
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar abzugeben.
Wenn Sie ein Konto bei Facebook haben, können Sie sich damit anmelden.
Wenn wir an Surfer denken, sehen wir Strand, Sonne, Flipflops. Typen, die sich mit der Geste «Hang Loose» grüssen, die mit einer geschlossenen Faust und abgespreiztem Daumen und kleinem Finger fuchteln. «Surfen ist immer noch eine andere Welt» Richard Stauffacher macht das auch, wenn er sich lässig mit einer Hand am Gabelbaum zurücklehnt und vorübergleitet – nur für die Kamera natürlich.
«Surfen ist immer noch eine andere Welt», sagt er. «Wir sind nicht wie die Kunstturner oder Leichtathleten. Aber das Party-Image ist falsch. Wir sind harte Arbeiter. Vielleicht etwas relaxter. Vielleicht etwas anders.» Der 29-Jährige aus Wangs schaut über den Silvaplanersee. «Wenn sich da weit vorne das Wasser kräuselt, kommt der Wind rein.
Im optimalen Alter
Der kommt hier mit Ansage», erklärt er. Einige Wochen pro Jahr lebt er in Silvaplana in seinem Wohnmobil. 12 bis 20 Stunden pro Woche ist er auf dem Wasser, zur Ergänzung joggt er, geht in den Kraftraum. Alles für das Ziel London 2012. Es wären seine dritten Spiele nach Athen 2004 (24. Rang) und Peking 2008 (14. Rang). «Diesmal bin ich im optimalen Alter.»
Er will zumindest ein Diplom. Und auf seiner Homepage steht: «Das Ziel ist eine Olympiamedaille.» Die olympische Klasse, «RS:X», ist eine eigene Welt, abseits des Hypes. Während in den populären Formula-Wettbewerben Stars wie Björn Dunkerbeck berühmt wurden und mit kleineren Brettern und Segeln das grosse Geld verdienen, fristen die Olympia-Surfer ein Mauerblümchen-Dasein.
Surfen zweiter Klasse?
Ist das also Surfen zweiter Klasse? «Nein», sagt Stauffacher, «es macht auch auf die-sem grossen Brett enorm Spass.» Nicht zuletzt, weil auch da Tempi bis zu 50 km/h drinliegen. Er steht im eiskalten See, posiert für ein Foto. Ein muskelbepackter Rücken spannt das Shirt, die Arme mit dem dicken Bizeps erinnern an Popeye. Das ist umso wichtiger, seit das «Pumpen» erlaubt ist, seit man am Gabelbaum das Segel ziehen darf, um mehr Tempo zu machen. «Surfen ist physisch geworden», sagt er. «Der Speed und die Taktik müssen stimmen, man muss den Druck optimal auf die Segel übertragen.
Die Unterarme sind wichtig, und die Beine müssen alles ausgleichen können. Dazu kommt das Material. Hat man die Segel richtig getrimmt? Sitzt die Fussschlaufe? Die Kleinigkeiten machen es aus.» Stauffacher ist Reisender, Kosmopolit, trainiert mal in Spanien, mal in Frankreich, mal in Italien. Weil mit Surfen nur die wenigsten reich werden, hat er parallel Wirtschaft studiert, will an der Uni St. Gallen seine Masterarbeit ablegen. Drei Chancen hat er, sich für Olympia zu qualifizieren. Im Dezember bei der WM in Perth, im März bei der WM in Cadiz oder im April beim Weltcup in Hyères (Fr) muss er einmal mindestens Zwölfter werden. Das reicht.
Im Moment bewegt er sich noch anonym. Nicht so wie Nikos Kaklamanakis, der in seiner Heimat ein Held ist. Der mehrfache Weltmeister und Olympiasieger schmückt in Griechenland ganze Häuserfassaden. «Sohn des Windes» nennt er sich unbescheiden. Davon ist Stauffacher noch ein Stück entfernt. Aber vielleicht ist auch in diesem Fall der Weg das Ziel. «Mein ganzes Leben ist eine Reise», steht auf seiner Homepage. «Es geht nur darum, einen Traum zu haben.»