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Sawiris bietet den Hotels in Andermatt finanzielle Hilfe an, damit diese ihre Betriebe zu Vier- und Fünfstern-Hotels ausbauen können. Zurzeit gibt es im Dorf nur Zwei- und Dreisternhotels. Der ägyptische Milliardär will aber «ein qualitatives Gefälle zwischen den Hotels seines Resorts und denjenigen im Dorf vermeiden», teilte sein Berater der «Luzerner Zeitung» mit.
Bei den Hoteliers stösst Sawiris Angebot aber meist auf taube Ohren. Um auf einen höheren Standard zu kommen, müssten viele Hotels ihren Gästen grössere Zimmer und Wellness bieten. Dafür fehlt in den meisten Hotels im Dorf aber schlichtweg der Platz. Mehr Luxushotels seien zudem unnötig. «Wir können ja nicht nur auf reiche Gäste setzen», sagt Karl Poletti, Gemeindepräsident von Andermatt.
Goldgräberstimmung in Andermatt
Ein Projekt der Extraklasse: 400 Ferienwohnungen, 50 Privatvillen und mehrere Fünf- und Sechs-Sterne-Hotels plant Sawiris Hotelgruppe Orascom im ruhigen Urner Andermatt. Insgesamt beinhaltet das gigantische Tourismusprojekt 3000 Betten. Dazu kommen diverse Läden, ein Sportzentrum und ein Hallenbad. Für Zerstreuung im Sommer sorgt ein 18-Loch-Golfplatz.
Der benötigte Platz für das neu entstehende Feriendorf beläuft sich auf knapp eine Million Quadratmeter, eine Fläche von rund 140 Fussballfeldern. Das Bauland hat Sawiris bereits grösstenteils erworben. Mittlerweile will der ägyptische Milliardär Sawiris 1,2 Milliarden in sein Projekt stecken. Derzeit arbeiten 18 Architektenteams an der Gestaltung des Resorts. Sawiris Vorgabe: «Es soll eine Ergänzung des ursprünglichen Dorfs geben.» Die erste Etappe der gigantischen Ferienanlage, die schlicht «Andermatt» heisst, soll bereits Ende 2010 fertiggestellt sein.
Touristisches Mauerblümchen
Andermatts glanzvolle Tourismus-Zeiten sind längst vorbei. Am Anfang des 20. Jahrhunderts galt das Dorf im Urserental noch als mondäner Ferienort, doch der Erste Weltkrieg und die folgende Wirtschaftkrise zwangen die Hoteliers zur Schliessung. Heute erinnert nur noch das verfallene Grand Hotel an diese Ära. Mit dem Bau des Gotthard-Tunnels 1980 bekam Andermatt nur noch wenige Reisende zu Gesicht. Die wirtschaftliche Lage verschlechterte sich zunehmend. Die Land- und Forstwirtschaft hat zudem eine geringe Bedeutung: Nur 18 der 1340 Einheimischen arbeiten in dieser Branche. Wichtigster Arbeitgeber war lange Zeit die Schweizer Armee, die im Gotthard gigantische Festungen unterhielt. Mit der Armeereform 21 minimierte das Militär jedoch seine Präsenz, viele Andermatter verloren dadurch ihren Job.
Das ambitiöse Grossprojekt des ägyptischen Investors bietet der wirtschaftlich entkräfteten Gemeinde eine ganz neue Perspektive. Direkt und indirekt solle es in der Umgebung Tausende von Arbeitsplätzen schaffen. Nicht nur ein Segen für Andermatt, auch die umliegenden Ortschaften wie Realp oder Göschenen profitieren von der Goldgräberstimmung. Die Gemeinden nehmen sich längst überfälliger Strassensanierungen an, und die Immobilienbranche boomt.
Das im Talkessel gelegene Göschenen verlor durch den Gotthardtunnel ebenfalls den Durchreiseverkehr. Von den einst 13 Hotels und Restaurants blieben nur deren drei geöffnet. Hoffnungen auf blühenden Tourismus locken nun Kapitalanleger an. Der russische Investor Wladislaw Postoupalski kaufte bereits den «Löwen» und das «De la Gare». Die alte Jugendherberge von Göschenen dürfte auch bald in seinem Besitz sein. Auch ein deutsches Paar kaufte sich eines der leer stehenden Hotels und erhofft sich dank Sawiris bald viel Kundschaft. Eine gute Zeit für Investitionen, meinen Wirtschaftsexperten, denn wenn Sawiris Projekt erst einmal fertiggestellt ist, werden die Immobilienpreise noch weiter steigen.