«Schafseckel», «Bajass», «Nutte»: Mit Schimpf und Schande vor Gericht

Keine Straftat ist «beliebter», als die Beschimpfung. Die Zahl der Anzeigen nahm in nur fünf Jahren um 58 Prozent zu. Eine «dumme Kuh», ein «Tubel» oder ein «blöden Totsch» zogen schon vor Gericht. Schuld sind Facebook & Co.

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Schimpfen im Kino: Adam Sandler und Jack Nicholson geben sich in «die Wutprobe». zvg

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Ein Ehemann, der den Liebhaber seiner Frau als «Drecksau» beschimpfte. Ein Rentner, der Polizisten «Bajasse» und «Schafseckle» nannte. Oder ein Vater, der die Tochter als «verdammte Nutte» betitelte. Sie alle standen in den letzten Monaten vor Gericht.

Drecksau! Schafseckle!

Die Zahl der Anzeigen wegen Beschimpfung steigt rasant, wie die neue Kriminalstatistik des Bundes zeigt. 2010 gab es 4996 Beschuldigte, fünf Jahre später bereits 7873. Eine Zunahme von 58 Prozent!

«Ein Grund sind sicher Soziale Netzwerke und die Kommentarfunktion im Internet», sagt Strafrechtsprofessor Martin Killias (67). Früher sei es schwer gewesen, eine Beleidigung nachzuweisen. «Wenn diese aber online verewigt ist, hat man mit einer Anzeige bessere Chancen.» Dazu kommt das neue Strafprozessrecht. Früher musste der Geschädigte selbst alle Beweise zusammentragen. «Seit 2011 leitet der Staatsanwalt eine Untersuchung ein, wenn es eine Anzeige gibt.» Das mache es attraktiver, eine Beschimpfung zu melden.

Tubel! Dumme Kuh!

Was man dem Gegenüber an den Kopf schmeisst, ist nicht entscheidend. In den letzten Jahren gab es Gerichtsverhandlungen wegen einer «dummen Kuh», einem «Tubel» oder einem «blöden Totsch». Bestraft wird, wer den Kontrahenten «in seiner Ehre angreift». Ausser, dieser hat die Beleidigung provoziert. Oder mit einem Schimpfwort gekontert.

Die Zahlen des Bundes zeigen: Schon die Kleinen schimpfen wie die Grossen. Allein im letzten Jahr wurden 247 Kinder unter 15 Jahren verzeigt. Insgesamt waren 594 Beschuldigte minderjährig.


«Beschimpfungen unter Schülern hat es schon immer gegeben», sagt Beat Zemp (61), Präsident des Lehrerverbands. Das Mobbing verschiebe sich aber vom Klassenzimmer ins Internet. Dort können beleidigende Kommentare nicht einfach gelöscht werden. «Und alle können zuschauen. Das ist kein Kavaliersdelikt mehr.» Bei massivem Cybermobbing sei eine Strafanzeige das richtige Mittel, um Opfer zu schützen.

Sch...-Bullenl! A...löcher!

Nicht nur Lehrer müssen sich zunehmend mit schimpfenden Rohrspatzen auseinandersetzen. «Der Respekt gegenüber Amtspersonen geht grundsätzlich zurück», sagt Reto Martinelli (39) vom Verband Schweizerischer Polizei-Beamter. «Polizisten bekommen alles zu hören, von ‹Sch...-Bullen› bis ‹A...löcher›.» Der Umgang mit Beschimpfungen werde während der Ausbildung behandelt. «Am wichtigsten ist es sicher, ruhig zu bleiben und sich nicht provozieren zu lassen.» Danach liege es im Ermessen des Polizisten, ob er Anzeige erstattet oder nicht.

Publiziert am 27.03.2016 | Aktualisiert am 27.03.2016
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11 Kommentare
  • Rolf  Oehen aus Hünenberg See
    27.03.2016
    Wie entscheidet eigentlich ein Richter, wenn es tatsächlich zutrifft und "ein Typ" tatsächlich ein A... ist bzw. von mehreren Menschen "einstimmig" immer wieder als "dies" beschimpft/bezeichnet wird? Spannend-lustige Frage oder nicht?
  • Katharina  Bläsi aus Bellavista
    27.03.2016
    Wo sind wir nur gelandet, vor 30 Jahren war das an der Tagesordnung jemanden Tubel zu nennen, manchmal aus Spass, manchmal zu Recht, bald sind wir in der selben Situation wie Amerika wo jeder mit jedem wegen nichts vor Gericht zieht. Tubel kann auch ein Kompliment sein :-))
  • Stefan  Buttliger 27.03.2016
    "e Löu, e blöde Siech, e Glünggi und e Sürmu" ... - wie sagte Mani Matter? Schimpfwörter sy Glückssach!
    Bei Leuten, die deutsch verstehen (...) ist Sarkasmus oder Ironie der bessere Weg, lächelnd den Kropf zu leeren! - bei Leuten, die dazu auch noch denken können, wirkt das garantiert länger nach!

    Etwas mehr Liebe - und weniger Streit,
    etwas mehr Güte - und weniger Neid.
    Etwas mehr Blumen während des Lebens -
    denn auf den Gräbern sind sie vergebens.

    Alles Liebe zum neuen Frühling!
    Stefan
  • André  Jost aus Rothrist
    27.03.2016
    "Schuld sind Facebook & Co." steht im Titel. Dann wird es wohl auch keine Schuldigen geben, da Blick soeben informiert hat, wer tatsächlich schuld am Schlamassel ist. Unsere Gesellschaft zumindest nicht.
  • Hans  Hugentobler 27.03.2016
    Ein normaler Mensch sollte ohne weiteres ein einmaliges Tubel, Aloch und solche Dinge ignorieren können. Völlig Sinnlos wenn wegen solchen Sachen Kapazitäten vergeudet werden um zum Beispiel richtigen Mobbing Opfer und Stalking Opfern zu helfen.