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Günstig, gummiartig, geschmacklos: So ist ein Brot vom Grossverteiler, das glauben viele Schweizer felsenfest.
Warum sonst wären wir bereit, beim Bäcker um die Ecke für einen dampfenden Butterzopf das Doppelte zu bezahlen wie für einen Industriezopf bei Migros und Coop? Und für ein gewöhnliches Pfünderli sogar bis zu drei Mal mehr? Weil Geiz nicht geil ist, wenn der Genuss auf der Strecke bleibt.
Doch jetzt heizen die Grossverteiler den Bäckern ein. Reto Weber, Chefentwickler Brot bei Coop, hat ein Verfahren entwickelt, das Backwaren von den Förderbändern der Grossbäckereien geschmacklich gleich gut machen soll wie das handgeformte aus der Backstube.
«Das Geheimnis ist der Vorteig», sagt Coop-Sprecherin Sabine Vulic. Bislang kam bei den Grossbäckereien die Hefe direkt in den Brotteig, das Ganze liess man zwei Stunden ruhen, und schon ging es ab in den Ofen. Das neue Coop-Brot entsteht aus einem sogenannten Vorteig, einem Mehl-Wasser-Gemisch, das so lange liegen gelassen wird, bis es selber zu gären beginnt und genügend Zeit hat, um Aromen zu entwickeln. Bis zu 20 Stunden ruhen die Teige nun. «Geschmacksverstärker sind nicht mehr nötig, auch den Salzgehalt konnten wir reduzieren», sagt Vulic.
Resultat: Das Coop-Brot hat mehr Geschmack, ist mindestens einen Tag länger haltbar und erst noch gesünder. Das haben auch die Konsumenten gemerkt: Um 5 Prozent stieg der Brotabsatz bei Coop seit der Umstellung.
Essen unsere Bäcker deshalb in Zukunft hartes Brot? «Noch spüren wir nichts davon», sagt Ernst Hotz. Der Präsident des Zürcher Bäckerverbands ist von den Fortschritten der Konkurrenz nicht beeindruckt. «Was sind schon 20 Stunden Ruhezeit?» Hotz schiebt sein Wurzelbrotteig erst nach 48 Stunden in den Ofen. «Das schafft ein Grossverteiler nie.»
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Coop-Chefbäcker Reto Weber heizt den Bäckern ein. (Stefan Bohrer)