Psychiater Ralph Aschwanden zum Schock-Fall von Zürich Inzest zerstört die Sexualität

ROMINA LENZLINGER - Ein Bub wird von seinem Bruder über Jahre missbraucht. Laut Forensiker Ralph Aschwanden kommen Fälle von Inzest noch heute regelmässig vor.

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Die Übergriffe geschehen meistens am Mittwoch. Dann sind die Eltern in der Kirche. Der damals 14-jährige P. W.* holt seinen vier Jahre jüngeren Bruder zu sich ins Zimmer, zieht ihn aus und missbraucht ihn. Erst als 16-Jähriger getraut sich das Opfer, über sein Martyrium zu reden.

Gestern verurteilte das Bezirksgericht Zürich P. W. zu 20 Monaten Gefängnis. Bedingt. Statt in den Knast muss er zwei Jahre in einem betreuten Wohnsetting leben und eine Therapie machen. Zu den Taten sagt er: «Ich habe keine Erklärung für das, was passiert ist.» 

Der forensische Psychiater Ralph Aschwanden (45) glaubt dem Täter, der einen IQ von bloss 78 hat: «Sexuelle Taten sind bei unreifen Persönlichkeitsentwicklungen wie der von P. W. oft vorübergehende Störungen und können wieder verschwinden.» Dafür spreche auch, dass es P. W. offenbar nicht primär um Sex ging, sondern um Macht. Auf keinen Fall dürfe man die Taten jedoch verharmlosen. «Was für das junge, vorpubertäre Opfer Doktor­spiele sind», sagt Aschwanden, «sind für den älteren, spätpubertären Täter sexuelle Übergriffe zur eigenen Befriedigung.» 

Laut dem Forensiker ist Inzest in der Schweiz nicht so selten: «Die Dunkelziffer ist gross.»

Zwischen dem fünften und 14. Lebensjahr entwickelten Kinder ihr Schamgefühl und ihre Intimität. «Ein Missbrauch stört diese Entwicklung schwer.» Besonders das schützende Schamgefühl sei für die spätere Beziehungsfähigkeit zentral. Wird es nicht richtig aus­gebildet oder sozusagen wegtrainiert, bekommt der Betroffene später Probleme mit der Sexualität.

«Solche Opfer sind oft sexuell verwahrlost, beziehungsunfähig und führen ein suchtartiges und risikoreicheres Sexualleben», sagt der Psychiater. «Sex mit Gefühlen in einer Beziehung kennen Sie nicht und misstrauen ihm aus Angst vor Verletzungen.» Auch sei die Gefahr gross, dass Opfer später selbst Sexualstraftäter werden.

* Name von der Redaktion geändert

Publiziert am 29.10.2016 | Aktualisiert am 15.12.2016
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4 Kommentare
  • Peter  Thommen aus Basel
    29.10.2016
    Es ist in der heutigen Wissenschaftszeit unverantwortlich, zu pauschalisieren! Zudem wird die Verantwortung der Eltern in der Sexualerziehung völlig ausgeblendet wie immer! Ausserdem ist Homosexualität nicht identisch mit Heterosexualität. Sie kann für junge Heteros schlimm sein. Aber wenn Heterosexuelle Jungs andere Jungs verführen, was meist der Fall ist, auch!
  • Heinrich  Z aus Zürich
    29.10.2016
    Leider kann ich von Psychiatern nicht mehr viel halten. Sie spielen sich dann danach auf aber sonst kommt fast nichts das Vorher, für Hilfe sorgen könnte. Gut es geht ja auch ums Geschaeft.
    • Marco  Hanhart aus Frauenfeld
      29.10.2016
      Dies kann ich sehr gut nachvollziehen, jedoch liegt es doch in der Natur der Sache, dass erst eine Untat geschehen muss bevor man handeln kann.
      Die Forensische Psychiatrie steckt noch in den Kinderschuhen, das sollte man sich einfach mal bewusst machen auch wenn es so manchen Forensiker gibt der denkt, die Weisheit mit Löffeln gegessen zu haben. Dies bestätigen sogar bekannte Professoren auf diesem Gebiet. Daher wären Prognosen nach Raster auch sehr sehr gefährlich, da kann jeder reinfallen.
  • Susanne  Reich 29.10.2016
    Schön wie dieser Psychiater die Opfer zu späteren Tätern hoch-stilisiert. Es gibt sicherlich auch einige Fälle, dass ein Mensch sich sagt, was ich erlebt habe, möchte ich niemandem Anderen antun. Mit seiner Sichtweise sind die Opfer sowieso schon verloren. Er hätte besser erklärt, weshalb ein Täter Solches macht. Dieser Täter wurde vermutlich selbst nicht missbraucht und nicht jeder Spätpubertierende vergreift sich an seinen jüngeren Geschwistern. Was weiss die Psychologie wirklich i.S. Täter?