Bereits heute zahlen Zehntausende ihre Billettbusse aus dem Regionalverkehr nie. SBB-Sprecher Reto Kormann muss zugeben: «Die SBB schreibt jedes Jahr zehn Millionen Franken Ticket-Bussen ab.»Das dürfte jetzt noch viel schlimmer werden. Mit der neuen Bussenregelung ab dem Fahrplanwechsel dürfte die Anzahl unbezahlter Rechnungen weiter steigen.Sie füllen jetzt schon ganze Schränke: Meterlang türmen sich unbezahlte Ticketbussen bei der SBB.2500 Personen in der KarteiDer finanzielle Schaden durch Zehntausende Reisende, die Ticketbussen nie bezahlen, ist enorm. Allein 2500 Passagiere sind in der Kartei, die sechs und mehr Billettbussen nie bezahlt haben, heisst es in einer «10vor10»-Meldung.Gründe sind laut Kormann: Schwarzfahrer sind weggezogen, geben falsche Personalien an, oder es ist trotz Betreibung kein Geld zu holen. Nicht eingerechnet ist in den zehn Millionen Franken der riesige administrative Aufwand, den die Bahn betreibt.«Mit jeder Busse steigt das Aggressionspotenzial»Giorgio Tuti, Präsident des Schweizerischen Eisenbahnerverbands SEV, geht davon aus, dass ab Fahrplanwechsel die Anzahl unbezahlter Bussen noch steigen wird. Tuti sagt gegenüber «10vor10»: «Mit jeder Busse steigt das Potenzial von Aggressionen gegen Zugbegleiter. Wir befürchten, dass Kondukteure vermehrt verbal und auch tätlich angegangen werden.» (snx)